Geteiltes Reich ist halbes Reich…
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Immer diese Einweihungs- und Neuzuzügerparties. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Geteiltes Reich ist halbes Reich…

3 min Lesezeit 25.08.2015, 10:13 Uhr

Wohngemeinschaften von Studierenden beginnen meist mit einer Sause und enden dann im Chaos. Man findet dort Freunde, Schimmelpilz und manchmal auch Streit. WGs sind halt wie das grosse Leben, einfach im Kleinen.

Etwas vom überhaupt wichtigsten im Leben der meisten Menschen ist ihr Zuhause. Etwa ein Drittel des Lohnes sollte das eigene Reich maximal kosten, das sagt zumindest der «Beobachter». Das ist bei den Durchschnittsgehältern von Studierenden nicht gerade viel, was oftmals dazu verleitet, das eigene Reich mit anderen zu teilen.

Diese Möglichkeit, Geld zu sparen, wird für viele zum eigentlichen Inbegriff des Studilebens überhaupt. Warum? Weil man meist zum ersten Mal anderen Menschen in ihrem alltäglichen Leben so nahe kommt, wie bisher höchstens seiner eigenen Familie und es somit den Eindruck macht, fast wie das «echte Leben» zu sein, das nach dem Studium auf einen warten soll. Das hat sehr viele schöne Seiten; Freiheit, Freundschaft, Feten. Es kann aber auch mal richtig stinken; im wahrsten Sinn des Wortes.

Party und Postapokalypse

Mein erstes dieser Abenteuer, wo ich einen Teil meiner Freiheit zu Gunsten des Mietpreises aufgab, begann mit einem Fest. Einweihungspartys nennt man diese relativ billigen Ausgehmöglichkeiten, die sich unter Studierenden einen Namen gemacht haben und oftmals sehr gut besucht sind.

Hier trafen sich zum ersten Mal meine Freunde mit meinen neuen MitbewohnerInnen und deren Freunden in meiner neuen Bleibe. Auch kamen noch Freunde von Freunden und deren Freunde und nochmals einige andere dazu. Wir standen uns gegenseitig auf kleinstem Raum die Füsse platt.

Meine Bemühungen waren vergebens; die liebevoll eingerichtete Bleibe verwandelte sich im Verlauf der Party in ein postapokalyptisches Szenario. Alkoholleichen auf den Sofas, Bier auf dem Teppich und einer Unmenge an dreckigem Geschirr: Der Gang aus dem Zimmer wurde am nächsten Morgen zu jenem in ein bisher unbekanntes Reich des Chaos›, auf welches ich lieber verzichtet hätte.

Geputzt oder nicht ganz geputzt

Jetzt galt es, gemeinsam in die Hände zu spucken: Jemand kümmerte sich um das Aspirin und setzte Kaffee auf, während jemand anders mit dem Abfallsack durch die Wohnung lief und den menschlichen Überresten der Party erklärte, wo sich die Türe befindet. Ich begann mit dem Abwasch. Zum Glück gibt’s in Luzern auch Bäckereien, die sonntags geöffnet haben, so konnte selbst noch ein Frühstück organisiert werden.

Nach den ganzen Strapazen zog sich jeder etwas zurück. In meiner ersten Woche Wohngemeinschaft war ich erstaunt, wie wenig ich gewisse Leute sah, was nicht nur an der Party lag, sondern auch an den unterschiedlichen Tagesabläufen. So lebte ich an manchen Mitbewohnern fast komplett vorbei und hatte mehr Kontakt mit deren Geschirr, als mit ihnen. Andere hingegen waren schuld an meinen andauernden Übernächtigungen, weil sie an jedem Abend noch jemanden brauchten, der sie zur nächsten Fete begleitete.

Friede, Freunde, Politik

So ergaben sich in meiner ersten WG Freundschaften, die fast schon Familienersatz waren. Natürlich fühlten sich dadurch andere ausgeschlossen oder hintergangen und das führte zu Stänkereien. Zuerst wurde hinter allen Rücken gelästert und dann in direkter Konfrontation miteinander gestritten. Über Lärm und Nachtruhe, übers Budget und darüber, wer seine «Ämtli» richtig gemacht hatte und wer, ganz ehrlich, einfach nur ein fauler Sack sei und schuld daran trage, warum es schon wieder eklig aus dem Küchenabfall stinke oder der Kühlschrank langsam zu einer Pilzzucht mutiere.

Rotwein und ein langes Gespräch auf dem Balkon waren die Lösung.

Jeder von seiner Unschuld und der Missetaten des Anderen überzeugt, brauchte es neue Wege zur Konfliktlösung. Was dann wirklich half, waren Rotwein und ein langes Gespräch auf dem Balkon. Ein so langes Gespräch, bis sich alle Parteien wieder einigermassen einig waren. Temporär lief dann wieder alles besser und als es am besten lief und wir aufeinander eingestimmt waren, zog natürlich jemand aus.

Dann musste ein Inserat auf wgzimmer.ch geschaltet und ein Casting für eine neue passende MitbewohnerIn organisiert werden. War sie gefunden, musste von neuem eine Party geschmissen werden. Das WG-Leben ist so. So, wie der grosse «Circle of Life», eben einfach auf knapp siebzig Quadratmetern und höchstens bis zum Abschluss des Studiums – hoffentlich!

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