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Theilerhaus: 12 Millionen, damit das Gericht einziehen kann
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Das Theilerhaus soll 2022 in neuem Glanz erstrahlen.   (Bild: wia )

Richter statt Kultur in historischem Zuger Gebäude Theilerhaus: 12 Millionen, damit das Gericht einziehen kann

4 min Lesezeit 19.07.2018, 05:22 Uhr

Das Zuger Theilerhaus soll teuer saniert werden. Nicht, um, wie einst geplant, Kunstateliers darin zu beherbergen, sondern, damit das Verwaltungsgericht einziehen kann. Bald entscheidet der Zuger Kantonsrat über die Sanierung, die saftige 12 Millionen kosten soll. Und die der Quartierbevölkerung ein neues Bistro beschert.

Die so bunt anmutende Zukunft des Theilerhauses ist ergraut. Statt Kunstateliers wird das Verwaltungsgericht im geschichtsträchtigen Haus Einzug halten (zentralplus berichtete). Aufgrund der «angespannten Finanzlage des Kantons» habe eine kulturelle Nutzung laut Regierungsrat heute kaum noch eine Chance, umgesetzt zu werden. Anstatt Veranstaltungen, Museum und Kunst gibt es hier also künftig juristische Beschlüsse.

Das gefällt nicht allen. So hatte etwa die Fraktion der Alternative – die Grünen vergangenen Herbst eine Interpellation zum Thema eingereicht. In seiner Antwort erklärt der Zuger Regierungsrat, dass eine kulturelle Nutzung des Theilerhauses sowie der Shedhalle weiterhin – im kleinen Rahmen – vorgesehen sei.

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Immerhin in der Beiz soll’s Kultur geben

Dennoch bestätigte er, dass künftig nicht wie geplant das ganze Haus für eine kulturelle Nutzung zur Verfügung stehe, sondern von den vier Stockwerken einzig im Erdgeschoss eine «Gastronomie mit kulturellem Angebot» respektive eine Verpflegungsmöglichkeit für die Fachmittelschule entstehen solle.

Weiter verkündete der Regierungsrat, dass der ursprünglich geplante Veranstaltungssaal im 1. Stock des Theilerhauses – in diesem sollen künftig Büros einquartiert sein – durch die Weiterführung der Shedhalle kompensiert werden könne.

Im August soll der Zuger Kantonsrat über den Objektkredit zum Theilerhaus entscheiden. Konkret geht es um 11,9 Millionen Franken, die für die «dringende Sanierung» des Theilerhauses gesprochen werden sollen.

Neues Dach, optimale Fluchtwege, ein Bistro

So muss etwa ein einfacher Treppen- und Liftturm mit Fluchtbalkonen angebaut werden, um die Fluchtwege behindertengerecht zu machen. Weiter wird das Dach des Hauses abgebaut, den wärmetechnischen Vorgaben angepasst und wieder mit den bisherigen Ziegeln versehen. Auch die gesamte Haustechnik muss aktuellen Standards angepasst werden. Dazu kommt der Bau eines neuen Bistros.

Beim neuen Theilerhaus sollen gemäss Bericht des Regierungsrats «kulturelle und industriegeschichtliche Themen» nicht zu kurz kommen. «Der ‹Spirit› des Theilerhauses soll an der Hofstrasse wieder zum Leben erweckt werden», heisst es weiter.

Das Theilerhaus an der Hofstrasse 13 in Zug, um 1918.*

Das Theilerhaus an der Hofstrasse 13 in Zug, um 1918.*

(Bild: Firmenarchiv Landis+Gyr)

Der «Geist» des Hauses soll weiterleben

Das Theilerhaus, das als Geburtsstätte der Landis & Gyr gilt, ist insbesondere bezüglich der Industrialisierung des Kantons Zug von Bedeutung. Dieser «Geist» soll laut Regierungsrat an der Hofstrasse weiterleben. Diese Industriegeschichte sei ein wesentlicher Teil des Konzepts. So wolle man auch ein virtuelles Museum sowie ein Industriekabinett gestalten.

Die parteilose Kantons- und Gemeinderätin Susanne Giger war eine derjenigen, die sich während Jahren für eine kulturelle Nutzung des Theilerhauses eingesetzt hatte. Und sich entsprechend gegen die neu geplante Nutzung wehrte. Was hält sie von den Plänen des Kantons? «Grundsätzlich muss das Theilerhaus endlich saniert werden. Es würde mich aber interessieren, wie hoch die Kosten für eine andere Nutzung als jene durch das Verwaltungsgericht ausfallen würden», sagt sie.

«Ich würde eine Nutzung durch die Fachmittelschule vorziehen.»

Susanne Giger, parteilose Zuger Kantons- und Gemeinderätin

Die Fraktion ALG, zu der Giger gehört, habe sich zwar in der Sache noch nicht abgesprochen, erklärt sie weiter. Zudem müsse die Vorlage erst noch von der Hochbaukommission beraten werden. «Meine persönliche Meinung dazu: Sicher braucht das Verwaltungsgericht neue Räume, wenn das ZVB-Haus abgebrochen wird. Dennoch würde ich für das Theilerhaus eine Nutzung durch die Fachmittelschule vorziehen», so Giger.

In einer Motion vom Frühling dieses Jahres kritisierte Giger, zusammen mit den Kantonsräten Willi Vollenweider (parteilos) und Jürg Messmer (SVP), dass die eigentlich für die Fachmittelschule (FMS) vorgesehene Parzelle an der Hofstrasse für den Bau eines Staatsarchiv-Gebäudes «zweckentfremdet» werde. Die drei Politiker fordern einen Ausbau der FMS-Infrastruktur und beteuern, dass der Mehrwert im Quartier dadurch deutlich steigen würde.

Kaum Widerstand aus der Kulturszene

Auch wenn Giger findet, dass die Nutzung des Hauses durch das Verwaltungsgericht noch einmal überdacht werden sollte, werde sie dem Objektkredit wohl zustimmen. «Hauptsächlich, um die Sanierung des Theilerhauses zu sichern. Und, da sich bis jetzt in der Kulturszene kaum Widerstand geregt hat», so die Kantonsrätin weiter.

Wie der Regierungsrat im Antrag schreibt, seien im beantragten Objektkredit von knapp 12 Millionen Franken sowohl die Kosten für die Planung als auch jene für den Umbau enthalten. Dies, weil die Instandsetzung des Gebäudes ein Geschäft von hoher Dringlichkeit sei. Auf diesem Weg könnten alle notwendigen Arbeiten in einem Schritt durch den Kantonsrat freigegeben werden. «Dieses Vorgehen ermöglicht die Inbetriebnahme des renovierten und umgebauten Gebäudes per Mitte 2022», so die Zuger Exekutive weiter.

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