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Mitnichten eine Grunge-Band – Liquid Sunshine (v.l.): Jonas Plüss (Bass), Patrick Sidler (Gitarre), Linda Weichert (Sängerin), Etienne Beyeler (Keyboard) und Simon Plüss (Schlagzeug). (Bild: zvg)

Zuger Newcomer am Openair Ägeri «Wir sind selber positiv von uns überrascht»

5 min Lesezeit 25.08.2015, 14:04 Uhr

Das Openair Ägeri: Ein kleines aber feines Festival direkt am Ägerisee. Klein sind mitunter auch die auftretenden Bands, zumindest was ihr Œuvre betrifft. Die allererste Band des Festivals spielte erst zum zweiten Mal ein Konzert – es ist aber noch lange nicht Schluss.

Liquid Sunshine: Das klingt nach Farben, nach Licht und irgendwie psychedelisch. Der geneigte Leser mag an ein Plattencover der britischen Rockband Pink Floyd denken. So abwegig ist der Vergleich nicht, zumindest was den späten musikalischen Stil der Kultrocker betrifft.

«Wir spielen Alternative Rock, das heisst irgendwie alles und nichts konkret», sagt Etienne Beyeler, Keyboarder von Liquid Sunshine. Psychedelisch sei ihre Musik nicht, aber andere Einflüsse wären unverkennbar. «Unser musikalisches Fundament ist eindeutig Rock. Hinzu kommen Einflüsse aus Funk und Jazz», erklärt Beyeler.

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Vorfreude statt Nervosität

Liquid Sunshine, das sind fünf junge Musiker zwischen 18 und 22 Jahren aus Zug und Umgebung. Eine Combo, die gerade mal seit Herbst 2014 in dieser Formation besteht und am vergangenen Samstag erst ihren zweiten Auftritt bestritten hat. Waren sie sehr nervös?

Liquid Sunshine on tour

Am Samstag, den 22. August, fand im Strandbad Lido in Unterägeri das Openair Ägeri statt. Das Festival wurde von hiesigen Jugendlichen in Zusammenarbeit mit der Jugendarbeit Ägerital organisiert. Wer das Konzert von Liquid Sunshine am Albis Openair oder den Auftritt in Ägeri verpasst haben sollte, hat die Möglichkeit, den jungen Musikern anderweitig zu lauschen. Am 5. September spielen sie am Riffi Jam in Rifferswil und am 9. Oktober trifft man die Band am Has Club Festival in Hausen am Albis.

«Nein», meint Leadsängerin Linda Weichert, «die Anspannung kam wiederum unmittelbar vor dem Auftritt». Sie spreche aber lieber von Vorfreude als von Nervosität. «Ich freute mich darauf, auf der Bühne zu stehen und die Leute zu unterhalten», sagt die 19-Jährige. Das scheint bei Zuhörern und Veranstaltern gleichermassen anzukommen. Schliesslich gibt’s Liquid Sunshine noch nicht lange. Trotzdem spielen sie diesen Sommer gleich vier Konzerte (siehe Box).

«Wir hätten nicht gedacht, dass es so schnell gehen würde und sind entsprechend selber positiv von uns überrascht», meint Beyeler zu den Auftritten. Überrascht seien sie deswegen, weil sie Auftrittsmöglichkeiten nicht aktiv gesucht hätten. «Unsere Konzerte sind alle zufällig zustande gekommen», erklärt der 18-jährige Keyboarder. «Jemand, der uns kennt, kennt jemanden, der jemandem aus dem Veranstalterteam kennt, der uns für einen Auftritt angefragt hat.»

Aus Freude an der Musik

Jimi Hendrix, Queen, Steppenwolf und The Doors – die Idole der Bandmitglieder tragen grosse Namen. Wobei: «Das sind nicht wirklich unsere Idole, sondern vielmehr Inspirationsquellen», betont Beyeler. «Wir versuchen nicht, irgendjemanden zu kopieren. Unser eigener Stil ist uns wichtig.» Ebenso wichtig sei ihnen die Musik an sich. Es gehe um die Menschen, die Musik erschaffen, die Instrumente selber spielen und eigene Texte schreiben. «Ich schreibe zwar die Songs, aber letztlich drückt jedes einzelne Bandmitglied mit seinem Instrument dem Stück den jeweils eigenen Stempel auf», erklärt Weichert.

«Wir sind keine Grunge-Band.»

Linda Weichert, Sängerin von Liquid Sunshine

Insgesamt vier eigene Songs umfasse ihr Repertoire gegenwärtig. «Drunken Soul», «Don’t Try» und «Try Something Different» lauten drei davon. «Wrong Generation», ein melancholisch angehauchtes Stück, wirft einen kritischen, ja fast düsteren Blick auf die junge Generation, welcher die Bandmitglieder selber angehören. Ist Liquid Sunshine eine Grunge-Band?

«Auf keinen Fall», lacht Sängerin Weichert. «Das widerspiegelt bereits unser Bandname.» Liquid Sunshine, so erklärt sie, sei ein Ausdruck aus der Karibik. Den Regen bei gleichzeitigem Sonnenschein würden die Inselbewohner Liquid Sunshine nennen. «Das hat vielleicht eine romantische oder leicht melancholische Verbindung. Im Vordergrund steht aber das Gegensätzliche», sagt sie und meint damit den musikalischen Stilmix sowie die Kombination aus eigenen und gecoverten Songs.

«Das Publikum am Openair Ägeri sollte noch mehr miteinbezogen werden.» Linda Weichert und Etienne Beyeler von Liquid Sunshine.

«Das Publikum am Openair Ägeri sollte noch mehr miteinbezogen werden.» Linda Weichert und Etienne Beyeler von Liquid Sunshine.

(Bild: pbu)

Von Harmonie und utopischen Vorstellungen

Von ihrem ersten Auftritt am Albis Openair, das gerade mal zwei Woche zurück liegt, hätten sie bereits Lehren gezogen. «Als Auftaktband ist es eine spezielle Herausforderung, das Publikum einzustimmen, es anzuregen», sagt Beyeler. «Das ist uns beim ersten Konzert nicht schlecht gelungen, aber in Ägeri wollten wir uns diesbezüglich nochmals steigern.» Das Publikum sollte noch mehr miteinbezogen werden, merken die beiden an.

Und dies sei ihnen auch gelungen, wie Etienne Beyeler ausführt: «Anfänglich waren wir überrascht, wie gross die Bühne ist», lacht der Keyboarder. «Wir konnten unsere Ansprüche aber dennoch umsetzen. Wir haben das Publikum gesucht und mit den Leuten geredet. Das ist gut angekommen.» Das Ganze sei natürlich noch ausbaubfähig, aber sie wähnten sich auf einem guten Weg, sagt Beyeler.

Ihre ersten Konzerte haben sie also überlebt. «Es hat enorm viel Spass gemacht. Wir harmonieren gut zusammen», sind sich die beiden einig. Und doch: Abgehobene Ambitionen lassen sich bei den jungen Musikern keine ausmachen. Beifälliges Feedback von Zuschauern und spürbare Anerkennung anderer Musiker nähmen sie zwar gern zur Kenntnis. Utopische Vorstellungen bleiben jedoch aus.

«Von der Musik zu leben ist nicht nur nahezu unmöglich, sondern im Moment absolut unrealistisch», betont Weichert. Die Bandmitglieder steckten mitten in der Ausbildung. «Diese hat klar Vorrang, ein Dasein als Fulltime-Musiker kommt zurzeit nicht in Frage», konstatiert sie.

Ab ins Hallenstadion

Und wie steht’s um die musikalische Zukunft? Was noch nicht ist, könne ja noch werden. «Es geht schon darum, etwas bekannter zu werden», sagt Beyeler. Im Vordergrund stehe aber klar der Spass. «Wir alle haben Freude an Liquid Sunshine und möchten das auch weiterhin haben. Die Band soll schliesslich langfristig bestehen.» Gross forcieren wolle man nichts, aber: «Wir können uns schon vorstellen, uns aktiver um Auftritte zu bemühen», meint Beyeler. Auf den Zufall alleine sollte man sich nicht verlassen.

«Ein Konzert im Hallenstadion wäre natürlich auch nicht schlecht.»

Etienne Beyeler, Keyboarder bei Liquid Sunshine

Verlockend seien Konzerte am Rock the Docks Festival, am Rampe Openair in Sursee oder ein Auftritt in der Galvanik. «Ein Konzert im Hallenstadion wäre natürlich auch nicht schlecht», fügt Beyeler mit einem Schmunzeln an. Bis es aber soweit ist, gilt es zunächst, das eigene Songrepertoire aufzustocken und ein Demotape aufzunehmen. Ein solches existiere zurzeit nur ideell. Auf jeden Fall werden auch die künftigen Songs in englischer Sprache gesungen, denn: «Wir wollen international offen sein», betont Beyeler.

Für eine musikalische Kostprobe von Liquid Sunshine bleibt dem Entdeckungsfreudigen vorerst nichts anderes übrig, als sich die Band live an kommenden Festivals zu Gemüte zu führen. Dann wird sich zeigen, ob sie ihren Erwartungen gerecht werden, die da wären: «Spass zu haben und dem Publikum eine gute Zeit zu bieten», wie es Linda Weichert formuliert.

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