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Und plötzlich steht da eine junge Frau und will mitsingen
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Die Band Warhaus entzückte die Schüür am Mittwoch. (Bild: pze )

Warhaus: Balthazar-Sänger zurück in der Schüür Und plötzlich steht da eine junge Frau und will mitsingen

4 min Lesezeit 23.11.2017, 11:29 Uhr

Am Mittwochabend hatte Luzern einen seiner Lieblinge zurück: Maarten Devoldere von Balthazar. Diesmal stellte er sein Soloprojekt Warhaus vor – und überzeugte. Doch für grosse Augen sorgte das Publikum – auch beim Sänger selbst.

Luzern und Balthazar – das ist eine ganz spezielle Liebe. In kaum einer anderen Schweizer Stadt haben die Belgier eine solch treue Fan-Base wie in der Leuchtenstadt. Über die Jahre waren sie oft hier, angefangen im Treibhaus, später am B-Sides und in der Schüür. Inzwischen weiss man: Den charismatisch rhythmischen Bass, das unaufgeregt treibende Schlagzeug und die verträumten Stimmen von Maarten Devoldere und Jinte Deprez – das will man nicht verpassen.

Nun kehrte Ersterer nach Luzern zurück: diesmal ins EG der Schüür. Nicht als Balthazar – der Musiker aus Gent war diesmal solo unterwegs. Warhaus heisst sein Eigengewächs, mit im Gepäck das neue Album «Warhaus», der zweite Wurf nach seinem letztjährigen Debut «We Fucked A Flame Into Being». Luzern dankte es ihm mit Vorschusslorbeeren: Der Schüür-Klub war am Mittwochabend proppenvoll.

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Ein aufmerksames Publikum 

Eröffnet wurde der Abend von Ursina. Die Bündnerin, die in Luzern Musik studierte, spielte gemeinsam mit ihrer Bassistin ihre gefühlvollen Songs – meist Englisch, manchmal auf Rätoromanisch. Das Schüür-Publikum folgte konzentriert ihrer glasklaren Stimme und den verträumten Basslinien.

Frontsänger Maarten Devoldere kennt Luzern aus seiner Zeit mit Balthazar.

Frontsänger Maarten Devoldere kennt Luzern aus seiner Zeit mit Balthazar.

(Bild: pze)

Auch Ursina selber entging das nicht. Zwischen zwei Stücken sagte sie zum Publikum: «Danke für das aufmerksame Zuhören – auch beim Support.» Tatsächlich etwas, was heute nicht mehr selbstverständlich ist. Es gilt, an dieser Stelle ein Lob für das Luzerner Publikum auszusprechen. Gleichzeitig ist es aber auch ein Qualitätsausweis für die Folk-Band, die dieses Jahr ihr erstes Album veröffentlichten. 

Keine Überraschungen? Denkste! 

Dann betraten Warhaus die Bühne – und Devoldere war in Spiellaune. Luzern wurde aus seiner Novembermüdigkeit gerissen. Zuerst im Rhythmus vom einen Fuss auf den anderen und zurück, bewegten sich die Zuschauer zunehmend lockerer. Die gute Stimmung der Band zeigte sich auch zwischen den Stücken. Devoldere fragte in die Runde: «Who’s ready for some Jazz?» Nach ein paar Zwischenrufen sagte er schlicht: «Then you’re at the wrong concert.»

Im Vorfeld sagte Devoldere, er habe keine grossen Überraschungen für die Show geplant. Little did he know. Sowohl Publikum wie Band wurden überrumpelt, als plötzlich eine junge Frau auf der Bühne stand und meinte, sie wolle mitsingen. Nochmals: Ein Lob dem Schüür-Publikum am Mittwochabend, so etwas gibt es nur sehr selten.

«Love’s a Stranger» in der Schüür:

Devoldere singt normalerweise mit Duettpartnerin Sylvie Kreusch, die war heute nicht da. Der Grund (laut dem Sänger): Sie sei vor rund einem Monat Zigaretten kaufen gegangen und nie zurückgekehrt. Nun stand also stattdessen eine junge, freche Luzernerin auf der Bühne und stimmte zusammen mit der Band die aktuelle Single «Love’s a Stranger» an (siehe Video). Und wie: Der Balthazar-Sänger machte Augen, als wolle er seine Überraschungssängerin gleich auf den Rest der Tour mitnehmen. Und ehrlich: bei der Stimme, warum nicht?

Kissen als Merchandise

Devoldere sagte im Vorfeld, es sei immer speziell, in Luzern zu sein. «Ich weiss, wo der See ist, wo das Radio ist, wo die Läden sind. Man lernt viele Leute kennen und es entstehen Freundschaften. Es ist eine familiäre Beziehung.» Entsprechend fühlten sich Warhaus während den 90 Minuten ihrer Show in der Schüür pudelwohl – auch weil die kleine Bühne viel Nähe zum Publikum zulässt.

Nur: Warhaus und Balthazar werden nie ganz separiert werden können und das kann man kritisieren. Viele der Songs könnten auch von Devolveres älterer Band stammen, viel der Trademark-Features wie Bass- und Drumsound und viele Techniken des Songwritings behält der Musiker aus Gent in seinem Soloprojekt bei.

Maarten Devoldere

Maarten Devoldere.

(Bild: Silvio Zeder)

Dennoch: Die Songs, arrangiert rund um Devolderes tiefe Stimme, leben von einer grossen Menge Charisma und erzeugen bei den Zuhörern ein kurzweiliges Hochgefühl. Devoldere versteht es, grosse und eingängige Refrains zu schreiben, beispielsweise in Songs wie «Machinery» oder eben «Love’s A Stranger». Die Melodien klingen auch nach dem Konzert noch nach.

Als die Band von der Bühne verschwand, gab’s am Merch-Stand die letzte Überraschung: Neben Vinyls, CDs und T-Shirts – was heute jede Band mit sich rumträgt – verkauften Warhaus ein Kissen, auf dem das Gesicht des Sängers prangt. «Eine Idee meiner Mutter», so Devoldere. Sie hätten während der letzten 30 Shows rund vier verkauft, meint er knapp und hielt die Luzerner an, bei diesem «Trend» mitzumachen. Wobei: Während der Show von Warhaus brauchte wahrlich keiner ein Kissen – vielleicht verkaufen sie sich deshalb so schlecht.

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