Zoom-Look, Übermütige und Erschöpfte Nach 18 Monaten: Was sich an der Uni Luzern geändert hat

18.10.2021, 10:54 Uhr 3 min Lesezeit
<p>Aufenthaltsbereich in der Universität Luzern.   (Bild: rew)</p>
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Auch neue Studierende finden sich nun im Aufenthaltsbereich der Uni zurecht (Bild: rew)

Seit kurzer Zeit sind wir zurück im Unigebäude. Dieser Blogpost ist eine Mischung aus eigenen Eindrücken und solcher meiner Mitstudierenden, die in den ersten Wochen seit unserer Rückkehr in den Präsenzunterricht aufgetaucht sind. Ein Stimmungsbild nach eineinhalb Jahren Absenz.

Man fühlte sich seltsam andächtig, bevor man Ende September seit Langem wieder einmal durch die automatischen Türen der Universität trat. Drinnen war das gleich verflogen, es herrschte ein Gewusel wie in früheren Zeiten. Waren das aber immer so viele Leute im Foyer? Schnell die Stöpsel in die Ohren, es ist zu laut. Haben wir etwa verlernt, unter Leuten zu sein?

Alte und neue Mode

Manche Studierenden wirken direkt übermütig, sie scheinen in der Menge und den Erlebnissen zu baden und es kommt einem so vor, als hätten sie sich speziell schick angezogen. Ich muss zugeben, auch ich hatte für den ersten Tag eine Bluse von zuhinterst aus dem Schrank hervorgeholt. Sie passt zwar noch – aber war die schon immer so unbequem? Vielleicht hat man sich doch etwas zu sehr an Trainerhosen und Kuschelpullis gewöhnt. Einige scheinen weniger Skrupel zu haben und den Zoom-Look gleich beizubehalten.

Neben dem inoffiziellen Business-Dresscode der Jus- und Wirtschaftsstudierenden ist auch öfters dieser (auch nicht mehr ganz neue) Modetrend mit den übergrossen Hochwasserhosen, Plateauschuhen und Baseballcaps zu sehen. Vielleicht ist es das Alter, dass er mir und meinen Mitstudierenden – zwischen Ende 20 und Anfang 30 – nicht nachahmenswert erscheint. Aber wenigstens weiss man in dem Alter, dass jede junge Generation ihre eigene Mode haben darf. Apropos junge Generation: Wie viele unbekannte und immer jüngere Gesichter einem da den ganzen Tag über begegnen! Wenn die Entwicklung nicht semesterweise passiert, fällt es grad umso mehr auf.

Ganz schön viel Gewusel an der Uni Luzern.

Unerwünschte Nebenwirkungen

Neben den Übermütigen sieht man immer auch viele offensichtlich Erschöpfte. Sie schleppen sich in die Bibliothek, stolpern in die Mensa und schleichen in die Vorlesungen. War es nur Corona, das ihnen zugesetzt hat? Die ganzen Begleitumstände wie Jobverlust, Trennung von der physischen Lerngruppe, Diskussionen mit in Verschwörungstheorien abgerutschten Verwandten darüber, ob man sich nun impfen soll oder nicht? Oder war das früher auch so? Quälten sich frühere Jahrgänge auch schon zum Abschluss und schoben ihn Semester um Semester vor sich her?

Gleichzeitig mussten sich drei neue Semester ans Unigebäude gewöhnen. Sie fanden die Seminarräume nicht auf Anhieb (zum Beispiel den versteckten, hinter der Bibliothek, wo man glaubt, aus Versehen im Bürotrakt gelandet zu sein). Sie wussten nicht, dass die grössten WC-Anlagen im UG und nicht im EG sind, aber dass man ohnehin besser bedient ist, wenn man in den Obergeschossen auf dem Weg nach unten schnell ein WC aufsucht. Und wir alle mussten wieder aushandeln, wie kurz vor der Mensakasse man noch überholen darf.

Zurück in die Normalität

Nach drei Wochen haben die Studierenden, die seit dem Herbstsemester 2020 angefangen haben und deshalb vorher kaum eine Vorlesung vor Ort besucht hatten, gelernt, dass es Tradition ist, nach den Vorlesungen als Applaus und Abschluss auf den Tisch zu klopfen. Klar, über Zoom machte Winken mehr Sinn.

Sie finden nun die WC auf allen Geschossen und auch die Namensgebung der Seminarräume führt nur noch selten zu Verwirrung. Im zuvor verwirrenden Gewusel erkennt man nun mehr oder weniger geordnete Massenbewegungen.

Auch wir älteren Semester im Master haben uns in der neuen alten Situation wieder zurechtgefunden und ziehen uns gegenseitig durch die Tage und Texte. Trifft man heute die Studienkameraden an der Uni, wird der Lärm rundherum zum weissen Rauschen, das vertraute Gefühl kehrt zurück und man trägt selber zum lautstarken Diskutieren im Lichthof bei.

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