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Zwischen Überforderung und Babyccino

Als das Zähneputzen in ein wütendes Theater ausartete

Was macht man, wenn das Kind vehement nicht Zähneputzen will? (Bild: Adobe Stock)

Ein schreiendes Kind, das Mittagessen verkocht, die Windeln nicht eingekauft. Wer kennt es nicht? Der Alltag mit einem Kleinkind ist manchmal einfach eine reine Überforderung. Ein Rezept dafür gibt es nicht. Oder doch?

Hallo. Ich bin die Neue. Neu bei zentralplus und neu als Bloggerin. Bis jetzt hat sich meine Schreibkunst darauf beschränkt, viermal pro Jahr eine Gastkolumne für die Dorfzeitung meines alten Wohnortes zu schreiben. Gelesen von ein paar wenigen, wirklich nichts Gewaltiges. Nun, dieser Blog ist schon etwas Grösseres für mich, ich fühle mich also beim Schreiben ein wenig unter Druck.

Druck führt bei mir nicht unbedingt zu einem bunten Ideenreichtum, sondern eher zur Blockade. Und in dieser Verfassung einen humorvollen, kritischen und bitte noch gehaltvollen Blogeintrag zu schreiben … Gar nicht mal so leicht.

Ohne Druck geht’s leicht

In meinem Beruf fühle ich mich eigentlich nie blockiert. Ich bin Unterstufenlehrerin, seit elf Jahren. So langsam hab ich’s im Griff und kann die ersten Seiten vom Zahlenbuch auswendig und im Schlaf unterrichten. Versteh mich nicht falsch, ich liebe meinen Beruf und unterrichte mit Hingabe. Der Stoff der 1. Klasse bringt mich aber auch nicht grad an die Grenze meiner Kompetenzen und die Kinder habe ich am Ende immer alle gerne. Bei Problemen weiss ich mir zu helfen oder kenne die richtige Anlaufstelle. Überfordert bin ich also selten. Anders zu Hause. Seit zwei Jahren bin ich nun Mama. Das Leben mit meiner Tochter überfordert mich da doch regelmässig immer mal wieder.

Die Vorgeschichte des Dramas

Neulich zum Beispiel, die zwei Kita-Tage zum Wochenstart waren schwierig. Das ist normalerweise gar nicht so. Meine Tochter liebt die Kita und mein Mann und ich lieben sie auch. Die Kita ist für uns alle drei eine Riesenentlastung und Bereicherung zugleich. Diese besagte Woche aber nicht. Frühmorgens war schon klar, die Tochter möchte zu Hause bleiben. «Mama darf nicht weggehen, Papa darf mich nicht in die Kita bringen.» In der Kita hat sie sich dann an Papa geklammert und der Abschied war superschwer.

Am Abend waren dann weder Mama noch Papa recht und was wir taten schon grad gar nicht. Kein Couscous, sondern Reis, bitte. Nicht der Pyjama mit dem Mond, das andere. Meine Überforderung bahnte sich schon langsam an. Am Mittwoch bin ich mit meiner Tochter jeweils zu Hause. Geplant war ein gemütlicher Tag, nur sie und ich. Das Tempo durfte sie vorgeben, das Programm auch. Das machen wir manchmal bewusst so, damit sie entscheiden darf und ihre Autonomie erleben kann.

Das Rezept ohne Rezept

Ihr Wunsch: Pasta im Restaurant. Nun gut, warum nicht. Also anziehen und Zähne putzen und ab in unser geliebtes Restaurant an der Reuss. Hab ich gedacht. Und meine Tochter hat, so was habe ich noch nie gesehen, ein Theater sondergleichen veranstaltet. Zähneputzen war absolut nicht in ihrem Sinn. Sie schrie und tobte, meine vernünftigen Erklärungen und die kleinen verzweifelten Erpressungsversuche drangen gar nicht mal zu ihr durch. Ich war irgendwann komplett überfordert. Was macht man denn bei so einem Tobsuchtsanfall?

Wie ich vorher schon sagte, Überforderung blockiert mich. Ich tat also nichts. Nicht aus irgendeiner pädagogischen Überzeugung, sondern einfach aus reiner Ahnungslosigkeit. Und weisst du was? Das war vielleicht gar nicht so schlecht. Sie tobte sich aus, warf sich auf den Boden, weinte und ich stand einfach da. Als sie bemerkte, dass irgendwie so gar nichts passierte, schniefte sie, nahm die Zahnbürste und sagte: «Jetzt Zähne putzen.»

Erkenntnis des Tages

Wir gingen ins Restaurant, assen Pasta, tranken Mama- und Babyccino und genossen unseren Tag. Am Abend beim Einschlafen sagte sie noch sehr reflektiert: «Heute beim Zähneputzen, fest Theater gemacht.» Und ich schlief mit der Erkenntnis ein, dass Überforderung vielleicht gar nicht immer so schlecht sein muss. Immerhin hat sie unseren Mama-Tochter-Tag gerettet und mich, ohne eine grosse Idee zu haben, diesen Text schreiben lassen.

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Kinder: Neun Monate sehnt man sie herbei und dann machen sie einen Haufen Arbeit. Und bestimmen ab sofort Mamis und Papis Leben. Fünf Mütter und ein Vater schreiben über ihren Alltag mit dem Familienzuwachs. Von Herausforderungen, Veränderungen, Ängsten und Freuden.
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