Zwischenbilanz in Zug: Hätte man doch nur mehr Impfstoff!
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Hier geht's zum Impfen. Falls es noch Impfstoff gibt. (Bild: wia)

65-Jährige sind wohl erst Mitte April an der Reihe Zwischenbilanz in Zug: Hätte man doch nur mehr Impfstoff!

4 min Lesezeit 2 Kommentare 13.02.2021, 10:57 Uhr

Vor rund einem Monat ist das Covid-Impfzentrum in der alten Spinnerei in Baar eröffnet worden. Wo steht Zug heute? Wo harzt es? Die Verantwortlichen ziehen eine erste Bilanz und nennen insbesondere einen kritischen Faktor.

«So, Frau Hürzeler, jetzt piekst’s kurz.» Wenige Sekunden später ist die Sache erledigt. Frau Hürzeler ist halbwegs geimpft und geht fortan etwas entspannter mit dem Bus in die Migros einkaufen. Sie ist eine der 7372 Personen im Kanton Zug (Stand Freitag, 12. Februar), welche die erste Impfdosis gegen Covid-19 verabreicht bekommen haben. 1384 Personen haben bereits die zweite Spritze erhalten.

Anfangs waren es ausschliesslich Menschen über 75 Jahren, die sich zur Impfung anmelden konnten. Mittlerweile sind auch «Personen mit einer Vorerkrankung mit höchstem Risiko» zur Impfung zugelassen, also Menschen mit schweren Herzerkrankungen, ausgeprägtem Bluthochdruck, schweren Atemwegs- oder Nierenerkrankungen, schwerer Diabetes, Adipositas sowie Immundefizienz.

Wie man der betreffenden Webseite entnehmen kann, sind derzeit alle verfügbaren Impftermine ausgebucht.

Aktueller Impfstoff reicht bis Ende Februar

Eigentlich wäre im Zuger Impfzentrum deutlich mehr Kapazität vorhanden, als im Moment nötig ist. Das Problem ist nicht das Personal oder der Platz, sondern der Impfstoff-Engpass, mit dem Zug, wie praktisch jeder andere Kanton und jede andere Nation auch zu kämpfen hat.

«Der uns zur Verfügung stehende Impfstoff reicht aus, dass wir bis Ende Februar circa 15’000 Impfungen durchführen können», erklärt Julien Duc, Sprecher der Zuger Gesundheitsdirektion gegenüber zentralplus. Er versichert: «Alle Zweitimpfungen sind sichergestellt.»

Impfungen in Heimen fast abgeschlossen

In den Alters- und Pflegeheimen des Kantons Zug seien bis dato alle Erstimpfungen erfolgt. «Bis Ende nächster Woche sind mit Ausnahme eines Heimes alle Zweitimpfungen in den Heimen abgeschlossen.»

Man gehe davon aus, dass sich Personen ab 65 Jahren ohne Vorerkrankungen ab Mitte April impfen lassen können, so Duc weiter.

«Wir hätten gerne bereits deutlich mehr Impfungen durchgeführt.»

Rahel Maria Schmid, Kommunikationsverantwortliche Impfzentrum

Betrieben wird das Zuger Impfzentrum von der Andreasklinik und dem Zuger Kantonsspital. Die Kommunikationsverantwortliche Rahel Maria Schmid erklärt auf Anfrage: «Seit der Eröffnung des Impfzentrums läuft der Betrieb so wie erwartet. Wir hätten aber gerne bereits deutlich mehr Impfungen durchgeführt, was wegen der beschränkten Verfügbarkeit des Impfstoffs leider nicht möglich war.»

Dreimal sind allergische Reaktionen aufgetreten

Die Personaleinsatzplanung gestalte sich indes zeitweise anspruchsvoll, da die Menge an verfügbarem Impfstoff teilweise kurzfristig angepasst werde.

Schmid weiter: «Gemäss der Gesundheitsdirektion des Kantons Zug ist für die Monate März und April aktuell mit ähnlichen Impfstoffmengen wie im Januar und Februar zu rechnen. Laut aktueller Planung werden wir bis Ende März zirka 16’800 Erstimpfungen und 10’700 Zweitimpfungen durchgeführt haben.»

«Die Zweitimpfungen dieser drei Personen erfolgen aus Sicherheitsgründen ambulant im Zuger Kantonsspital.»

Julien Duc, Medienverantwortlicher der Gesundheitsdirektion

Im Vorfeld gab es Berichte über seltene allergische Reaktionen, die bei den Covid-Impfungen auftreten können. Gab es solche auch in Zug? Julien Duc sagt dazu: «Bisher sind in drei Fällen allergische Reaktionen aufgetreten. Diese wurden ärztlich begleitet und die Symptome der Nebenwirkungen dem BAG gemeldet. Die Zweitimpfungen dieser drei Personen erfolgen aus Sicherheitsgründen ambulant im Zuger Kantonsspital.»

Nidwalden ist Impf-Spitzenreiter, Zug im Mittelfeld

Wie steht Zug impftechnisch im schweizweiten Vergleich da? Gar nicht so schlecht, wie die Statistik des Bundes zeigt. Während in der Schweiz von 100 Einwohnerinnen durchschnittlich deren 5,58 mittlerweile geimpft sind, sind es im Kanton Zug 6,79 Geimpfte. Knapp ein Zehntel der Bevölkerung liesse sich mit den momentan ausgelieferten Impfdosen behandeln.

Die Kantone Uri und Nidwalden sind derzeit mit Abstand die tüchtigsten in Sachen Covid-19-Impfung. Dort wurden bereits 13,42 respektive 13,96 Prozent der Bevölkerung gepiekst.

Das Schlusslicht bildet Liechtenstein mit 2,63 Prozent, gefolgt vom Kanton Bern mit 4,13 Prozent Geimpften.

Je dunkler der Kanton, desto grösser der Anteil der Bevölkerung, der geimpft ist. (Bild: BAG)

Gute Nachrichten aus Israel

Die Impfungen, so zeigen erste Zahlen aus Israel, scheinen zu wirken. Dort läuft derzeit eine umfangreiche Impfkampagne. Aktuelle Daten bestätigen einen deutlichen Rückgang der Covid-Infektionen. Gemäss einem Artikel des «Tages-Anzeigers» sank die Zahl der täglichen Neuinfektionen in Israel bei unter 60-Jährigen seit dem 9. Februar um 24 Prozent, bei den über 60-Jährigen gar um 56 Prozent.

Das Biontech/Pfizer-Vakzin, das auch in der Schweiz verwendet wird, scheint zudem auch gegen die britische Variante des Virus wirksam zu sein, welches in Israel mittlerweile dominiere, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt.

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2 Kommentare
  1. Maxli Meier, 13.02.2021, 20:00 Uhr

    Als Risikopatient fühle ich mich vom Kanton völlig im Stich gelassen…
    Sie kommunizieren absolut nichts…
    Keine Ahnung wann ich es endlich dran komme…

  2. Roli Greter, 13.02.2021, 16:39 Uhr

    Hätte man doch nur weniger Angst!

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.