Jetzt Community-Mitglied werden und profitieren!
Von wegen Jazzfestival: Avantgarde-Metal, Noise und Electro
  • Kultur
  • Musik
Das Duo Qoniak mit Vincent Membrez und Lionel Friedli spielt am späten Samstagabend in Willisau.  (Bild: zvg)

50 Jahre Jazz in Willisau – und «zorniger» denn je Von wegen Jazzfestival: Avantgarde-Metal, Noise und Electro

4 min Lesezeit 31.05.2016, 17:07 Uhr

Das Programm des Jazzfestivals Willisau wartet mit einem Novum auf. Das Festival widmet erstmals einem Künstler einen ganzen Tag: John Zorn, einer der wichtigsten Jazzgrössen aus New York. Zudem feiert man ein halbes Jahrhundert Troxler-Dynastie.

Willisau feiert ein grosses Jubiläum: Seit 50 Jahren steht das Städtchen im Luzerner Hinterland im Zeichen des internationalen und innovativen Jazz. Festival-Gründer Niklaus Troxler organisierte am 16. Juli 1966 das erste Konzert unter dem Label «Jazz in Willisau». Das Jazzfestival in seiner heutigen Form existiert seit 42 Jahren.

Auch heute, Jahrzehnte später, ist der Anlass noch immer fest in Familienhand: Seit 2010 leitet Niklaus Troxlers Neffe Arno Troxler das renommierte Festival. Und der hat es stilistisch noch weiter geöffnet: von Free Jazz, Black Music und Improvisation hin zu Rock- und Elektronikkonzerten. Das soll helfen, ein jüngeres, urbaneres Publikum nach Willisau zu locken.

Zwei Troxlers: Niklaus (links) und sein Neffe Arno Troxler.  (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Zwei Troxlers: Niklaus (links) und sein Neffe Arno Troxler.  (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Erstmals ein Tag für einen Künstler

Weitere Troxlers gestalten den ganzen Festivalauftritt: Abwechselnd oder zusammen tun dies Niklaus Troxlers Töchter Paula und Annik Troxler. Das diesjährige Festivalplakat mitsamt Trailer stammt von der Grafikerin Annik Troxler. Auch an dieser Familientradition will man in Willisau festhalten.

Und das ist der Trailer:

Festivalleiter Arno Troxler hat dieses Jahr, zwischen 31. August und 4. September, Grosses vor: Erstmals widmet er einen von fünf Festivaltagen gänzlich einem einzigen Künstler: dem New Yorker Komponisten und Bandleader John Zorn. Zorn ist einer der wichtigsten und experimentierfreudigsten Jazzer weltweit. «Er ist seit den 1980ern ein Hauptprotagonist der experimentierfreudigen New-York-Downtown-Szene», so Troxler.

Ein «zorniger» Samstag

Gleich sechs Bands werden am Samstag diesen «John Zorn Marathon» bestreiten und ergründen und interpretieren das musikalische Universum des New Yorkers. Darunter sind einige der «herausragendsten Musiker aus New York dabei», verspricht das Programm.

Bei zwei Bands tritt der 62-jährige John Zorn selbst auf die Bühne: mit dem Masada Quartet als Saxofonist und dem Quartett Asmodeus als Conductor (Leiter). «Das Masada Quartet ist der Inbegriff dessen, was einen wichtigen Teil von John Zorns Œuvre ausmacht», so Troxler.

Auch Grindcore hat Platz

Mit dabei an diesem «zornigen» Samstag sind auch Bands, die zeigen, dass das Jazzfestival weit über den Jazz hinausgeht. Die Band Cleric aus Piladelphia etwa spielt Avantgarde-Metal: Musik zwischen Grindcore und zeitgenössischen Kompositionen. Und am Samstagabend tritt das laut Programm «extremste Orgel-Trio aller Zeiten» auf: Simulacrum mit Orgel-Master John Medeski. Ihre Musik umfasst Elemente von Metal, Minimal-Jazz, Prog-Rock und Noise.

Simulacrum spielen John Zorn:

 

Arno Troxler hatte diesen Zorn-Schwerpunkt schon länger auf seiner Liste – nun sei es erstaunlich schnell gegangen. «Wir haben telefoniert und uns auf einen Rahmen geeinigt», sagt Troxler. Vom grossen Namen erhofft er sich noch deutlich grössere Aufmerksamkeit für das Festival – und viele Zorn-Fans von weitherum, die nach Willisau pilgern. Es ist indes nicht das erste Mal, dass John Zorn in Willisau auftritt, er ist regelmässiger Gast. Letztmals war er 2008 mit dem Trio Koch-Schütz-Studer zu hören.

Eröffnung mit einem Einheimischen

Willisau ist musikalisch sehr international ausgerichtet – bringt aber auch immer das hochkarätige Schweizer Jazzschaffen auf die Bühnen. Eröffnet wir das diesjährige Festival von einem quasi Einheimischen: vom Schötzer Trompeter Peter Schärli. Sein Peter Schärli Trio trifft – und hier wird’s wieder international – auf den US-Posaunisten Glenn Ferris. Dieser spielte immerhin schon für Frank Zappa oder Stevie Wonder.

So tönt das Peter Schärli Trio mit Glenn Ferris:

 

Ebenfalls aus der Schweiz stammt Kaspar von Grünigens Bottom Orchestra, das erst seit 2015 existiert. Das zehnköpfige Ensemble spielt akustische und elektronische Klänge zwischen Jazz, Improvisation und zeitgenössischer Musik. Ebenfalls aus der Schweiz stammt im Hauptprogramm das Trio Heinz Herbert.

Konzerte zu später Stunde

Die «Late Spots», die späten Konzerte im Club der Festhalle, sprengen den Rahmen von Jazz schliesslich komplett. Etwa mit Phall Fatale, dieser hochgelobte Formation mit zwei Sängerinnen (Joana Aderi und Joy Frempong), viel Elektronik, fetten Bässen und dem Luzerner Urgestein Fredy Studer am Schlagzeug. Und am Samstag gibt’s spätnachts den Auftritt des Duos Qoniak. Vincent Membrez und Lionel Friedli verbinden «analoge Maschinen-Sounds und ausgefuchste Rhythmuspatterns» (Programm) zu einer urbanen Impro-Clubmusik.

Und so tönen Phall Fatale:

 

Ganz anders die Reihe «Intimities»: Wie es der Name sagt, eher intimere Konzerte auf der Rathausbühne. Auf der Zeltbühne schliesslich gibt’s täglich Gratiskonzerte, etwa mit den Luzerner The Knocked Out Rhythms oder dem Singer/Songwriter Long Tall Jefferson.

Das Jazzfestival Willisau findet vom 31. August bis 4. September statt.

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

In diesen Artikel haben wir viel Zeit investiert. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

0 Kommentare

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.