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Warum ich am Samstag auch ohne Credits an der Uni war
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Im Masterstudium geht es plötzlich auch mal zur Uni, wenn keine Credits winken. (Bild: Element5Digital/Unsplash )

Was passieren kann, wenn Studis ihr Seminar selbst gestalten Warum ich am Samstag auch ohne Credits an der Uni war

3 min Lesezeit 15.03.2019, 10:29 Uhr

Zwischen Bachelor und Master hat sich für unsere Bloggerin was getan. Liegts am veränderten Verhältnis zum Studium, oder hat es was mit dem praxisorientierten Angebot zu tun?

Letzten Herbst habe ich mich gefragt, ob wohl das Masterstudium anders wird, als das Bachelorstudium. Da mein Bachelor aber schon ein paar Jahre zurückliegt, kann ich das nur für mich beantworten: Ja, mein Master fühlt sich definitiv anders an, als mein Bachelor.

Früher: Pflichtlektüre, was ist das?

In einer Mehrheit der Bachelorseminare reihte sich Sitzung für Sitzung Referat an Referat. Referate zu Texten, die alle gelesen haben sollten, die aber nur ein Bruchteil der Anwesenden ausgedruckt, geschweige denn gelesen hatten, worauf die anschliessende Diskussion in gegenseitiges Anschweigen verfiel. Das gab es in meinen Masterseminaren bisher kaum. Und bevor es so klingt, als hätten wir im Bachelor gar nichts gelernt: Natürlich gab es auch da einige Seminare, wo es anders war und sich eine tolle Diskussion ergab.

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Es liegt wohl teilweise an der Ernsthaftigkeit, mit der man an einen Master geht. Viele pausieren nach dem Bachelor, um zu arbeiten und entscheiden sich ganz bewusst, gewisse Themen mit einem Master eingehender zu studieren.

Heute: Selber denken bitte!

Es hat aber auch damit zu tun, wie die Seminare aufgebaut sind. Statt Referate zu halten, schreiben wir Memos, kurze Texte in denen wir die gelesene Literatur kritisch reflektieren, womit wir uns auf die Diskussion im Seminar vorbereiten. Mit der kleineren Studierendenzahl im Master kann sich auch seltener jemand vor dem Mitdiskutieren drücken.

Und dann sind da noch die Forschungsseminare, die mich völlig überrascht haben. Studierende der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät kennen das: In der ersten Woche schaut man in alle Veranstaltungen rein, die einen interessieren. In etwa 45 Minuten stellen die Dozierenden das Programm vor und beantworten Fragen, richtig zur Sache geht es erst in Woche zwei. Nicht so im Seminar zum Thema Foodwaste, das ich letztes Semester besuchte. Das Programm bestand noch nicht. Wir Studenten waren gefragt, es zusammenzustellen. Natürlich kam die Dozentin mit Vorschlägen zu Grundlagentexten, doch ob und wann wir gewisse Methoden behandeln wollten, lag an uns zu bestimmen.

Ein guter Teil des Seminars wurde dafür aufgewendet, Forschungslücken in diesem Themenkomplex zu benennen und Forschungsprojekte darum herum zu bauen. Da Foodwaste häufig quantitativ, also mengenbasiert erforscht wird – ein Drittel der Lebensmittel in der Schweiz wird weggeworfen! – konzentrierten wir uns auf qualitativ zu erforschende Fragen – solche nach dem «wie» statt «wieviel». Wir suchten danach, was passiert, wenn Foodwaste bereits entstanden ist oder zu entstehen droht.

Und selber machen sowieso…

Wir gingen ins Feld um qualitative Forschungsmethoden zu testen. Am Schweizer Suppentag erfuhren wir, wie prominente Suppenschöpfer keine Fragen zur Herkunft der Suppe beantworten konnten und sahen, wie viel Wegwerfgeschirr in Abfallsäcken landete. Praxis! An der Uni!

Das Seminar hat mit engagierten Studenten und einer motivierenden Dozentin eine Eigendynamik entwickelt, wie ich persönlich das zuvor noch nicht erlebt habe. Regelmässig landeten Mails der anderen Seminarteilnehmern im Postfach, die auf Veranstaltungen, Unternehmen und Zeitungsberichte zum Thema hinwiesen.

Der Kurs wird dieses Semester weitergeführt und die vorläufigen Ergebnisse der Forschungsarbeiten stellen wir im April an der Uni aus. Dafür konnten wir Forschungsgelder der Uni beantragen und haben an einem Samstag in einem Posterworkshop Inputs bekommen, wie man Forschungsergebnisse sinnvoll darstellt und präsentiert. Am Samstag für keine Credits zur Uni? Hätte es in meinem Bachelor nie gegeben.

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