Svenja Fölmli: «Ich kenne nur wenige meiner künftigen Mitspielerinnen von Social Media»
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Vom Pilatusgebiet in den Süddeutschen Raum: Svenja Fölmli fällte einen Bauchentscheid. (Bild: Marjana Ensmenger)

FCL-Stürmertalent wagt den Sprung ins Ausland Svenja Fölmli: «Ich kenne nur wenige meiner künftigen Mitspielerinnen von Social Media»

5 min Lesezeit 04.06.2021, 18:06 Uhr

Mit damals 17 Jahren wird Svenja Fölmli 2019 ins Schweizer Fussballnationalteam berufen. Eineinhalb Jahre später spielt sie im letzten Spiel mit dem FCL gegen den FC Zürich im Cupfinal. Drei Wochen später packt sie ihre Koffer und wechselt zum SC Freiburg. Dort möchte sie den ersten Schritt ihrer Profikarriere wagen. Spannende Wochen für die Stürmerin.

Svenja Fölmli weiss genau, was sie will. Das zeigt sich eineinhalb Jahre nach ihrem Debüt als Stürmerin im Dress der Schweizer Frauen-Fussballnationalmannschaft. Seit diesen ersten fünfzehn Minuten auf dem Rasen ist viel passiert. Fölmli ist inzwischen zu einer reifen und noch ambitionierteren Frau herangewachsen. Und sie hat viel vor. Aber alles der Reihe nach.

Die FCL-Stürmerin hegt bereits im Herbst 2019 grosse Ambitionen (zentralplus berichtete) und erzählt von ihrem Ziel, sich eines Tages für eine Europa- oder Weltmeisterschaft qualifizieren zu können. Ähnlich wie es einst ihr Idol Kylian Mbappé tat. Erst kürzlich wurde aus diesem Ziel Wirklichkeit. Die Frauennationalmannschaft qualifizierte sich am 13. April 2021 für die Europameisterschaft 2022 in England. Und mittendrin stand die junge Luzernerin.

Frauen streben Luzerner Cupdouble an

Gegen die Tschechinnen darf Fölmli von der ersten Minute an ins Spiel eingreifen. Auch wenn sie selbstkritisch zugibt, sie habe noch Luft nach oben und noch nicht ihr volles Potenzial abgerufen, muss man sich vor Augen halten, dass diese Frau erst 18 Jahre alt ist. Das fällt teilweise schwer, betrachtet man die Abgeklärtheit Fölmlis, auf Fragen zu antworten. Die Mischung aus Reflexion und Selbstsicherheit hat Fölmli dabei geholfen, sich einen Stammplatz beim FC Luzern zu ergattern.

Wenn die Luzernerinnen am 5. Juni gegen den FC Zürich im Cupfinal auflaufen werden, möchte Fölmli verständlicherweise am liebsten den Pokal in die Höhe stemmen. So, wie das die männlichen Vertreter taten.

Das Cupfinalspiel ist aus zweierlei Gründen für Fölmli ein besonderes: Einerseits wird es ihr letztes Spiel im Dress des FCL sein. Andererseits wird auch ihr Trainer und Mentor Glenn Meier damit seine Abschiedsvorstellung nach vier Jahren als Trainer der Luzernerinnen geben. Er hat einen grossen Verdienst an der Entwicklung der Stürmerin.

Weshalb die Stürmerin kaum Fussball im TV schaut

Der Entscheid, künftig für den SC Freiburg zu spielen, kam allerdings auf einem für Fussballer und Fussballerinnen eher unkonventionellen Weg zustande. Obwohl er stärker zu Fölmlis Charakter passt als man auf den ersten Blick annehmen möchte. Es wäre falsch zu glauben, die 18-Jährige informiert sich – wie andere Fussballerinnen es in ihrem Alter tun – über Social Media über ihre Mit- oder Gegenspielerinnen.

«Ich schaue mir keine ganzen Spiele im TV an, weil ich Fussball eigentlich langweilig finde – ausser ich spiele selber.»

FCL-Stürmerin Svenja Fölmli

Als sie nach ihrem Debüt in der Nationalmannschaft vor eineinhalb Jahren von mehreren Spielerberatern angefragt wird, entscheidet sie sich letztlich für denjenigen Berater, der ihren Bedürfnissen am besten entspricht. Dieser Berater leitet später auch den Wechsel zum SC Freiburg in die Wege.

Sie folgt zwar ihrem künftigen Verein auf Instagram, bis auf den Trainer, die Managerin und ein paar Spielerinnen kennt sie den Verein aber kaum. Das hat seine Gründe: «Im TV schaue ich mir keine ganzen Spiele an, nur die Zusammenfassungen», gibt Fölmli zu.

Die Frage nach dem Warum beantwortet Fölmli offen: «Weil ich Fussball langweilig finde, ausser ich spiele selber. Ich kenne auch nur wenige meiner zukünftigen Mitspielerinnen von Social Media.»

Gelassenheit hilft ihr gegen Druck

Es überrascht deshalb weniger, dass sie sich nicht primär wegen der Qualität des Kaders, sondern vielmehr wegen ihres Bauchgefühls für den SC Freiburg entschieden hat. Manche mögen ihr diese Lockerheit als unprofessionell ankreiden. Doch es ist anders. Für Fölmli ist diese Gelassenheit zentral, damit sie unter dem Druck nicht zerbricht.

Auch wenn Fölmli einiges an Erfahrung in ihrem Palmarès aufweisen kann, möchte sie weiter an ihrem Selbstvertrauen arbeiten. Wie wichtig dieses ist, musste sie in der laufenden Saison lernen. Nachdem die Luzernerinnen im Herbst mit 2:8 gegen den Cupfinalgegner FC Zürich verloren, wurde das Hauptaugenmerk auf die defensive Ausrichtung des Teams gelegt. Eine enorme mentale Herausforderung für Fölmli: «Ich agierte oft als einzige Stürmerin, musste die Bälle selber attackieren und mich gegen drei Gegenspielerinnen behaupten.»

«Ich habe vor allem psychisch enorm profitiert und weiss jetzt, wie ich mich im Krisenfall bei Freiburg befreie und wieder auf die richtige Bahn gelange.»

Im Umkehrschluss bedeutet das: Weniger Torabschlüsse im Training und im Spiel. Obwohl ihr diese Automatismen fortan fehlten, passt es zu Fölmlis Wesen, auch dieser Situation etwas Positives abzugewinnen: «Ich habe vor allem psychisch enorm profitiert und weiss jetzt, wie ich mich im Krisenfall bei Freiburg befreie und wieder auf die richtige Bahn gelange», erklärt sie.

Auch ihr Spiel hat sich mit dieser Erfahrung weiterentwickelt: Es ist variabler geworden, weil sie lernen musste, neue Wege zu gehen und den Ball zu behaupten.

Bereit für den nächsten Karriereschritt

Wichtig für Fölmlis fussballerische Entwicklung waren auch die Zusammenzüge mit dem Nationalteam. Diese füllten das entstandene Vakuum aus dem Verein aus. Selbst wenn Fölmli zugibt, jeweils ein bis zwei Tage zu benötigen, ehe sie sich an das Niveau der Mitspielerinnen angepasst habe. Seit Kurzem ist definitiv klar, dass beim FC Luzern nach ihrem Sportler-KV-Abschluss nicht Endstation sein soll. Der Wechsel kommt mit Ansage.

Für die neue Herausforderung im Ausland, so ist sich Fölmli sicher, werden ihr die Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre in der höchsten Schweizer Frauenliga weiterhelfen. Vor allem hinsichtlich Selbstvertrauen möchte sich Fölmli aber noch steigern. Und in der Nationalmannschaft wie Captain Lia Wälti oder einst Lara Dickenmann zu einer Schlüsselspielerin werden.

Betrachtet man die bisherige Entwicklung der Stürmerin, die Bodenständigkeit, das gesunde Mass an Lockerheit und Selbstreflexion, wird der SC Freiburg nicht der letzte Karrieresprung von Fölmli sein. Und die Qualifikation für die Europameisterschaft 2022 nicht das letzte Finalturnier, an welchem sie auf Torjagd gehen wird.

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