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Alkohol für alle: An Festen versagt der Jugendschutz
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Wer kontrolliert hier noch? Eine Bar an der Fasnacht. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Testkäufe: Luzerner Polizei ist unzufrieden Alkohol für alle: An Festen versagt der Jugendschutz

4 min Lesezeit 18.01.2017, 11:44 Uhr

Denn sie wissen nicht, was sie tun: Im letzten Jahr haben die meisten getesteten Restaurants und praktisch alle Festwirtschaften illegal Alkohol an Junge ausgeschenkt. Das sei nicht böser Wille, sondern mangelndes Bewusstsein, sagt der Fachmann. Immerhin: Etwas besser wird in Geschäften kontrolliert.

Im vergangenen Jahr hat die Luzerner Polizei wieder Alkoholtestkäufe durchgeführt – und die Bilanz ist ernüchternd: Während in Verkaufsgeschäften der Jugendschutz in den meisten Fällen klappt, wird in Restaurants und vor allem in Festwirtschaften munter weiter an Jugendliche ausgeschenkt.

Über die Hälfte aller Restaurants und sogar fast alle Festwirtschaften verstiessen letztes Jahr gegen das Verkaufsverbot: Von 20 getesteten Anlässen schenkten ganze 19 Alkohol an Jugendliche aus. Darum sind auch weiterhin Alkoholtestkäufe geplant.

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Die meisten Restaurants kontrollieren nicht

Bei den Betrieben – Geschäfte und Restaurants zusammen – sieht die Bilanz gesamthaft etwas besser aus als im Vorjahr: 2016 wurden im Auftrag der Luzerner Polizei 26 Verkaufsgeschäfte und 36 Restaurationsbetriebe im ganzen Kanton Luzern geprüft (hier die detaillierten Ergebnisse).

Die Bilanz zeigt: 45 Prozent der getesteten Betriebe verkauften alkoholische Getränke an Jugendliche, das sind etwas weniger als im Vorjahr: 2015 waren es 69 Prozent, 2014 jedoch nur 37 Prozent. Bei den überprüften Verkaufsgeschäften verstiess rund ein Drittel gegen das Alkoholverkaufsverbot, bei den Restaurationsbetrieben lag der Anteil gar über 50 Prozent.

Verwarnungen ausgesprochen

In zufällig ausgewählten Betrieben versuchten Jugendliche, die von Fachpersonen begleitet wurden, alkoholische Getränke zu erwerben. Die begleitenden Fachleute erteilten dem getesteten Personal unmittelbar nach den Testkäufen eine mündliche Rückmeldung. Im Anschluss wurden alle kontrollierten Betriebe schriftlich von der Abteilung Gastgewerbe und Gewerbepolizei über den erfolgten Alkoholtestkauf orientiert.

Staker Alkohol an einer Silvesterparty.

Starker Alkohol an einer Silvesterparty.

(Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Bei 22 Betrieben, welche bei der ersten Testrunde widerrechtlich alkoholische Getränke an Jugendliche verkauften, wurden Nachkontrollen durchgeführt. Dabei verstiessen wiederum 4 Betriebe gegen das Gesetz (18 Prozent). «Diese Betriebe erhielten eine Verwarnung und müssen bei einem weiteren Verstoss mit einem zeitlich beschränkten Alkoholverkaufsverbot rechnen», teilt die Luzerner Polizei mit.

95 Prozent der Feste fallen durch

Überhaupt nicht funktioniert die Kontrolle an Festen: Von 20 Festanlässen verkauften ganze 19 illegal alkoholische Getränke an Jugendliche. Dies entspricht einer Quote von 95 Prozent. Die verantwortlichen Personen der Anlässe wurden ebenfalls verwarnt. Bei erneuten Verstössen gegen den Jugendschutz müssen sie mit einer Bewilligungsverweigerung künftiger Festanlässe rechnen.

«Es ist nicht böser Wille, dass sie Jugendlichen Alkohol ausschenken, es geht im Moment oft einfach unter.»

Felix Wahrenberger, Akzent Prävention und Suchttherapie

«Alle Verkaufsstellen von Alkohol sind für die Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen verantwortlich. Die Polizei hat den gesetzlichen Auftrag, dies zu kontrollieren», teilt Urs Renggli, Chef Gastgewerbe und Gewerbepolizei, mit. Deshalb seien auch weiterhin Alkoholtestkäufe nötig.

Präventive Angebote und Auskunftsstellen

Zum Thema Jugendschutz bezüglich Alkohol gibt es für Gastronomie, Detailhandel und Festwirtschaften gratis Schulungsangebote für die Prävention. Etwa folgende Angebote:

Die Gewerbepolizei ist überzeugt: Testkäufe hätten eine positive Wirkung auf das Verkaufspersonal und «sensibilisieren nachweislich die Verkaufspraxis». Aufgrund der immer noch hohen Durchfallquote müsse der Jugendschutz beim Verkaufspersonal stets thematisiert werden, «dazu gehören strikte Ausweiskontrollen», so Renggli.

Zu wenig Priorität

Dem pflichtet der Suchtfachmann bei: Auch aus Sicht von Felix Wahrenberger von Akzent Prävention und Suchttherapie in Luzern sind Alkoholtestkäufe weiterhin nötig. «Für uns sind nicht in erster Linie die Sanktionen wichtig, sondern die Resultate: Wir erfahren, wo wir noch Handlungsbedarf haben.»

Über die Ergebnisse ist Felix Wahrenberger natürlich wenig erfreut, die Resultate seien eindeutig zu hoch, auch wenn sich die Betriebe leicht verbessert hätten. «Fast alle getesteten Festwirtschaften verkaufen Alkohol an Jugendliche. Wir haben gemerkt, dass das Thema nicht mehr in den Köpfen der Verantwortlichen ist», so Wahrenberger.

Trotz verschiedener Präventions- und Schulungsangebote (siehe Box) habe das Thema Jugendschutz zu wenig Priorität. Wahrenberger erhofft sich, dass die Resultate jetzt den einen oder anderen wachrütteln.

Der Zeitdruck ist gross

Besonderen Handlungsbedarf ortet er bei den Festwirtschaften: «Auch wenn den Verantwortlichen das Problem bewusst ist, dringt es meist nicht bis zum Barpersonal durch», so Wahrenberger. Im Gegensatz zu Geschäften und Restaurants wird das Personal an Festen oft kurzfristig rekrutiert und ist zu wenig geschult, zudem ist der Zeitdruck oft gross. Wahrenberger sagt es so: «Es ist nicht böser Wille, dass sie Jugendlichen Alkohol ausschenken, es geht im Moment oft einfach unter.»

Es fängt beim Grundlegenden an: Das Barpersonal muss wissen, dass es für Kontrollen zuständig ist. «Mitarbeiter müssen wissen, dass sie für den Jugendschutz verantwortlich sind», sagt Wahrenberger.

Zudem gebe es auch für Feste durchaus praktikable Lösungen, um zu verhindern, dass Alkohol in falsche Hände gerät. Etwa, indem man schon an der Kasse den Ausweis kontrolliert und verschiedenfarbige Bändchen verteilt. So sieht das Barpersonal auf einen Blick, wer zum Alkoholkonsum ermächtigt ist. Die fehlende Zeit ist dann keine Ausrede mehr.

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