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Zwischen Austern und Cervelat
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Nicht alles gelingt auf Anhieb. Wenn nötig, werden die Produkte auch elfmal gebacken, bis das selbst entworfene Rezept stimmt. (Bild: Natalie Ehrenzweig)

Jeannette bekocht aus Walchwil die Zentralschweiz Zwischen Austern und Cervelat

4 min Lesezeit 1 Kommentar 22.09.2015, 10:49 Uhr

Schon über ein Jahr hat die in Walchwil lebende Jeannette Simeon-Dubach ihre eigene Kochsendung. Diese bestreitet sie ausschliesslich mit regionalen Produkten – sonst könnte auch mal Alligatorenschwanz auf dem Speiseplan stehen. Nicht aber Haferschleimsuppe.

Jamie Oliver, Frank Rosin, Tim Mälzer, Steffen Henssler: Die Liste der Fernsehköche ist lang. Kochen hat in den letzten Jahren auf dem Bildschirm ein Revival erlebt. Jeannette Simeon-Dubach hat aber nicht etwa danach gestrebt, es ihren Berufskollegen gleich zu tun. «Dass ich Fernsehköchin auf Tele 1 geworden bin, war eher Zufall», erzählt die in Walchwil lebende Zürcherin, die schon über 20 Jahre als Werbeberaterin selbständig ist.

Als Weihnachtsgeschenk wurden die Kunden immer zum selbstgekochten Abendessen eingeladen. Unter anderem war auch ein Texter der Migros dabei. «Damals wollte die Migros das Label «Aus der Region. Für die Region», emotionaler erlebbar machen. Da entstand die Idee einer Kochsendung», erinnert sich die Fernsehköchin. So sei sie da hineingerutscht.

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Alles selbst entwickelt und getestet

Mittlerweile wurde während den letzten Drehtagen bereits die 80. Sendung aufgenommen. Ausgehend vom Migros-Label «Aus der Region. Für die Region.» kocht Jeannette Simeon-Dubach in ihrer Sendung nur mit Produkten aus der Zentralschweiz und stellt diese auch jeweils kurz vor. «Im Winter ist es etwas schwieriger, neue Rezepte zu kreieren, da wir jeweils sicherstellen müssen, dass es von einem Produkt in der ganzen Zentralschweiz genug hat. Sonst macht ein Rezept in der Kochsendung keinen Sinn», erläutert Jeannette Simeon-Dubach.

In der drei Minuten dauernden Sendung mindestens 20 Stunden Arbeit. «Zuerst mache ich einen groben Jahresplan. Ich entwerfe die Rezepte selber, je nachdem welche Produkte zur Verfügung stehen. Die Rezepte werden dann von mir und meinem Mann getestet. Den Luzerner Lebkuchen habe ich zum Beispiel elfmal gebacken, bevor ich zufrieden war. Das hat meinem Mann Daniel sehr gefallen», erzählt sie lachend.

Dreimal Schlachplatte in einer Woche

Bei der Familie Simeon-Dubach gibt es also phasenweise das gleiche Gericht. «Mit dem Plan versuche ich natürlich schon, nicht alles im letzten Moment auszutüfteln. Aber die Schlachtplatte zum Beispiel gab es letztes Jahr dreimal in einer Woche». Jedes Rezept sei, bevor sie es in der Sendung vorstellt, mindestens fünfmal gekocht worden.

Nicht alles gelingt auf Anhieb. Wenn nötig, werden die Produkte auch elfmal gebacken, bis das selbst entworfene Rezept stimmt.

Nicht alles gelingt auf Anhieb. Wenn nötig, werden die Produkte auch elfmal gebacken, bis das selbst entworfene Rezept stimmt.

(Bild: Natalie Ehrenzweig)

Zur Zeit tüftelt Jeannette Simeon-Dubach an Dörrfrucht-Konfekt. Drei Portionen waren mit verschiedenen Temperaturen im Backofen. Nachdem die Rezepte mit den Sortimentsverantwortlichen der Migros besprochen wurden, werden in zwei Tagen jeweils fünf Sendungen gedreht. Seit die Werbeberaterin am Fernsehen kocht, hat sich ihr Verhältnis zum Essen nicht merklich verändert: «Ich habe früher nur mehr Handgelenk mal Pi gekocht, heute muss ich das genauer machen. Aber kulinarisch neugierig war ich schon immer, auch auf Reisen».

Exotik, aber auch klare No-Go’s

Auf ihrem exotischen Teller lagen bereits nach Nuss schmeckende geröstete Ameisen, ein Alligatorenschwanz oder etwa geraspelte Hühnerfüsse, die sie auf einem Markt in Kuala Lumpur probiert hat. «Die waren verarbeitet in etwas, das aussah wie eine Salami. Es hat sehr gut und kräftig geschmeckt. Der Trend geht dahin, dass wir in der Schweiz vermehrt wieder das ganze Tier essen. Zum Beispiel werden wieder öfter Wädli oder Hühnerhälse gekauft», weiss Jeanette Simeon-Dubach. Schlange würde sie gern probieren, aber gequälte Tiere kämen bei ihr nicht auf den Menüplan.

Ebenfalls nicht essen würde sie Haferschleimsuppe: «Ich hatte als Kind eine Operation und die Nonne sass danach neben meinem Bett und wartete. Aber ich ass meine Suppe nicht», erzählt die SP-Frau, die ihr politisches Engagement in Spreitenbach startete, wo sie lange Zeit lebte. «Vor 17 Jahren haben wir uns den Traum erfüllt an einem See zu wohnen. Und mein Mann braucht als Bündner auch ein paar Berge. Da hat Walchwil gepasst», sagt sie und deutet auf die Aussicht.

Engagiert in der Region

Walchwil passt auch aus anderen Gründen: Bereits als Kind war Jeannette Simeon-Dubach oft in der Zentralschweiz bei ihren Verwandten in den Ferien. Unter anderem auch bei ihrem Onkel und ihrer Tante, die einen Käseladen in Zug hatten. «Heute wird er von meinem Cousin geführt», freut sich die Kochexpertin, die sich in ihrer Freizeit für die Rosengesellschaft Zug und die weltweite Frauen-Service-Organisationen Soroptimists engagiert, sowie ein Verwaltungsratsmandat bei der ewl hat. Auch da geht es oft ums Essen. So nimmt sie gerne ihre Testprodukte an eine Sitzung mit oder organisiert ein Kuchenbuffet für ein Fest, das die Soroptimistinnen ausrichten: «Die Ideen gehen mir nicht aus». Ihre Vielseitigkeit drückt sich auch in ihren Lieblingsessen aus. «Ich kann mich nicht zwischen Austern und Cervelat entscheiden», verrät sie lachend. 

Hinweis: Die passionierte Köchin ist jeden Sonntag um 18.55 auf Tele 1 zu sehen. Und seit neustem auch im eat’n Drink-Blog auf zentral+

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1 Kommentare
  1. Karin Streuli, 23.09.2015, 08:14 Uhr

    Ein sehr gelungenes Interview mit Jeannette Simeon-Dubach, einer kompetenten, kreativen Köchin!
    Die Rezepte sind in der Anwendung sehr schlicht, im Genuss genial einmalig!
    Möge die Sendung mit Jeannette Simeon-Dubach noch viele Jhre bestehen!
    Weiter so!
    Karin aus Baden