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Wildkräutersuppe: der Superfood, der vor der Haustüre wächst
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Nachdem die Zwiebeln mit Öl angedünstet wurden, werden die Wildkräuter beigegeben. (Bild: wia )

Auf Sammeltour mit der Kräuterfrau von Ägeri Wildkräutersuppe: der Superfood, der vor der Haustüre wächst

4 min Lesezeit 19.04.2019, 05:11 Uhr

Wildkräuterkurse boomen derzeit im Kanton Zug. So auch am Gründonnerstag, als zentralplus in Unterägeri sechs Frauen bei der Suche nach neun Kräutern begleitete. Mit dem Ziel, daraus eine traditionelle Suppe zu brauen. Denn die Kräuter vor der Haustüre haben das Potenzial zum Trend.

Den Unterschied zwischen Maiglöckchen und Bärlauch kennen wir gerade knapp – was, wie die Teilnehmerinnen an diesem Tag lernen, auch ziemlich überlebenswichtig sein kann. Dann jedoch hört es auf mit unserem Wildpflanzenwissen.

Die Gelegenheit, dies zu ändern, bot sich am Gründonnerstag. Die Heilpflanzenfachfrau Annamarie Rogenmoser lud zum Kräutersammel-Spaziergang in Unterägeri. Das Ziel: Mindestens neun essbare Wildpflanzen zu sammeln, die dann im Suppentopf landen. Denn am Gründonnerstag, da wird traditionellerweise die «Neunkräutersuppe» gegessen.

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Erinnerung an Christus Leid

«Neun, das sind drei mal drei – eine Zahl, die als heilig und als Symbol für die Heilige Dreifaltigkeit gilt. Diese etwas bittere Suppe wurde von den Katholiken gegessen, um in der Karwoche an das Leiden Christi zu erinnern», erklärt Rogenmoser, während wir auf der Wiese stehen.

Die Heilpflanzenfachfrau Annamarie Rogenmoser erklärt, wofür die Kräuter gut sind.

Die Heilpflanzenfachfrau Annamarie Rogenmoser erklärt, wofür die Kräuter gut sind.

(Bild: wia)

Dahin, wo der Bärlauch wächst

Das klingt ja nicht gerade lecker. Der Blick schweift in die Gegend. Das Einzige, was wir erkennen, ist Löwenzahn. Ein bitteres Kraut ist also bereits vorhanden. Rogenmoser lotst die fünf Teilnehmerinnen ins Tobel hinunter. Denn dort, in der Nähe des Bachbetts, verbergen sich unzählige Kräuter, die der Suppe gelegen kommen. Bärlauch etwa gibt es zuhauf. Der wird denn auch eifrig gesammelt und in Säcke verstaut.

Rogenmoser warnt: «Passt aber auf, dass ihr auch wirklich Bärlauch erwischt.» Denn dessen Blätter ähneln nicht nur der Herbstzeitlosen, sondern auch dem Maiglöckchen – beides giftige Pflanzen. «Jedes Bärlauchblatt wächst an einem einzelnen Stängel. Daran, und natürlich am Geruch, kann man ihn unterscheiden», so die gebürtige Glarnerin weiter.

Seit Kindesbeinen mit Wildpflanzen in Berührung

Schon immer waren essbare Wildpflanzen und Heilkräuter Teil von Rogenmosers Leben. Bereits als Kind wurden wilde Kräuter bei ihr zu Hause genutzt. «So etwa wilder Thymian oder Schlüsselblumen», erinnert sie sich.

Vor einigen Jahren liess sich die dreifache Mutter zur Heilpflanzenfachperson ausbilden und bietet seit eineinhalb Jahren Kurse, Workshops und Kräuterwanderungen an.

«Falls ihr keine Angst vor dem Fuchsbandwurm habt, könnt ihr mal davon probieren.»

Annamarie Rogenmoser, Wildkräuterfachfrau

«Wildpflanzen haben sehr viele Bitterstoffe. Diese kurbeln unter anderem den Stoffwechsel und die Verdauung an. Bei heutigen Salaten kommen Bitterstoffe fast nicht mehr vor, da sie bewusst weggezüchtet wurden», so die Expertin.

Auch in Sachen Vitaminen sei einiges in der Lebensmittelproduktion verloren gegangen: «Während der Tagesbedarf von 100 Milligramm an Vitamin C bereits mit 30 Gramm Brennnesseln gedeckt ist, müsste man ganze 800 Gramm Kopfsalat essen.»

Wer hat Angst vor dem Fuchsbandwurm?

In einem feuchten Waldgebiet entdeckt Rogenmoser ein kleinblättriges, flaches Gewächs. «Falls ihr keine Angst vor dem Fuchsbandwurm habt, könnt ihr mal davon probieren.» Gesagt, getan. Unerwartet scharf ist das Kraut, «senfig» und intensiv. Es handelt sich um Brunnenkresse. Und kommt flugs in die Kräutersammlung. Denn mit Kochen wird einem allfälligen Bandwurm der Garaus gemacht.

Auf der Suche nach der natürlichen Schärfe: Brunnenkresse eignet sich sehr gut zum Kochen.

Auf der Suche nach der natürlichen Schärfe: Brunnenkresse eignet sich sehr gut zum Kochen.

(Bild: wia)

Auch das Schlüsselblüemli kommt in die Sammlung. Ein wenig fürchtet man sich bereits vor dieser Suppe. Um die Mittagsstunde kehrt die Gruppe zurück in die Zivilisation, in Annamarie Rogenmosers Wohnung.

Jeder erhält ein Messer und Brett, alle helfen mitschnippeln. Die Kräuter werden zerkleinert, während Rogenmoser bereits die Zwiebeln im Topf anbrät. Fertig geschnippelt, rein in den Topf. Die ganze Sache wird mit etwas Mehl bestreut und in Bouillon gekocht. Püriert, mit Crème fraîche abgeschmeckt, voilà.

Die Teilnehmerinnen schnippeln die Kräuter für die Suppe.

Die Teilnehmerinnen schnippeln die Kräuter für die Suppe.

(Bild: wia)

Das schmeckt ja gar nicht nach Gras

So sitzen die Teilnehmer denn bald vor einer grasgrünen Suppe, probieren, und werden so gar nicht ans Leiden Christi gemahnt. Im Gegenteil. Diese Suppe ist lecker, würzig, so gar nicht grasig wie in der Vorstellung. Von Bitterkeit keine Spur.

Es ist einer von vielen Kursen, welche Rogenmoser anbietet. Der Verdacht liegt nahe, dass – in Zeiten, in denen Gesundheit und Nachhaltigkeit immer grösser geschrieben werden – das Interesse in der Bevölkerung auch steigt. «Ich glaube schon, dass sich immer mehr Leute dafür interessieren. Gleichzeitig fehlt vielen jedoch auch die Zeit, hinauszugehen und selber Kräuter zu sammeln.»

Schmeckt erstaunlich gut: Die Gründonnerstagsuppe aus verschiedenen Wildkräutern.

Schmeckt erstaunlich gut: Die Gründonnerstagssuppe aus verschiedenen Wildkräutern.

(Bild: wia)

Der Superfood, der vor der Haustüre wächst

Die Tendenz, dass das Grundinteresse an essbaren Wildpflanzen steigt, beobachtet auch Nadia Räber aus Sattel. Die Fachberaterin für Selbstversorgung mit essbaren Wildpflanzen sagt: «Alle sprechen von Superfood. Doch im Prinzip haben wir den Superfood gleich vor der Haustüre.»

Doch auch sie macht immer wieder die Beobachtung, dass Leute zwar grundsätzlich interessiert sind, doch keine Zeit haben. «Ausserdem merke ich, dass viele Menschen zu wenig Geduld haben, um Heilpflanzen anzuwenden. Bei denen dauert’s halt etwas länger, bis sie wirken», so Räber.

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