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Vom «Sideman» zum Stargast
  • Kultur
Er sammelt Stile und Musiker: Manu Koch spielt heute Donnerstag an der Jazz Night Zug. (Bild: zvg)

Jazz Night Zug Vom «Sideman» zum Stargast

4 min Lesezeit 21.08.2014, 11:21 Uhr

Mit zwanzig nach Amerika ausgewandert und jetzt wieder da: Der Baarer Jazz-Musiker Manu Koch bringt seine Entourage aufs Parkett der Jazz Night: Von Nepal bis Kuba hat er sie gesammelt, seine Musiker, «Filtron M» ist keine Band, sondern ein Traum, sagt er. Weil darin alles Platz findet, was er in seinen 15 Jahren als Sideman kennengelernt hat.

Das nackte Gerüst der grossen Bühne steht schon auf dem Landsgemeindeplatz, bald kommen Zelt und Scheinwerfer, Boxen und Mikrofone, und dann ist die Bühne frei für ihn: Manu Koch ist der Headliner der Zuger Jazz Night. Er hat sein Keyboard in der Tasche dabei, wie immer: Hat es von New York aus schon nach Nepal geschleppt ans Jazzmandu-Festival, und nach Indien, an die Swarnabhoomi Musical School, wo er ein halbes Jahr lang unterrichtet hat. Koch ist ein Baarer, aber einer, der es in Zug nicht lange ausgehalten hat. Ist nach der Matura kurzerhand ausgewandert, nach Berkley in den USA, um Jazz zu studieren, und ist nicht mehr zurückgekommen. Stattdessen in New York gestrandet, im Stadtteil Astoria in Queens. Und jetzt, gut 20 Jahre später, ist er wieder da, für die Zuger Jazz Night, und spielt zum ersten Mal mit seiner neuen Formation «Filtron M» in Europa.

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Seine Mitmusiker sind bei Freunden am Zugersee untergekommen, «sie finden den Ort fantastisch», sagt Koch. «Es ist toll, dass wir hier spielen können. Ich war 15 Jahre lang Sideman», sagt Koch, Musiker für die Bands von anderen. «Da habe ich unglaublich viel gelernt, habe mit vielen Musikern gespielt und Information aufgesogen. Jetzt bin ich daran, alle diese Einflüsse wieder zu verschmelzen.» Und etwas Neues daraus zu machen. «Filtron M» ist keine Band, es ist ein Modus: Einzelne «Units» will Koch aufbauen, seine gesammelten Musiker-Kollegen in verschiedenen Einheiten zusammenbringen und mit ihnen seine Stücke spielen. Die ersten zwei Units hat er schon, eine benannt nach dem Ort, an dem er wohnt, «Astoria Roots»: «In der Gegend, wo ich wohne, sind viele gute Musiker zuhause. Das ist ein enormer Vorteil, wir konnten viel zusammen proben, die Unit ist sattelfest.»

«Projekt soll grenzenlos sein»

Was ist das, Musik in Einheiten, statt mit einer Band? «Was mir mit Filtron M vorschwebt, ist eine Plattform auf der alles Platz hat.» Filtron M ist der Versuch, in ganz unterschiedlichen Kombinationen die einzelnen Musiker und ihre Einflüsse zu zeigen, die Koch in seiner Karriere kennengelernt hat. Klingt eklektisch und passt deshalb umso besser zu Koch: Der Baarer hat sich nicht auf einen Stil festlegen wollen, stattdessen etwa Jahre in Brasilien verbracht, um brasilianische Musik zu lernen, und sich dann für indische Musik interessiert und das Schlaginstrument «Tabla» geübt. Nur um darauf ein Projekt mit der afrikanischen Talking-Drum-Koryphäe «Kofo the wonderman» zu starten oder mit Angelique Kidjo zu touren.

Gleichzeitig steckt er tief in der Jazz-Tradition, zumindest was das musikalische Denken angeht. «Bei Filtron M haben alle diese Einflüsse ihren Platz. Das Projekt soll grenzenlos sein und funktioniert nicht wegen einer bestimmten Stilrichtung, sondern wegen der Musiker und ihrer Begeisterung.» Und es ist auch einfach funkig und hat Groove, manchmal sogar etwas poppig, gerade wenn eine Sängerin dabei ist, wie hier die kubanische Sängerin Yaite Ramos.

Aber kann man diese Vielfalt vermarkten? «Ich glaube sogar, dass das immer mehr zum Bedürfnis wird: Musik, die nicht nur flach und vermarktbar daherkommt, sondern vielschichtig und immer wieder anders ist. Das ist eine Stärke von Filtron M, keine Schwäche.»

Was also am Donnerstagabend aufs Jazz Night-Publikum zukommt, ist einigermassen unfassbar, aber diese Unstetigkeit passt genauso gut zu Koch wie seine Sammlung an Stilen und Musikern. Denn Koch lebt unstetig: «Die Unsicherheit ist immer da, und sie wird natürlich immer unangenehmer, je älter man wird, vor allem die finanzielle Unsicherheit.» Seine Alben produziert der 42-Jährige mit Connections und Begeisterung und wenig Geld. Wo er die nächsten Monate verbringen wird, ist immer nur knapp vorher klar: New York, Schweiz, Indien, Nepal. «Dafür muss man auch der Typ sein», sagt er, «und ich habe Glück, dass meine Partnerin auch von zuhause aus arbeiten kann, deshalb kann sie mich teilweise begleiten.»

Nie das Ego in die Quere gekommen?

Nach New York auswandern und sich in der internationalen Musiker-Szene zu behaupten ist der Traum vieler junger Musikstudenten, auch in Zug. Geht er auf? «Naja, man muss sich schon fragen, was die Motivation ist. Wenn man berühmt werden will, dann glaube ich, geht das nicht auf. Aber da wird auch viel falsch verstanden, glaube ich. Was ist denn die Grundmotivation eines Musikers? Sich musikalisch auszudrücken, weiterzuwachsen und zu lernen.» Bekanntheit sei mehr eine Notwendigkeit als eine Motivation: «Irgendwer muss ja hören, was du spielst, damit du davon leben kannst.» In seinen 15 Jahren als Sideman, ist ihm da nie das Ego in die Quere gekommen? Will er nicht auch mal im Rampenlicht stehen? «Naja, wenn man in einem Musikvideo ganz am Rand fast rausgeschnitten wird, dann ärgert das auch mich», sagt er und lacht. «Aber auch jetzt mit Filtron M stehe nicht ich im Mittelpunkt, sondern das Projekt.»

Trotzdem ist es seine Musik, die da gespielt wird, und das ist für Manu Koch fantastisch: «Es ist ein Traum, und wenn ich noch nur von Filtron M leben könnte, das wäre wunderbar. Für mich ist der Erfolg aber vor allem, dass ich weitermachen kann. Und jetzt zum Beispiel an der Jazz Night spielen darf. Das sollte man vielleicht nicht so ehrlich sagen», sagt er und lacht, «aber ernsthaft, die Jazz Night ist unser erster Gig als Filtron M im Ausland, und wir freuen uns enorm darauf.»

 

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