Asylsuchende bald auf dem Boa-Areal
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Auf dem ehemaligen BOA-Areal sollen ab November 2015 180 Asylsuchende untergebracht werden. (Bild: Screenshot)

Neues Asylzentrum in Rothenburg Asylsuchende bald auf dem Boa-Areal

3 min Lesezeit 2 Kommentare 27.05.2015, 10:17 Uhr

In der Gemeinde Rothenburg werden auf Ende Jahr 180 Asylsuchende untergebracht. Damit liegt die Gemeinde weit über dem Soll von insgesamt 29 Plätzen für Flüchtlinge. Dies dank einer Genossenschaft, die für Rothenburg in die Bresche springt.

Die Ströme asylsuchender Menschen nach Europa haben mit dem wärmeren Frühlingswetter erneut markant zugenommen. Rund 16’300 Flüchtlinge sind allein im Monat April in Süditalien gelandet. Auch die Schweiz und somit der Kanton Luzern, der 4,9 Prozent aller Asylsuchenden in der Schweiz aufnehmen muss, sind betroffen.

180 Flüchtlinge für maximal fünf Jahre

Um weiteren Platz für die Unterbringung von Flüchtlingen zu schaffen, plant der Kanton Luzern in Rothenburg-Station ein Asylzentrum. Rund 180 Personen sollen dort für eine befristete Zeit von maximal fünf Jahren untergebracht werden. Dafür stellt die Migros Luzen einen Teil des ehemaligen BOA-Areals für eine Zwischennutzung zur Verfügung.

«Es ist klar, dass eine solche Meldung in der Bevölkerung Emotionen auslöst.»

Bernhard Büchler, Gemeindepräsident Rothenburg

Dieser Platz sei bitter nötig, sind denn auch viele Gemeinden, die seit Herbst 2014 mit Hilfe des Verteilschlüssels stärker in die Pflicht genommen werden, mit der hohen Anzahl an Asylsuchenden überfordert. Regierungsrat Guido Graf, Vorsteher des Gesundheits- und Sozialdepartements, sagt: «Die Migros hilft dem Kanton sowie den Luzerner Gemeinden, die Unterbringungssituation im Asylbereich über einen längeren Zeitraum zu entschärfen.»

Hoffen auf Solidarität

Allerdings dürften die Rothenburger auch ein Wörtchen mitzureden haben. «Es ist klar, dass eine solche Meldung in der Bevölkerung Emotionen auslöst.», erklärt der Rothenburger Gemeindepräsident Bernhard Büchler auf Anfrage. «Es gibt immer ein Pro und Contra. Ich bin aber überzeugt, dass wir gut vorbereitet sind im Hinblick auf die Informationsveranstaltung und die Fragen der Bevölkerung. Die Bürger selbst erkennen, dass wir uns in Punkto Asylwesen in einer schwierigen Situation befinden.» Büchler hoffe auf die Solidarität aus der Bevölkerung.

Für die Gemeinde Rothenburg kommt diese Zwischennutzung sehr gelegen, da aus Mangel an freien Unterkünften das Soll von 29 Asylsuchenden bisher nicht erreicht werden konnte. Seit Ende letzten Jahres ist die Zahl an in Rothenburg untergebrachten Flüchtlingen auf elf stagniert. Mit der Aufnahme von 180 Asylsuchenden auf voraussichtlich November 2015 erfüllt Rothenburg sein Soll bei Weitem.

Bevölkerung informieren

Für die Rothenburger Bevölkerung findet am 1. Juni um 20 Uhr in der Chärnshalle eine öffentliche Informationsveranstaltung statt. Der Gemeinderat Rothenburg und der Kanton Luzern informieren dann umfassend über das geplante Asylzentrum und beantwortet Fragen aus der Bevölkerung.

Rahmenbedingungen mit Kanton ausgehandelt

Da das ehemalige BOA-Areal nicht im Wohngebiet liegt und freistehend ist, gelang der Rothenburger Gemeinderat zur Überzeugung, dass «sich das Areal für ein befristetes Asylzentrum gut eignet». Um die Interessen der Gemeinde zu sichern, hat der Gemeinderat Rahmenbedingungen mit dem Kanton ausgehandelt. Mitunter die Befristung des Zentrums auf maximal fünf Jahre, die zentrumsinterne Schulung von asylsuchenden Kindern sowie ein umfassendes Sicherheitskonzept.

Als Grund, weshalb die Kinder nicht in die öffentliche Schule geschickt werden, nennt der kantonale Asylkoordinator Ruedi Fahrni: «Bei einem solch grossen Asylzentrum mit 180 Personen wäre eine Gemeinde wie Rothenburg schlicht überfordert, wenn die Kinder eingeschult würden. Deshalb führen wir eine zentrumsinterne Einschulung durch, damit sie in einer zweiten Phase, wenn die Asylsuchenden in die Gemeinden entlassen werden, in die Volksschule eingegliedert werden können.»

Gemeinnützige Arbeit als Beschäftigung

Und die Erwachsenen? Untätig werden die Asylsuchenden nicht bleiben. «Es ist gemeinnützige Arbeit geplant. Darunter zählen Littering-Projekte, die Reinigung von Bachufer oder die Bekämpfung von Neophyten», so Fahrni.

Geführt werden soll das Zentrum in einem 24-Stunden-Betrieb. Sowohl für die Betreuung als auch die entstehenden Kosten ist der Kanton Luzern zuständig.

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2 Kommentare
  1. Boris Kerzenmacher, 16.06.2015, 14:47 Uhr

    der ehemalige Chefredakteur der Bild am Sonntag, schrieb im April dieses Jahres über die BRD-Asylpolitik und ihre Folgen:
    „Ich zumindest rate meinen Kindern, ihre Zukunft hier nicht zu planen. (…) Deutschland wird sich in den nächsten dreißig Jahren dramatisch verändern. Im Moment kommen Zehntausende, die keinerlei Beziehung zu diesem Land, seiner Geschichte, seiner Kultur haben, und dies auch gar nicht wollen. (…) Dann haben wir libanesische Verhältnisse, also ein Land zerrissen vom Gift der Religionen und Ethnien ohne verbindende Idee, unfähig zur Bewahrung der staatlichen Einheit.“
    Wenn selbst einstige Repräsenanten eines Mainstream-Medium Warnungen von solcher Schärfe von sich geben, muss es wirklich schlimm stehen.

  2. Devil DMR, 27.05.2015, 12:29 Uhr

    Hach… Als wären die unzähligen „integrationswilligen“ Balkaner nicht schon genug. Aber danke für den Hinweis.

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