Dicht ist nicht gleich dicht
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Die Umgebungsgestaltung beim Südpol fügt Michael Töngi als positives Beispiel an. (Bild: mtö)

Wie erschafft man Aufenthaltsqualität? Dicht ist nicht gleich dicht

3 min Lesezeit 1 Kommentar 17.09.2020, 10:54 Uhr

In den dicht besiedelten Städten ist es immer schwieriger, zwischen nah beieinander stehenden Gebäuden den Platz optimal zu nutzen und einen Ort zu schaffen, wo man sich gerne aufhalten möchte. Wo dieses Vorhaben in Luzern gut umgesetzt wurde – und wo nicht, schreibt Nationalrat Michael Töngi in seinem Blogpost.

Zwischen Südpol, Musikhochschule und dem Freigleis ist diesen Sommer eine kleine, attraktive Parkanlage entstanden. Bäume mit breit ausladenden Ästen und der feste Kiesbelag geben ein mediterranes oder fast schon savannenartiges Bild ab. Passend dazu ist die Musikhochschule in einer braunen Farbe gehalten.

Mit den Restaurants und Bars ergibt sich ein attraktiver Ort, der das vorherige Niemandsland aufwertet. Man spricht im Zusammenhang mit Verdichtung und Städteplanung oft von Aufenthaltsqualität und hier wird sichtbar, was dies heisst: Die neuen Gebäude sind nah beieinander, hier ist viel auf wenig Platz, gleichzeitig gibt es grosszügige Aussenräume und diese sind mehr als nur Asphaltplätze mit ein paar Kübelpflanzen.

Mikropole ohne Sonnenschein

Eher in diese Richtung geht es weiter im Süden. Der Mattenhof wirbt mit dem Begriff der Mikropole für sich und gibt sich damit besonders städtisch. Vom Volumen her stimmt das auch, auf einer Fläche von etwas mehr als 10’000 Quadratmeter wurden mehrere Hundert Wohnungen, Büros, Geschäfte und ein Hotel in die Höhe gezogen.

Zum Autor

Der Krienser Michael Töngi (Grüne) ist seit März 2018 im Nationalrat, wo er die Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen präsidiert. Von 1990 bis 2001 war er im Einwohnerrat Kriens, von 2007 bis 2018 im Luzerner Kantonsrat. Der 52-Jährige präsidiert seit 2014 den VCS Luzern und war von 2011 bis 2018 Generalsekretär des Schweizerischen Mieterinnen- und Mieterverbands.

Mitten in den Gebäuden gibt es einen kleineren Platz, die Begrünung beschränkt sich auf ein paar Sträucher, Sonnenschein gibt’s praktisch nie – das mag im Hochsommer richtig sein, aber es wirkt bereits Anfang Herbst etwas düster. Ein paar Stühle stehen herum.

Im Gebiet rund um den Mattenhof kommt ein Bestandteil nach dem andern hinzu, doch der städtische Platz zum Verweilen ist offensichtlich nirgends eingeplant. Auch bei der neuen Pilatusarena mit Hochhaus ist keine solche Aussenfläche vorgesehen. Die Leute werden auf die Allmend verwiesen oder sonst wohin.

Die Umgebung beim Mattenhof könnte einladender gestaltet sein. (Bild: mtö)

Enge als Qualität

Die zwei Beispiele zeigen uns: Dicht ist nicht gleich dicht. Intuitiv wissen wir das längst. Wir gehen nach Paris in die Ferien und geniessen das Flanieren entlang der Boulevards, die breit sind, aber eng und hochbebaut, in Zürich pulsiert das Leben in den Strassen des Kreises 5 – nirgends sonst in der Schweiz wohnen so viele Menschen auf der gleichen Fläche wie in diesem Quartier. An jeder Ecke eine Pizzeria.

In den letzten 30 Jahren wurden verschiedene Plätze vom Verkehr befreit und einladender gestaltet. Dort ist es schon längst dicht oder eng geworden, aber dies wird als Qualität wahrgenommen und in vielen Strassen ist es dank der dortigen Verkehrspolitik ruhiger als in vielen Dörfern auf dem Land.

Reizvolle, attraktive Dichte

Nun kann man natürlich einwenden, dass der Kanton beim Bau von öffentlichen Gebäuden einfacher eine gute Umgebungsgestaltung hinkriegen kann als eine Immobiliengesellschaft wie die Mobimo AG, welche eine Rendite erwirtschaften muss und will.

Und Luzern Süd wird nie zu einem Pariser Innenstadt-Arrondissement, muss sich auch nicht mit einem hippen Zürcher Quartier messen oder mit den tollsten Neubauquartieren von Grossstädten. Aber gute städtische Qualitäten können und müssen auch in Agglomerationsgemeinden eingefordert werden – auch von privaten Bauherren – damit diese Orte gerade in der Dichte ihren Reiz und ihre Attraktivität erhalten.  

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1 Kommentare
  1. Rudolf, 26.10.2020, 12:58 Uhr

    Das Ziel jeder Verdichtung muss sein, die Lebensqualität zu erhöhen. Die Aussenmöblierung mit Grünzeug genügt da nicht.

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