Für wen, wie teuer, wie lange?

Premiumkreuzfahrt auf dem Vierwaldstättersee: Das ist geplant

So soll das Schiff dereinst aussehen. (Bild: zvg)

Ab Frühling 2026 soll ein Kreuzfahrtschiff auf dem Vierwaldstättersee fahren. 22 Gäste dürfen in den Luxuskabinen Platz nehmen.

«Brauchts das?», fragt Nicole Diermeier in den goldenen Raum. Ein Kreuzfahrtschiff auf dem Vierwaldstättersee? Die Verwaltungsrätin hat eine rhetorische Frage gestellt – von den 50 Anwesenden in Vitznau ist keine Antwort nötig. Wenn sie eine geben würden, wäre es Ja.

Denn am Dienstagabend hat die Rigatus AG Menschen aus Tourismus, Wirtschaft und Politik geladen, die bei ihrer Vision mithelfen. Der Vision eines neuen Premiumangebots für Touristen aus aller Welt. Vertreten sind die Rigi Bahnen und die Pilatus Bahnen, das Hotel Bürgenstock, das Hotel Hermitage, Reiseanbieter, der Kanton Schwyz und viele mehr.

Im Kammerorchestersaal in Vitznau hat das Unternehmen sein Luxusprojekt vorgestellt. (Bild: kok)

Für ihre Präsentation haben sich die Verantwortlichen einen prestigeträchtigen Ort ausgesucht. Der Kammerorchestersaal des Vitznauers Peter Pühringer wurde erst vergangenes Jahr eröffnet, 1100 Quadratmeter Blattgold hat der Mäzen verbaut (zentralplus berichtete). Doch am Dienstagabend spielt hier keine Musik. Es geht um Sponsorensuche.

Drei Partner machen die Kreuzfahrt auf dem Vierwaldstättersee möglich

Hans Hofstetter, Besitzer von Rigatus, kommt auf der Bühne schnell zum Punkt. Ein Schiff, die Romandie 1, hätten sie bereits. Rund zwei Millionen Franken sei es wert. Auch von den Banken seien 2,5 Millionen Franken Kredite zugesichert, sofern er und seine zwei Partner 2,5 Millionen von Investoren zusammenkriegen würden.

Seine Partner heissen Nicole Diermeier, Tourismusexpertin und Verwaltungsrätin bei der Rigi Bahnen AG und Schwyz Tourismus AG. Sowie Ruedi Bless, ein gebürtiger Stadtluzerner, der sich sein Leben lang beruflich mit Reisen beschäftigt hat. Auf ihn geht die Idee zurück, ein Kreuzfahrtschiff auf den Vierwaldstättersee zu bringen.

Die drei Köpfe hinter der Idee (von links): Hans Hofstetter, Nicole Diermeier und Ruedi Bless. (Bild: kok)

«Touristen sollen möglichst lang in der Region bleiben. Dieses Mantra können wir mit unserem Projekt real werden lassen», sagt Ruedi Bless zu zentralplus. Denn aus der umgebauten Romandie 1 soll ein Kreuzfahrtschiff werden, das tagelang von einer Destination am See zur nächsten kurvt.

4500 Franken für 5 Tage auf dem See

Die Vision: 22 Gäste schlafen in 11 luxuriösen Kabinen. An Bord der «HS Rigatus» gibt es eine Sauna, eine Bar, eine Sonnenterrasse und eine Badeplattform. Jeden Tag warten Aktivitäten am Land: Cervelat braten am offenen Feuer auf der Alp Chäserenholz, ein Waldcatering am Rütli, ein Mittagessen auf Pilatus Kulm.

Die sogenannte Königsroute soll in Brunnen starten und in Luzern enden. Während der fünf Tage besuchen die Gäste die Berge Rigi, Pilatus und Stanserhorn. Jeden Abend legt das Boot vor einem anderen Hotel an, welches das Dinner serviert. Kostenpunkt gemäss Website: 4500 Franken pro Person.

Auf einer virtuellen Karte stellt die Rigatus AG die künftige Route des Schiffes vor. (Bild: kok)

Die Pläne für das erste Kreuzfahrtschiff auf dem Vierwaldstättersee sind schon recht fortgeschritten. Dank der Kantone Luzern, Uri, Schwyz, Ob- und Nidwalden hat die Rigatus AG 140’000 Franken zur Planung erhalten, aus dem Fonds für Neue Regionalpolitik (NRP). Nun liegen die Betriebsbewilligungen vor, und die Umbaupläne stehen. Wenn alles glattgeht, dürfen die ersten Gäste im Frühling 2026 an Bord. Der Heimathafen wird in Uri liegen.

Besitzer hat bereits Erfahrung mit Schiffen in der Westschweiz

Doch davor muss die Romandie 1 in die Zentralschweiz gebracht werden. 135’000 Franken werde allein der Transport des Schiffes aus der Westschweiz kosten, erklärt Hans Hofstetter auf der Bühne. Wegen der niedrigen Autobahnbrücken muss das 38-Meter-Schiff waagrecht zweigeteilt werden.

Hans Hofstetter hat nicht zum ersten Mal mit Schiffen zu tun. Mit der Dreiseeschifffahrt AG veranstaltete er rund zehn Jahre Eventtouren auf dem Bieler-, Murten- und Neuenburgersee. Im Einsatz waren die Romandie 1 und ihr Schwesterschiff, die Romandie 2. Vor rund einem Jahr wurde das Unternehmen liquidiert. Hofstetter sagt zu zentralplus, er habe daraus gelernt.

«Das Eventbusiness ist streng. Ein Premiumangebot, wie wir es hier planen, ist die bessere Idee, um die Romandie 1 weiterzubetreiben.» Das habe er auch bei seinem Schiff Attila gesehen. Das Boutique Boatel hat neun Doppelzimmer und fährt in dritter Saison im Dreiseenland. Die Erfahrungen würden bei der jetzigen Projektentwicklung helfen, erklärt Hofstetter.

Gemäss Geschäftsplan soll die Romandie 1 etwa 30 Wochen im Jahr auf dem Vierwaldstättersee fahren. Die übrige Zeit ist für Wartung und Charterfahrten vorgesehen. Zudem soll das Boot mit zwei Elektromotoren angetrieben werden, die acht Batterien reichen für drei bis vier Stunden Fahrt pro Tag. Strom getankt wird hauptsächlich an Land, ein Generator für den Notfall ist an Bord.

Tourismusbranche ist begeistert, aber Geld muss her

Aus der Tourismusbranche ist der Rückhalt gross. Michael Maeder, CEO von Switzerland Travel Centre, sagt auf der Bühne: «In der Schweiz erwartet niemand günstige Ferien.» Durch die begrenzte Anzahl Plätze sei das Angebot als «Gesamtpaket» ausserdem exklusiv. In den Märkten USA, Deutschland, England und Australien gebe es Kundschaft für eine Kreuzfahrt in der Zentralschweiz.

«Mit dem Wort Luxus kann ich nichts anfangen. Es ist für alle Platz in Luzern, auch für wohlhabende Klientel.»

Ruedi Bless, Vizepräsident der Rigatus AG

Doch zuerst muss das Geld her. «So etwas macht man nicht wegen Rendite, das ist eine Herzenssache», sagt Nicole Diermeier. Auf ihrer Website hat die Rigatus AG sowohl ein Sponsorenkonzept als auch ein Investorendossier veröffentlicht. Wer der Firma Geld gibt, darf später vergünstigt mitfahren. Oder eine Kabine mitgestalten.

Das Team der Rigatus AG ist überzeugt von der Idee. Es erwartet schon im ersten Jahr Gewinn. Und will zeitgleich den lokalen Tourismus nachhaltig fördern – also eine Win-win-Situation. Warum es ein Luxusschiff sein muss? Ruedi Bless erwidert: «Mit dem Wort Luxus kann ich nichts anfangen. Es ist für alle Platz in Luzern, auch für wohlhabende Klientel.»

Verwendete Quellen
  • Besuch der Veranstaltung
  • Website von Rigatus
  • Website zum Fonds für Neue Regionalpolitik
  • Artikel in den «Freiburger Nachrichten»
  • Website von Attila
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9 Kommentare
  • Profilfoto von Anna Baur
    Anna Baur, 29.02.2024, 07:09 Uhr

    Die Tourismusplayer des Vierwaldstättersees setzen sich für eine Mehrklassengesellschaft ein. Wie sympathisch. Das Wort Regionaltourismus klingt wie Hohn. Eigentlich könnte man froh sein, diesen luxusabhängigen Personen nicht auf den wunderschönen Schiffen des letzten Jahrhunderts zu begegnen. Trotzdem stimmt es mich traurig, dass nichts wirklich Schönes für die Seele und für die Region getan wird. Es passt leider zur überdimensionierten neuen Rigi Seilbahn mehr realisiert wird.

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    RT, 29.02.2024, 04:14 Uhr

    Völlig unabhängig, ob diese Idee am Markt Chancen hat: das Design des „Schiffes“ ist eine weitere Fehlleistung der Schiffsbauer. Hässlich und formlos. Ein fahrender Wintergarten ohne jegliche Poesie. Im Vergleich zu den eleganten Linien der alten Schiffe ist dies eine ästhetische Bankrotterklärung.

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    Pascal Wandeler, 28.02.2024, 22:17 Uhr

    Das ist also eine Recycling-Idee für ein abgehalftertes Schiff. Sofort in den Papierkorb mit diesem Quatsch. Unser See hat etwas Besseres verdient.

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    Kommentarschreiber, 28.02.2024, 17:54 Uhr

    Ja, inklusive Anlegen an der Sawiris-Marina in Isleten mit einem Besuch des Andermatt Swiss Alps Golf Course und einer creepy Übernachtung mit Candellight-Dinner im La Claustra, dem Festungshotel im Gotthard-Bunker. Herr Sawiris würde sicher auch investionsmässig das Projekt unterstützen und URI-SR Frau Heidi Zgraggen dann helfen, politische Steine aus dem Weg zu räumen….

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  • Profilfoto von Hanspeter Flueckiger
    Hanspeter Flueckiger, 28.02.2024, 15:16 Uhr

    Ich gehe davon aus, dass sich die Umweltorganisationen aber mächtig und deftig gegen dieses Nonsensprojekt zur Wehr setzen werden. Man ist tatsächlich geneigt zu fragen, ob es den Initianten an Intelligenz fehlt.

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    • Profilfoto von Franz
      Franz, 28.02.2024, 17:25 Uhr

      "Nonsens" ist das klassische Holzhammer-Argument, wenn einem etwas nicht passt oder man es sich nicht leisten kann. Es ist weit und breit keine Umweltproblematik ersichtlich bei diesem Vorhaben. Endlich mal etwas wirklich Neues in der Zentralschweizer Touristik.

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      • Profilfoto von Hanspeter Flueckiger
        Hanspeter Flueckiger, 29.02.2024, 11:40 Uhr

        Nonsens bleibt Nonsens. Ist aber auch nicht als Argument gedacht, sondern betitelt lediglich die Idee. Selbstverständlich gibt es genügend Argumente gegen dieses Projekt und natürlich sind die Auswirkungen auf Natur und Umwelt zu berücksichtigen. Allein schon das sinnlose Rumfahren auf dem See, mutmasslich dann auch in Ufernähe stört die Tierwelt massiv.
        Offensichtlich ist der Tourismus in der Zentralschweiz nicht in der Lage, einen nachhaltigen Tourismus zu entwickeln. Stattdessen werden wir laufend von Horden wild gewordener Asiaten überfallen. Nachhaltig geht definitiv anders.

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    • Profilfoto von mvonrotz
      mvonrotz, 29.02.2024, 09:00 Uhr

      Die Umweltorganisationen haben hier nichts zu melden, zum Glück. Ich finde das Projekt auch nicht gut, aber dieser "Verhinderungsdrang" gewisser Bevölkerungsgruppen ärgert mich masslos!

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  • Profilfoto von Kusto
    Kusto, 28.02.2024, 11:04 Uhr

    "Dümmer geht immer"… ist man versucht zusagen!
    Auf dieses Angebot haben die dekadentesten schönen Boys mit Sternchen gewartet! Ein Glück, dass die Schweizer Touristiker diese gigamässige Idee hatten. Fehlen nur noch vergoldete Toiletten oder sind diese auch part of the game?

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