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Studhalter: «Staatliches Darlehen ist für uns der letzte Notnagel»
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FCL-Präsident Philipp Studhalter hält das staatliche Darlehen für einen Eingriff in die freie Marktwirtschaft. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Muss der FCL für Fortsetzung der Saison stimmen? Studhalter: «Staatliches Darlehen ist für uns der letzte Notnagel»

5 min Lesezeit 15.05.2020, 13:24 Uhr

Der FC Luzern strampelt in der Corona-Krise, um finanziell überleben zu können. Jetzt sagt Präsident Philipp Studhalter, was er vom staatlichen Kreditangebot hält. Und wie er versucht, mit allen Mitteln auf dieses mit Auflagen verknüpfte Darlehen zu verzichten.

Am Freitagmorgen, an dem zentralplus den Einstieg eines neuen Geldgebers ins FCL-Aktionariat ankündigt, hat der FC Luzern einen langen Sitzungsmarathon hinter sich gebracht. Es ging darum, das staatliche Kreditangebot von je 100 Millionen für den Profifussball in diesem und nächstem Jahr einzuordnen und die richtigen Schlüsse zum Wohl des eigenen Klubs abzuleiten (zentralplus berichtete).

zentralplus: Philipp Studhalter, wer wird neuer Geldgeber im FCL-Aktionariat?

Philipp Studhalter: Dazu kann ich keine Auskunft geben, da ich es in der Tat nicht weiss – falls diese Information dann überhaupt auch stimmt.

zentralplus: Wenn Sie das nicht wissen, bin ich der Schah von Persien.

Studhalter: Die Aktionäre sind am Round-Table am Diskutieren, und ich gehöre nicht zu diesem runden Tisch.

zentralplus: Aber Sie sind als Präsident und Geschäftsführer der wichtigste Mitarbeiter für die Aktionäre. Da müssen Sie Bescheid wissen.

Studhalter: Sobald es eine Lösung gibt, werde ich informiert werden – ein ganz normaler Ablauf.

«Die Höhe unseres Finanzbedarfs hängt vor allem davon ab, ob wir nächste Saison mit Geisterspielen beginnen müssen.»

FCL-Präsident Philipp Studhalter

zentralplus: Aber Sie wissen zumindest, wer von den bestehenden Aktionären nicht mehr weitermachen will.

Studhalter: Nein, auch dazu kann ich keine Auskunft geben.

zentralplus: War Ihr Bruder Alexander Studhalter mit seinen Geschäftsbeziehungen nach Russland dabei behilflich, einen neuen Geldgeber für den FCL zu finden?

Studhalter: Nein, ganz sicher nicht.

zentralplus: Stellt das bestehende FCL-Aktionariat dem FCL das Geld bereit, um einen Liquiditätsengpass zu überbrücken?

Studhalter: Wir sind in Kontakt, das Aktionariat ist über die verschiedenen Szenarien für unsere Zukunft informiert. Wir haben analysiert, was ein Kredit vom Staat für uns bedeuten würde. Grundsätzlich sind wir froh um das Zeichen der Politik.

zentralplus: Von welchem Finanzbedarf reden wir beim FCL?

Studhalter: Eine Höhe zu nennen, bringt nichts. Es gibt verschiedene Szenarien mit verschiedenen Hausnummern. Vor allem aber hängt die Höhe davon ab, ob wir nächste Saison mit Geisterspielen beginnen müssen.

zentralplus: Kann der FCL Ende Mai die Löhne seiner Angestellten bezahlen?

Studhalter: Ja, das können wir. Zudem zeigen sich alle 164 Mitarbeiter erneut solidarisch – ein grosses Zeichen.

zentralplus: Wie genau?

Studhalter: Alle unsere 164 Mitarbeiter verzichten freiwillig auf einen Teil des Lohnes. Das haben sie schon im April gemacht.

«Aktuell sind Trainings und Geisterspiele für mich Teileinsätze.»

zentralplus: Eine Stundung des Lohnes?

Studhalter: Nein.

zentralplus: Sie haben vorhin im Zusammenhang mit dem staatlichen Darlehen für Profi-Fussballklubs gesagt, Sie seien froh um das Zeichen der Politik. Ernsthaft?

Studhalter: Klar, es ist ein starkes Zeichen – aber kein Geschenk. Und letztlich hat sich damit für unsere Ausgangslage auch nichts verändert. Trotzdem müssen wir jetzt einen Entscheid fällen für Teileinsätze.

zentralplus: Was für Teileinsätze?

Studhalter: Aktuell sind Trainings und Geisterspiele für mich Teileinsätze.

zentralplus: Aber ein Fussballmatch ist und bleibt ein Wettkampf, ob er nun vor Zuschauern stattfindet oder nicht.

Studhalter: Im Gastrobereich haben auch Restaurants offen, obwohl nur ein Teil des Personals arbeitet und der Rest weiterhin Kurzarbeitsentgelt vom Staat bezieht. Darin sehe ich eine Ungleichbehandlung zwischen zwei Wirtschaftszweigen.

«Wir gehen davon aus, dass das Geld nur dann fliesst, wenn der Spielbetrieb wieder aufgenommen wird.»

zentralplus: Aber es steht dem FCL ja frei, auf das staatliche Darlehen einzugehen. Es gibt ja noch andere Kreditgeber.

Studhalter: Die Frage ist, wie lange die Super-Ligisten auf diesen Kredit verzichten können. Wir gehen davon aus, dass das Geld nur dann fliesst, wenn der Spielbetrieb wieder aufgenommen wird. Daran scheint die Kreditvergabe gekoppelt. Was also, wenn wir uns Ende Mai für den Saisonabbruch entscheiden und ein Verein im Juli in Konkurs geht?

zentralplus: Dem FCL bleibt also keine andere Wahl, als für eine Wiederaufnahme der Meisterschaft zu stimmen?

Studhalter: Um den Geldfluss für alle Vereine in der Super League zu garantieren, kann man sich das überlegen. Aber in den nächsten Tagen und Wochen wird sich noch einiges konkretisieren.

«Das staatliche Darlehen ist mit pauschalen Eingriffen in die freie Marktwirtschaft verbunden.»

zentralplus: Zieht der FCL heuer ein staatliches und bis 2023 zinsfreies Darlehen, muss er neben der Rückzahlung innerhalb von fünf Jahren noch die Löhne der Profis um 20 Prozent kürzen und Beiträge in einen Solidaritätsfonds für künftige Risiken leisten. Will sich der FCL in seiner unternehmerischen Bewegungsfreiheit wirklich beschneiden lassen?

Studhalter: Es ist halt so, dass wir uns beim FCL aktuell in einer Überlebens- und nicht in einer Optimierungsphase befinden. Wer rechnen kann, merkt schnell, dass das angeblich zinslose Darlehen in Tat und Wahrheit mit 35 Prozent Zinsen behaftet ist. Zudem: Kein Klub in der Super League setzt mehr Nachwuchskräfte ein in der Meisterschaft als der FCL. Bei uns beträgt der durchschnittliche Bruttolohn der ersten Mannschaft gemäss «Blick» 11’500 Franken. Wie sollen wir da die Löhne um ein Fünftel kürzen? Das staatliche Darlehen ist mit pauschalen Eingriffen in die freie Marktwirtschaft verbunden.

zentralplus: Also gibt es keinen anderen Weg, als dass die FCL-Aktionäre tief in die eigene Tasche greifen.

Studhalter: Ich glaube nicht, dass es die Aufgabe der Aktionäre ist, das finanziell alleine zu stemmen. Da müssen wir alle zusammen durch.

zentralplus: Wer soll denn noch wie helfen?

Studhalter: Ich denke an unsere Fans und Partner. Wir sind schon einige Zeit daran, jeden Bereich auf den Kopf zu stellen, um das Optimum herauszuholen. Denn unser oberstes Ziel muss das Beibehalten der unternehmerischen Handlungsfreiheit sein. Ein staatliches Darlehen ist der letzte Notnagel, um den FCL vor dem Sterben zu retten. Entsprechend werden wir, sobald eine grössere Klarheit herrscht, über verschiedene Solidaritätsmassnahmen informieren.

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