Komplikationen zum Semesterstart – ein Drama in vier Akten

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Der Dozent ist im Saal in seinem Element. (Bild: Fotolia)

Seit kurzem stecken wir wieder im universitären Alltag. Und obschon ich mit acht Semestern Erfahrung im Gepäck eigentlich gelassen ins Semester starten kann, läuft schon mal das Eine oder Andere aus dem Ruder…

Seit kurzem stecken wir wieder im universitären Alltag. Und obschon ich mit acht Semestern Erfahrung im Gepäck eigentlich gelassen ins Semester starten kann, läuft schon mal das Eine oder Andere aus dem Ruder…

Erster Akt: Aufzug der Hauptperson

Bahnhof Luzern. 09:50 Uhr. Gleis 6: Im Zickzack laufe ich um die gemächlich gehenden Ausflügler aus dem Bahnhof raus. Erster Halt. Einige rauchende Kommilitonen vor der Uni. Kurzer Small-Talk. Dann die Erkenntnis, dass es doch noch etwas frisch ist, also schnell rein. Ein kurzer Blick auf den noch vorläufigen Stundenplan. 4. Stock!? Ich begebe mich auf direktem Weg zum Lift. Mist, da steht schon ein Haufen Leute. Dann eben die Treppe hoch. Erster Stock: Alles easy. Zweiter Stock: Mhm, vielleicht hätte ich doch lieber an der PH studieren sollen? Dritter Stock: Besser jetzt das Tempo verlangsamen, sonst bin ich oben ganz ausser Atem. Vierter Stock: Wo ist noch das Sauerstoffzelt? Schnell zur Toilette. Und diese Hitze! Für körperliche Anstrengungen war mein Outfit nicht gedacht. Also weg mit dem Schal und raus aus der Jacke. Beides zusammen fliegt mit der Tasche in eine Ecke. Eine kurze Ruhephase in der Toilettenkabine. Und dann geht es, nach einem letzten Kontrollblick in den Spiegel, ab ins Seminar.

Zweiter Akt: Handlungsgeplänkel

Im Veranstaltungsraum angekommen, schaue ich mich erst einmal um: Den pinken Etuis nach zu urteilen (Einführungstag-Goodies), sitzen eine ganze Menge Neustudierende in diesem Raum. Eigentlich gar nicht schlecht, so kann ich später mit meinem Wissen aus acht Semestern gross auftrumpfen. In der dritten Reihe mittig, ideal um nicht gleich aufzufallen, vergehen die zwei Stunden wie im Fluge. Vorerst werden nur die Sitzungsthemen besprochen und die Referatsdaten vergeben. Trotzdem deuten sich bereits Kopfschmerzen an.

Endlich Mittag. Trotz knurrendem Magen geht es die vier Stockwerke nun bedeutend leichtfüssiger hinunter. In der Eingangshalle wimmelt es von StudentInnen. Einer nach dem anderen findet sein Grüppchen und zieht zur Nahrungsbeschaffung ab. Und ich? Ich warte und warte. Die Minuten schreiten voran, das Hungergefühl wird dominanter und dominanter, da ertönt es endlich hinter mir: «Sorry, sorry, ha no ufs WC müesse und Gäld uselah. Hesch lang gwartet?» Zähne zusammenbeissen, Kopf schütteln und abhaken. Zielstrebig geht es aus der Uni raus und auf direktem Weg zur Bäckerei Bachmann. Nach Sandwich, Linzertörtli und Kaffee wird es Zeit für das Nachmittagsseminar. Noch schnell zur Toilette, wo sich meine Erfahrung bezahlt macht: Gekonnt umgehe ich den WC-Stau im Erdgeschoss und mache mich auf zur, doppelt so grossen, WC-Anlage im Untergeschoss.

Dritter Akt: Der dramatische Wendepunkt!

Dritter Stock. Raum B48: Langsam, aber stetig tröpfeln meine MitstudentInnen ein. 13.15 Uhr, der Dozent betritt die Bühne, pardon, den Raum. 30 Sekunden später: Es klopft und fünf weitere Studierende drängen sich ins Seminar. Längst sind alle Stühle und Tische vergeben. Geschmeichelt von so viel Aufmerksamkeit gibt der Dozierende alles bei der Vorstellung seines Seminarplans. Eine halbe Stunde später nimmt das Drama seinen Lauf. Da natürlich niemand das Seminar freiwillig verlässt, soll eine Auslosung darüber entscheiden, wer in der Veranstaltung verbleiben darf und wer sich nach Alternativen umsehen muss. Emsig werden 35 Zettel beschrieben (25 Seminarplätze und zehn Nieten), gefaltet und unter den Anwesenden verteilt. Und dann ist der Moment gekommen. Die Stunde der Wahrheit, wie man so schön sagt. Ich falte auf. Und bin raus. Meine ganze Semesterplanung ist soeben durcheinander geraten. Frustriert verlasse ich das Seminar.

Vierter Akt: Der Stich ins Herz

Es hätte nicht schlechter laufen können. Immer noch enttäuscht über das Los-Pech geht es, über den Umweg Toilette (mehr aus Gewohnheit denn aus Dringlichkeit), zurück an den Bahnhof, auf Gleis 6, wo alles begann. Schnellen Schrittes strebe ich Wagen vier an. Die Treppe hoch. Schön, es ist noch genügend Platz vorhanden. Doch dann, kurz vor der Ausfahrt des Zuges, bekomme ich Gesellschaft. Drei junggebliebene Wanderinnen setzen sich zu mir ins Abteil. Das letzte bisschen Hoffnung, dass die Damen – man könnte ja annehmen, sie hätten nach ihrem Wandertag bereits sämtlichen Klatsch und Tratsch ausgetauscht – sich eine ruhige Heimfahrt gönnen würden, ist schon beim Vorbeiziehen des Rotsees verloren. Unauffällig suche ich nach meinem iPod. Dunkel zieht eine Erinnerung auf. Der iPod, meine letzte Rettung, liegt wohl noch zuhause auf dem Schreibtisch. Die Erkenntnis trifft mich wie ein Blitz. Der Vorhang fällt.

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