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Toni Borges, der extravagante Gastgeber mit Prosecco und Hut
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Ohne Hut bekommt man Toni Borges bei der Arbeit nicht zu sehen. (Bild: jav )

Vom tasmanischen Teufel zum Luzerner Gastwirt Toni Borges, der extravagante Gastgeber mit Prosecco und Hut

5 min Lesezeit 06.01.2019, 11:30 Uhr

Wer schon einmal im Modomio am Luzerner St.-Karli-Quai eingekehrt ist, kennt ihn – den extravaganten Geschäftsführer Antonio Borges. Doch hinter der Gastgeberfigur steckt nicht nur viel Temperament, sondern eine überraschende Vergangenheit.

Wer den Weg ins Modomio findet, dem fallen gleich zwei Dinge auf: der Gastgeber mit Hut und das Glas Prosecco, welches ganz selbstverständlich als Begrüssung gereicht wird.

Dafür ist es gerade noch zu früh. Es ist 10 Uhr morgens, in der Küche wird Fleisch geklopft, Toni Borges jedoch begrüsst so schwungvoll, als wäre im Laden bereits volles Tempo gefragt. Der Hut auf seinem Kopf, der figurbetonte Anzug, die leuchtend blaue Krawatte passend zu den Augen, glattrasiert mit kurzem Haar unter dem Hut. Mit seinem Outfit und den ausladenden Gesten wirkt er wie ein italienischer Schauspieler aus den 1950er-Jahren.

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Mit Geigen und Wein zu Hause

Es sei das Erste, was er dem Gast bieten könne, sein Auftreten und Aussehen. Und dabei trägt er gerne richtig auf. «Ich habe nicht mehr viele Haare, da passt der Hut perfekt.» Rund 15 Stück besitzt er, in farblicher und saisongerechter Abstimmung zu seinen Anzügen und Krawatten. Privat jedoch gibt es ihn vor allem in Jeans und T-Shirt. Bloss gibt es ihn privat nicht wirklich oft. In seiner neuen Küche zu Hause habe er noch nie richtig gekocht. «Ich bin eigentlich immer hier im Modomio.» Ausser sonntags.

Zu Beginn habe er sieben Tage die Woche gearbeitet. Der Beginn, das war vor bald elf Jahren. Am 7. Februar 2008 eröffnete Toni Borges sein erstes eigenes Restaurant, das Modomio. Hier sitzen wir, zwischen übergrossen Weinflaschen und Geigenminiaturen am weiss gedeckten Tisch, und trinken Kaffee. Espresso selbstverständlich.

«Ich liebe Traditionen.»

Während des Gesprächs werden Toni Borges Hände kaum jemals die Tischplatte berühren. Und wenn, dann nur, um scheinbar Anlauf für die nächste gestische Untermalung zu nehmen. Seine Mimik ist expressiv – oft blickt er kurz aus dem Fenster, als würde ein Blick auf die Reuss oder den Pilatus seine Erinnerungen an früher unterstützen.

Mit dem Kopf durch die Wand

Das Lokal, die Küche, der Akzent von Toni – alles hier ruft «Italien». Abgesehen vom kleinen Detail, dass Antonio Borges gar kein Italiener ist. Geboren wurde er am 11.11.1965 im kleinen Dorf Vila Nova de Tazem in Portugal. Mit seinen drei Geschwistern wuchs er in Venezuela auf, wo seine Eltern ein Restaurant führten. Seit 22 Jahren lebt und arbeitet er nun in Luzern und mittlerweile sei er in vielen Punkten bereits «wie ein Schweizer programmiert».

Er sei viel ruhiger und überlegter geworden. Früher habe ihn seine Mutter den «tasmanischen Teufel» genannt, sagt er lachend. Er wollte immer mit dem Kopf durch die Wand. Auch zu Beginn in der Schweiz, als er im La Cucina im Astoria anfing.

Wenn er von diesen ersten Zeiten spricht, schlägt er immer wieder seine Hände zusammen, in einer Mischung von Gebet und Applaus – in Dankbarkeit. Dafür, dass er heute mit seinem eigenen Restaurant erfolgreich ist. Dass er sich selbständig machen wollte, wusste er nach wenigen Monaten im La Cucina und suchte eine ganze Weile.

Viele ehemalige Arbeitskollegen seien am Anfang zu ihm ins Restaurant gekommen, hätten ihn unterstützt. «Meine Vorgesetzten und Mitarbeiter haben mich akzeptiert und mein Potenzial gesehen», obwohl er oft ein temperamentvoller Besserwisser gewesen sei. Ohne Urs Karli, Roberto Mazzitelli, Ferdinand Sieber, die Familie Rast, und allen voran ohne seinen Bruder Luis, der in Dallenwil das italienische Restaurant Geissenhof führt, hätte er es nicht geschafft.

Seine Hände reden immer mit. Toni Borges im Modomio.

Seine Hände reden immer mit. Toni Borges im Modomio.

(Bild: jav)

Mit Liebe, einfach und frisch

«Die italienische Küche ist einfach, frisch und mit viel Liebe gemacht. Wie die von der Grossmutter.» Die Kultur passe, die Sprache passe, das habe er im La Cucina, einem Team aus lauter Calabresen, gemerkt. «Ich schätze, 90 Prozent meiner Gäste gehen auch davon aus, ich sei Italiener.» Er mache da keinen Unterschied und lebe in der Gastronomie die Italianità. Abgesehen von der Musik: Im Modomio läuft stets Salsa oder Bachata. «Wenn der Tag mal schlecht ist, gibt mir diese Musik Schwung.»

Schwung. Nicht wirklich ein Punkt, den man bei Toni Borges vermissen würde. Er hat neben dem Modomio in Alpnach ein zweites Restaurant übernommen, das Nuovo Baumgarten. Dieses leitet sein ehemaliger Küchenchef und Partner Vincenzo Mancuso. Und gemeinsam mit seiner Schwester führt Borges eine Reinigungsfirma.

Ein Dankeschön für den weiten Weg

Er ist ein umtriebiger Geschäftsmann, der zwar schlecht Nein sagen kann, aber ein Händchen dafür hat, die Leute zu gewinnen. Doch weshalb schenkt man gratis Prosecco aus? Glas für Glas, Flasche für Flasche? «Für mich ist es ein kleines Dankeschön an die Leute, dass sie den zusätzlichen Weg bis zu uns auf sich nehmen.» Denn es würde kaum jemand auf dieser Seite der Reuss entlanggehen, nur etwa ein Prozent der Gäste seien Passanten.

Dann lohnt sich der offerierte Prosecco auf lange Sicht? «Auf jeden Fall. Die Leute freuen sich über solche Aufmerksamkeiten und kommen wieder.» Er habe vor allem Stammgäste. Auch viele Banker, worüber er sich sehr freue. «Dann bin ich in meinem Anzug keine Rarität hier», sagt er und lacht. Auch Musiker, die ab und an im KKL auftreten, kommen vorbei. Denn der Luzerner Geigenbauer Alexander Caballero stammt ebenfalls aus Venezuela und führt immer mal wieder Freunde und Bekannte ins Modomio.

Mit Espresso und Fussball

Wenn Toni Borges von Venezuela erzählt, scheint es ein anderes Leben und er ein anderer Mensch gewesen zu sein. Er führte ein Restaurant, hatte ein Haus und die grosse Liebe. Wenn es um seine Frau geht, die er mit gerade mal 14 Jahren kennenlernte und von welcher er seit Langem getrennt lebt, werden seine Augen glasig. Auch die schwierige politische Situation in Venezuela, unter welcher viele seiner alten Freunde und Verwandten leiden, macht ihm zu schaffen. Besuchen kann er sie kaum – das Thema geht im nahe. Ein zweiter Espresso hilft.

Wechseln wir das Thema: Auch Fussball helfe immer, den Kopf zu lüften. Jeden Sonntag verbringt er mit Freunden und Mitarbeitern auf dem Feld. Und auf Ausflügen mit seiner Freundin und ihren Kindern. Das ist Tradition. «Ich liebe Traditionen», sagt Borges. Wie am 23. Dezember, als im Modomio venezolanische Gerichte auf den Tisch kamen und die Familie zusammen. Dann fühlt sich Antonio Borges doppelt zu Hause.

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