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Weshalb Smalltalk mit Studenten viel mit Timing zu tun hat
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Je nach Studiumsfortschritt macht es mehr oder weniger Spass über den Status quo zu informieren. (Symbolbild: Marie-Michèle Bouchard/Unsplash)

Die Reaktionen sind durchaus berechenbar Weshalb Smalltalk mit Studenten viel mit Timing zu tun hat

4 min Lesezeit 2 Kommentare 20.04.2020, 10:48 Uhr

Wer kennt ihn nicht: Den alltäglichen Smalltalk über das Studium oder den Job. Campus-Bloggerin Eliane Ruesch stellt die These auf, dass die Antworten sehr viel mit Timing zu tun haben und lässt ausserdem durchblicken, was im Kopf eines Studenten bei Smalltalk alles vor sich geht.

Ich bin nicht ungern Studentin. Natürlich bringt das Studentenleben gewisse Privilegien mit sich: Vergünstigte Eintritte in allerlei Kulturbetriebe, flexible Arbeitsstunden, Ausschlafen… Aber wie in jeder anderen Beschäftigung gibt es auch für Studierende Tage, an denen man zweifelt oder seinen Fleiss mehr suchen muss als an anderen.

Manchmal kommt man ganz alleine ins Grübeln. Man müht sich seit Stunden ab mit einem besonders komplexen Text und denkt, es wäre schon schön, alles hinzuschmeissen und einfach mal was mit den Händen zu machen, vielleicht etwas kochen oder eine Wand streichen.

An anderen Tagen läuft es super, man ist zufrieden mit sich. Aber man weiss – egal wie viel ich heute erreicht habe – es gibt immer noch mehr zu tun; Texte lesen, Notizen überarbeiten und Arbeiten schreiben. Was das für einen Stress auslösen kann bei Kommilitonen, die an «Aufschieberitis» leiden, füllt locker einen eigenständigen Blogbeitrag …

Fertig für heute

Jedenfalls kommt an jedem Tag ein Zeitpunkt, an dem man einen imaginären Schlussstrich zieht und noch unerledigte Aufgaben auf die nächste Studi-Session verschiebt (sei diese nachmittags oder am Folgetag). Man versucht, sich damit zu schonen und bei Laune zu halten.

Folgende, frei ausgedachte Konversation dient als Verständnishilfe, weshalb der typische Smalltalk mit Studierenden zwar immer ähnlich ist, unmerklich und zuweilen beim Studi aber auch zu einem mittelgrossen Nervenzusammenbruch führen kann. Und um das vorher Diskutierte auf den Punkt zu bringen: Timing ist alles.

Egal wie und von wem diese Fragen gestellt werden, ob erwartet (beispielsweise am Quartierfest) oder unerwartet (beim Einkaufen neben dem Guetzli-Regal), die Antworten hängen (natürlich neben den hier nicht diskutierten Einflüssen) stark davon ab, was für ein Tag es ist.

A = Student nach einem produktiven Tag
B = Student nach einem unproduktiven Tag
C = Student im Tief/in einer harten Phase der Aufschieberitis

«Hoi, schon lange nicht mehr gesehen! Wie geht es denn dir so, wie läuft’s im Studium?»

A: «Hey du, danke, nicht schlecht! Ich habe meine Arbeit zu Food-Waste-Apps fertig, muss nur noch die Quellen kontrollieren. Voll easy!»

B: «Ah hallo! Jaja. Du, es läuft wie immer. Viel am Lesen und momentan hängt’s mir ein wenig zum Hals raus …»

C: «Hallo! Ah ja, du, es ist, wie es ist, Studileben halt. Aber wie geht es dir so?»
Innerlich: AAAAAAAAHH!

«Und an der Uni Luzern, gefällt es dir immer noch?»

A: «Total! Ich kenne inzwischen alle meine Dozierenden und weiss auch, wer wie schnell auf E-Mails antwortet. Das ist immer gut zu wissen, wenn man etwas planen möchte.»

B: «Ja, doch, ich habe nur 45 Minuten zur Uni und die Nähe zum See ist auch schön.»

C: «Jaja, Luzern ist schon schön, aber hast du nicht gerade in Bern neu angefangen?»
AAAAAAAAHH!

«Und wie lange bist du denn jetzt noch dran?»

A: «Wenn es so weitergeht, bin ich nächsten Sommer fertig!»

B: «Momentan bin ich im Master. Den könnte man theoretisch in vier Semestern machen. Aber bei mir werden es vermutlich fünf oder sechs. Das ist aber ganz normal, vor allem bei jenen, die nebenher noch arbeiten.»

C: «Wenn es so weitergeht, mache ich vielleicht ein wenig länger als geplant.»
AAAAAAAAHH! – Fühlt über sich das Damoklesschwert schweben.

«Ah, und jetzt hast du bald wieder so lange Ferien. So schön, hä?»

A: «Haha voll! Aber nur die sehr raffinierten Studis können sich so gut organisieren, dass ein Sommer voll Reisen und Spass drinliegt. Zum Glück gehöre ich ja zu denen!» 😉  

B: «Ja, man hat schon wieder ein wenig mehr Zeit. Aber gleichzeitig kommt auch die Selbstdisziplin härter zum Zug. 24/7 ein schlechtes Gewissen haben ist auch nicht cool, glaub mir.»

C: «Ferien? Nein, nein, das heisst vorlesungsfreie Zeit und wird für das Schreiben von Seminararbeiten und das Lernen auf Prüfungen genutzt.»

C: Ah ja, Ferien. Aber warte, dann muss ich wieder Arbeiten schreiben … AAAAAAAAHH!

«Und nach dem Studium, was machst du dann?»

A: «Vielleicht promoviere ich, man weiss ja nie!»

B: «Ich habe mich schon mal wegen Praktika umgeschaut. Ich freue mich darauf, wenn ich endlich richtig in der Arbeitswelt ankommen werde.»

C: «Zuerst muss ich den Master fertigmachen, danach schauen wir weiter!»

C: Kollege, ich studiere etwas in Geisteswissenschaften. Keine Ahnung! AAAAH!  

Studierende, die an «Aufschieberitis» leiden, tragen einen ständigen inneren Kampf aus. (Bild: Unsplash)

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2 Kommentare
  1. Stefan Hofmann, 21.04.2020, 09:38 Uhr

    Es wird übrigens später in der Arbeitswelt genau gleich weiterlaufen:

    A. Ja, der Job ist super, tolle Leute, spannende Themen, ich kann mich wirklich gut einbringen!
    B. Ja, ist gut bezahlt, flexible Arbeitszeiten, Leute sind nett, Arbeitsbereich ist recht spannend!
    C. Ist gut danke, ich mein, irgendwie muss man ja die Rechnungen bezahlen, gell, haha…

    1. E. R., 21.04.2020, 12:16 Uhr

      In diesem Fall müssen wir Studis uns wohl nicht auf grössere Überraschungen einstellen… Merci für den Tipp!

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