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Verkaufsstopp für die Schochenmühle
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Das Bauernhaus liegt weiterhin brach Verkaufsstopp für die Schochenmühle

4 min Lesezeit 10.12.2015, 15:12 Uhr

Eigentlich war die Stadt Zug bereits nahe dran, das Bauernhaus bei der Schochenmühle zu verkaufen. Nun legt die Stadt jedoch einen unverhofften Verkaufsstopp ein. Denn plötzlich soll abgeklärt werden, ob da nicht doch eine wichtige Strasse hinkommen soll. Quasi mitten durchs Haus.

Anfang dieses Jahres hat die Stadt Zug ein Bauernhaus ausgeschrieben, für mindestens 50’000 Franken. Was zunächst wie ein Schnäppchen klingt, war an grosse Auflagen gekoppelt. So mussten Bewerber viele Vorgaben der Denkmalpflege miteinbeziehen, ein Nutzungskonzept mitliefern und erläutern, wie man den ökologischen Anforderungen des Gebäudes gerecht werden wolle. Damit nicht genug. Ein Sanierungskonzept inklusive Referenzen mussten alle Bewerber beilegen, und diese sollten in knapp bemessener Frist, bis Ende 2016, fertig sein.

Trotz dieser Hürden gingen bei der Stadt einige Bewerbungen ein. Im Herbst hiess es seitens der Stadt, vier Dossiers seien in der engeren Auswahl. Seither wurde es still um das Bauernhaus Schochenmühle. Und nun ist auch klar, warum.

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Eine Verlängerung der General-Guisan-Strasse ist wieder in Abklärung

Schuld an der Verzögerung sind Abklärungen zur möglichen Verlängerung der General-Guisan-Strasse, welche zwischen Hertiquartier und Stierenmarktareal durchführt.

Hier zu sehen ist die ungefähre Linienführung würde die General-Guisan-Strasse (unten rechts im Bild) tatsächlich verlängert werden. Oben links befindet sich die Schochenmühle.

Hier zu sehen ist die ungefähre Linienführung würde die General-Guisan-Strasse (unten rechts im Bild) tatsächlich verlängert werden. Oben links befindet sich die Schochenmühle.

(Bild: Google Maps)

Vor Jahrzehnten schon war geplant, dass die General-Guisan-Strasse bis nach Steinhausen verlängert werden soll. Eine solche würde genau das Gebiet der Schochenmühle, und damit auch das besagte Bauernhaus, betreffen. 2013 zeichnete sich jedoch diesbezüglich ein Stimmungswechsel in der Regierung ab. Weil sich die Rahmenbedingungen geändert hätten, entschied der Regierungsrat Anfang 2014, dass der geplante Halbanschluss Steinhausen Süd und eine Verlängerung der General-Guisan-Strasse doch nicht nötig seien.

Dies nicht zuletzt deshalb, weil Vorabklärungen beim zuständigen Bundesamt für Strassen ergeben hätten, dass der Halbanschluss Steinhausen Süd aufgrund der Nähe zu den Autobahnanschlüssen Zug und Baar als nicht mehr realisierbar eingestuft werde.

Der Kantonsrat beauftragt nähere Abklärungen

Bloss: Der Kantonsrat sah das anders und beauftragte den Regierungsrat diesen Sommer, noch einmal zu prüfen, welche Optionen bezüglich Verlängerung der General-Guisan-Strasse möglich sind. Damit ist der Regierungsrat verpflichtet, das Trassee für die Verlängerung der Strasse zu sichern. Und weil das Bauernhaus Schochenmühle auf diesem Trassee liegt, kann der Kanton aus planungsrechtlichen Gründen keine Bauprojekte darauf bewilligen.

Und was heisst das konkret? «Es gilt nun zu prüfen, ob es Alternativen gibt, beispielsweise, ob ein Halbanschluss bei der Ammansmatt möglich wäre. Dies gilt es ergebnisfrei abzuklären», sagt der Zuger Baudirektor Heinz Tännler.

«Ein Abriss des Bauernhauses kann sein, muss aber überhaupt nicht.»

Heinz Tännler, Zuger Baudirektor

Das heisst, es besteht eine Möglichkeit, dass die Verlängerung der Strasse kommt und das alte Bauernhaus weichen muss? «Das kann sein, muss aber überhaupt nicht. Darum klären wir jetzt die Optionen ab, und der Kantonsrat entscheidet, ob die Verlängerung im Richtplan bleibt oder nicht.»

Zwischennutzung kaum möglich

Der Verkaufsstopp ist ärgerlich für die Stadt Zug, denn das Haus steht bereits seit einigen Jahren leer. «Wir hätten uns gewünscht, das Gebäude möglichst bald im Baurecht vergeben zu können, damit der Liegenschaft wieder Leben eingehaucht werden kann», sagt Karl Kobelt, der Stadtzuger Finanzchef.

Nicht zuletzt auch deshalb, weil der Prozess der Baurechtsvergabe schon weit fortgeschritten sei. Eine Zwischennutzung sei zwar wünschenswert, «doch gibt es im Haus derzeit keine Heizung, und auch sonst fehlt es an Infrastruktur», so Kobelt weiter.

«Und natürlich wurde seitens der Projektteilnehmer viel Herzblut investiert. Das gilt es anzuerkennen und zu verdanken.»

Karl Kobelt, Stadtzuger Finanzchef

Wie viel hat die Stadt denn bis heute in den Veräusserungsprozess des Hauses investiert? «Es sind vor allem Arbeitsstunden, die hier hineingesteckt wurden, bisher floss noch kein Geld. Und natürlich wurde seitens der Projektteilnehmer viel Herzblut investiert», so Kobelt. «Das gilt es anzuerkennen und zu verdanken. Aber schlussendlich ist es immer mit gewissen Risiken verbunden, wenn man ein Baurecht in Anspruch nimmt.»

Klarheit bis 2018

Warum hat die Stadt Zug eigentlich erst jetzt mit einem Verkausstopp reagiert, wo doch der Kantonsrat bereits diesen Sommer beschlossen hatte, die Strassenverlängerung nicht aus dem Richtplan herauszustreichen? Kobelt erklärt darauf, dass die Finanzdirektion erst Ende Oktober von der Baudirektion informiert worden sei. «Das offizielle Schreiben, wonach faktisch ein Bauverbot bestünde, datiert vom 9. November 2015.»

Bis 2018 sollte klar sein, ob die Verlängerung der General-Guisan-Strasse ein Thema ist, oder ob das Haus dann verkauft werden darf. Ob die heutigen Bewerber aber so lange warten mögen, ist eine andere Frage.

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