Weder Mann noch Frau – «was soll’s!»
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Sascha tritt an diesem Mittwochabend im Kleintheater Luzern auf. (Bild: Anne Gabriel-Jürgens/zvg Kleintheater Luzern)

Neue Luzerner «Spoken Word»-Veranstaltungsreihe Weder Mann noch Frau – «was soll’s!»

4 min Lesezeit 11.12.2019, 18:30 Uhr

An diesem Mittwochabend dreht sich im Kleintheater Luzern alles ums Thema Gender. Mit dabei ist auch ein Transmann und Sascha. Sascha fühlt sich weder als Mann noch als Frau. Loge und das Kleintheater Luzern spannen bei der neuen Veranstaltungsreihe zusammen. «Rotzfrech» soll es werden. Und sehr ehrlich.

Weiblein und Männlein. Sie und er. Wenn’s so einfach wär. Was, wenn man sich weder als das eine noch als das andere fühlt?

Da ist zum Beispiel Sascha. Sascha ist Sascha und will weder Frau noch Mann sein. Nicht «sie» oder «er». Sascha hat sich als non-binär geoutet. An diesem Mittwochabend steht Sascha auf der Bühne des Kleintheaters Luzern. Gemeinsam mit der Loge hat das Kleintheater Luzern eine neue «rotzfreche» Themenshow kreiert (siehe Box).

Sprachrohr einer Szene

Um was geht’s? André Schürmann ist «Loge»-Betreiber und Literaturvermittler. Seit zwei Jahrzehnten zelebriert er Wortakrobatik auf der Bühne (zentralplus berichtete). Er sagt: Themen, die die Menschen umtreiben und relevant sind, sollen auf die Bühne gebracht werden. Denn das gesprochene Wort verstaubt nicht wie ein Buch in einem Regal, sondern gelangt direkt an die Menschen. Bei der ersten Veranstaltung dreht sich alles um das Thema Gender. «Jeder hat ein Geschlecht – doch es gibt längst nicht mehr nur die zwei Varianten Frau und Mann», sagt Schürmann.

Immer mehr Menschen könnten sich mit diesen zwei Kategorisierungen nicht zurechtfinden. Sind «irgendwas dazwischen». Wie Sascha Rijkeboer. Sascha bewegt sich zwischen den Geschlechtern. Neben Sascha wird Jayrôme C. Robinet auf der Bühne stehen. Er ist Autor, Slammer – als Frau geboren und heute Transgendermann. Fatima Moumouni wäre die Dritte im Bunde gewesen, sie slammt auf den Bühnen oft gegen Rassismus. Krankheitsbedingt musste sie für die Show aber absagen.

«Sie werden die Dinge beim Namen nennen, verstehen sich als Sprachrohr einer Szene. Und das braucht Mut», sagt Schürmann.

Du willst mehr?

Heute Abend um 20 Uhr startet die Veranstaltungsreihe «So what!» – zum Thema Gender. Tickets sind noch an der Abendkasse erhältlich für 25 Franken, 15 für Studierende.

Die nächste Veranstaltung findet am 11. März statt – zum Thema «Ich bin Gott». Es geht um Themen wie Selbstoptimierung im Influencer-Zeitalter.

«Irgendwie passte ich nirgends richtig rein»

In erster Linie sollen die Zuhörerinnen und Zuhörer sensibilisiert werden, sagt Schürmann. «Sie sollen spüren: Es gibt ‹anderes› als nur das, was ich fühle und denke.»

Leider erwischen wir Sascha am Mittwoch nicht auf dem Handy. Sascha ist im Schuss – und wohl etwas müde vom Jetsetten. Am Mittwoch noch in Stockholm, reiste Sascha zurück nach Zürich, Basel und nun nach Luzern. 

Gegenüber dem «Migros Magazin» sagte Sascha vor einem Jahr: «Eigentlich kann man gar kein non-binäres Leben führen in dieser binären Welt – aber man kann sie hinterfragen und herausfordern.» Sascha habe schon als Kind Mühe gehabt, ein Mädchen sein zu wollen.

«Auch wenn es ein ernstes Thema ist: Wir werden nicht in Seriosität erstarren.»

André Schürmann, Literaturvermittler

Sascha wollte mit Actionfiguren und Wasserpistolen spielen. Deswegen wollte Sascha ein Junge sein – weil Sascha dachte, dass man das nur dann tun dürfe. Mit 18 outete sich Sascha als lesbisch. Doch auch das habe sich nie richtig angefühlt. Dass Sascha sich von Frauen angezogen fühlte, zwar schon, aber als Frau? Auch der Gedanke, sich innerlich als Transmann zu sehen, habe nicht so richtig gepasst. «Irgendwie passte ich nirgends richtig rein», schreibt Sascha fürs «Migros Magazin». «Dann jedoch stiess ich auf den Begriff ‹non-binär›, der sich nun endlich richtig anfühlt: Ich kann mich mit keiner der klassischen Geschlechtsrollen identifizieren, sondern befinde mich irgendwo ausserhalb von ‹Mann› und ‹Frau›.»

Das gesprochene Wort: ehrlich und direkt

Man wolle nicht mit dem didaktischen Zeigefinger auf das Thema zeigen, sagt Schürmann. Es wird Momente im Kleintheater geben, in denen gelacht wird, aber auch Momente, in denen man zum Nachdenken angeregt werde, sagt Schürmann: «Auch wenn es ein ernstes Thema ist: Wir werden nicht in Seriosität erstarren.»

Schürmann ist von Spoken Word fasziniert, weil auch ernste Themen sehr offen, direkt und transparent von der Bühne zu den Zuhörerinnen und Zuhörer gelangen. «Spoken Word ist sehr ehrlich …»

Treten heute im Kleintheater Luzern auf:

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