Zuger Landis&Gyr-Areal: Jetzt wird die «verbotene Stadt» geöffnet
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Die geladenen Gäste tauschen sich über dem Modell des Siegerprojektes aus. (Bild: bic)

Siegerprojekt wurde vorgestellt Zuger Landis&Gyr-Areal: Jetzt wird die «verbotene Stadt» geöffnet

4 min Lesezeit 24.09.2020, 21:31 Uhr

Das Landis&Gyr-Areal im Westen der Stadt Zug soll zu einem belebten und modernen Quartier werden. Am Donnerstag wurde das Siegerprojekt für die Überbauung präsentiert und die Bevölkerung zum Austausch in den «Freiruum» geladen. Eines wurde rasch klar: Die ganz grossen Diskussionen werden erst noch folgen.

Es ist wohl das grösste Bau- und Entwicklungsprojekt, das in der Zentralschweiz derzeit vorangetrieben wird. Nicht weniger als ein ganzes Quartier soll auf dem 146’000 Quadratmeter grossen ehemaligen Fabrikgelände der Firma Landis&Gyr mitten in der Stadt Zug entstehen. Mehr als fünf Jahre wurde diskutiert, abgeklärt und geplant.

Nun ist klar, wie sich der neue Stadtteil künftig präsentieren soll. Am Donnerstag wurde das architektonische und städtebauliche Siegerprojekt der Öffentlichkeit vorgestellt, gefolgt von einem Auftaktforum im «Freiruum», an welchem sich die Bevölkerung aktiv einbringen konnte. Im Kern ging es darum, wie das neue Quartier künftig mit Leben gefüllt werden soll. Das Wort «Leben» war an diesem Donnerstag dann auch in gefühlt jedem zweiten Satz zu hören.

Die Schranken verschwinden, das Areal wird geöffnet

Vor allem bei den Verantwortlichen von Stadt, Grundeigentümern und Planern war die Freude darüber, dass es nun endlich losgehen soll, förmlich zu spüren. Und etwas wurde rasch klar: Sollte das Megaprojekt dereinst verwirklicht sein, wird die Stadt Zug wohl nicht mehr die gleiche sein.

Entsprechend fielen mitunter pathetische Worte: «Die verbotene Stadt wird nun geöffnet», sagte Christoph Müller als Vertreter der Grundeigentümerschaft. Damit sprach er die ehemalige Nutzung des LG-Areals als Industriefläche an, die für die breite Öffentlichkeit nicht zugänglich und an verschiedenen Orten mit Pförtnerhäuschen versehen war.

Oder wie es die Zuger Stadträtin Eliane Birchmeier ausdrückte: «Das LG-Areal befand sich bisher wohl in einer Art Dornröschenschlaf. Wer nicht hier arbeitet, hatte bis vor Kurzen kaum einen Grund, einen Fuss auf das Gebiet zu setzen.» Dabei habe es viel mehr zu bieten, da es sich um einen «wirtschaftlich bedeutenden und emotionalen Ort» handle.

Die Stadt wird nicht getrennt, sondern verbunden

Mit dem «Freiruum» in der alten Shed-Halle an der Zählerstrasse sei bereits ein wichtiger Schritt in Richtung Zukunft gemacht worden. «Diese wollen die Zuger keinesfalls mehr hergeben», so Birchmeier. Wie die Verantwortlichen unisono betonten und auch während des Forums ersichtlich wurde, soll dieser folglich erhalten und noch mehr Freiräume realisiert werden. «Wir wollen ein grünes und lebendiges Quartier mit Bäumen, Wasser und viel Aufenthaltsqualität schaffen. Dafür wird ein klarer Fokus auf preisgünstigem Wohnraum sowie bezahlbare Gewerbeflächen im Erdgeschoss gelegt», hielt die Baudirektorin fest.

Blick vom Park Tower (links) Richtung Dammstrasse: Der Platz dient quasi als Eingang ins neue Quartier. Deshalb wird er von den Planern auch «Foyer» genannt. Die Dammstrasse wird zum sogenannten «Stripe», einer Art Boulevard mit Beizen und Dienstleistungsangeboten.

Herzstück des neuen Quartiers wird die neue Personenunterführung Guthirt sein, die das Areal in West-Ost-Richtung durchquert und direkt an den Bahnhof führt. Dafür wird die Shedhalle punktuell geöffnet und ein Durchgang in die Mitte des über 100 Meter langen Baus an den Zählerweg gebaut.

Auch der Zählerweg selber soll etwas breiter werden und zu einer belebten Gasse mit Cafés und Bäumen werden. Deshalb soll die Shedhalle auch etwas verkleinert werden. «Das LG-Areal hat eine Strahlkraft über das Quartier hinaus und wird die Stadt künftig nicht mehr trennen, sondern vielmehr verbinden», sagte Christian Salewski vom Planungsteam, welches das Projekt umsetzen wird. Verbinden soll das LG-Areal auch dahingehend, dass sich verschiedene Bevölkerungsgruppen im neuen Stadtteil treffen sollen. Und auch die kantonale Veloroute soll durch das Gebiet führen. Hier stehen die Planer in Kontakt mit der Stadt.

Statt Parkplätze gibt’s Flanierfläche: So soll der Theilerplatz künftig aussehen (Blick Richtung Norden/Baar).

Bei den präsentierten Plänen handelt es sich erst um ein architektonisches und städtebauliches Grobkonzept. Die grossen Fragen und sicherlich emotionalen Debatten werden sich indes um die Art der Nutzung des Areals drehen, wie während des öffentlichen Forums deutlich wurde. Gibt es bezahlbare Räumlichkeiten für Vereine? Was braucht es, damit die Menschen künftig auf das LG-Areal kommen statt an den See zu gehen und wie «zugerisch» oder «hippstrig» wird sich das neue Quartier letztlich präsentieren? So lautete beispielsweise ein Votum, dass man sich nicht zu stark an Projekten in Metropolen wie Zürich oder Hamburg orientieren soll. «Zug ist und bleibt nun mal Provinz», brachte es eine Teilnehmerin auf den Punkt.

Der Anlass vom Freitag war folglich eine Art virtueller Spatenstich für das Megaprojekt auf dem alten Industrieareal, dessen Geschichte und Charme die Planer unbedingt in die Zukunft retten wollen. Die harte Knochenarbeit steht der Stadt, den Investorinnen sowie den Planern erst noch bevor. Die Baumaschinen sollen 2025 auffahren.

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