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Streethockey? Weltmeisterschaften? In Zug?! Hä?
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Ball statt Puck, Sport- statt Schlittschuhe: Nur in wenigen Punkten unterscheidet sich Streethockey vom Eishockey. (Bild: zug2015.ch )

Ein Nischensport kommt mit Gedöns Streethockey? Weltmeisterschaften? In Zug?! Hä?

4 min Lesezeit 12.06.2015, 10:33 Uhr

In wenigen Tagen starten die Weltmeisterschaften im Streethockey. Nicht in Shanghai oder Miami, sondern im Städtlein Zug. Und weil der Sport hier nur wenige interessiert, locken die Veranstalter das Publikum mit anderen Mitteln an.

Armenien, Hong Kong, Bermuda, England, Tschechien und Griechenland; Vertreter aus aller Herren Länder tummeln sich in gut einer Woche im Städtchen Zug. Sie kommen für die Weltmeisterschaft. Streethockey? Weltmeisterschaften? In Zug?!

Raus aus dem Schattendasein

Dank der national erfolgreichen Oberwil Rebells ist der Sport im Kanton zwar bekannt. Ein Schattendasein fristet er dennoch zwischen Eishockey und Fussball. Und Zug hat sich nun trotzdem als Austragungsort für die WM 2015 durchgesetzt. «Vielleicht, weil wir bescheiden waren und nicht um den heissen Brei geredet haben. Vielleicht, weil wir dieses grossartige Stadion haben und Zug ein herziges Städtchen ist», sagt Maurus Schönenberger, OK-Präsident der Weltmeisterschaft und Präsident der Oberwil Rebells.

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Nun fährt Schönenberger mit seinem OK Team die grossen Geschütze auf. Denn, neben den Spielen gibt es eine regelrechte Festmeile und es sind Konzerte von schweizweit bekannten Musikern zu hören. Das meiste davon ist für die Bevölkerung gratis. Schönenberger erklärt: «Es ist uns wichtig, dass wir den Besuchern neben dem sportlichen Teil etwas Attraktives bieten können. Es soll schliesslich ein Fest für alle werden. Ein Fest, an dem Jung und Alt zusammenkommt.»

Schlager, Pop und Hip-Hop fürs Volk

Das äussert sich auch in der Musikauswahl. So spielt die Pop-Band «Pegasus» in Zug, aber auch das Schlagersternchen «Beatrice Egli», das Hip-Hop-Duo «Lo & Leduc» und die Ländler-Familie «Oeschs die Dritten» finden den Weg zum Arenaplatz.

Ist das nicht ein bisschen dick aufgetragen für einen Nischensport? Nicht doch, findet Schönenberger: «Der Anlass soll ein richtiges Volksfest werden. Ein so grosser Anlass, wie es ihn in Zug vorher kaum je gegeben hat.»

«Bis vor ein paar Monaten mussten wir noch bibbern, da ein wichtiger Sponsor abgesprungen war. Damals hatte ich manche schlaflose Nacht.»

Maurus Schönenberger, OK-Präsident der Streethockey-WM

Nur zwei Millionen Franken kostet der ganze Rummel. Und das, obwohl fast alles gratis sein soll und national bekannte Musiker bezahlt werden müssen. Hat man die Kosten nicht etwas unterschätzt? «Nein, wir haben alles im Griff. Wir planen ja bereits seit viereinhalb Jahren, ausserdem sind wir alles Geschäftsleute.» Die Aufwände seien mittlerweile gedeckt, erklärt der OK-Präsident – nicht ohne Stolz. «Bis vor ein paar Monaten mussten wir noch bibbern, da ein wichtiger Sponsor abgesprungen war. Damals hatte ich manche schlaflose Nacht.»

Armenien gegen Hongkong, null Zuschauer?

Nun ist man zumindest finanziell aus dem Schneider. Dennoch, es besteht durchaus die Gefahr, dass bei gewissen Spielen, wie beispielsweise Armenien gegen Hongkong, praktisch keine Zuschauer kommen. Dessen sei man sich im OK zwar bewusst, Schönenberger sagt jedoch: «Wir arbeiten insgesamt mit 40 Schulklassen zusammen, welche von unserem Hauptsponsor, der Sika und uns eingeladen wurden. Diese haben sich vorbereitet und sich auf einzelne Länder fokussiert. Etwa fünf Klassen haben sich explizit für Armenien interessiert. Das finde ich grossartig.»

So hoffe er, dass diese Klassen an den jeweiligen Spielen dabei sind und «ihre» Teams entsprechend bejubeln. Auch hofft Schönenberger, dass die Länderteams Solidarität zeigen und sich gegenseitig unterstützen. «Wenn wir täglich 1500 Gäste haben sind wir happy.»

«Wenn wir ins Viertelfinal kommen ist das schon super. Mit Glück und guter Unterstützung schaffen wir es vielleicht noch ein wenig weiter.»

Maurus Schönenberger, OK-Präsident der Streethockey-WM

Während das Streethockey hierzulande mässige Begeisterung auslöst, ist die Sportart in Ländern wie Tschechien und der Slowakei äusserst beliebt. «Dort haben sie sogar extra Hallen dafür gebaut», sagt Schönenberger anerkennend. Er ist entsprechend realistisch in seinen Prognosen für die WM: «Wenn wir ins Viertelfinal kommen ist das schon super. Mit Glück und guter Unterstützung schaffen wir es vielleicht noch ein wenig weiter.» Sein Geheimfavorit sei jedoch die USA.

Die Engländer hausen in der Zivilschutzanlage

In der Schweizer Nationalmannschaft sind während der WM neun Spieler der Oberwil Rebells mit am Start. Ein Heimspiel erster Güte also für einige der Nationalspieler. Dennoch werden auch sie während der eineinhalb Wochen der Weltmeisterschaft im Hotel unterkommen. Schönenbergers Erklärung: «Auch wenn wir ein Randsport sind, sind wir dennoch sehr professionell organisiert. Das heisst, dass auch Fitness, Training und Erholung während der WM minutiös geplant sind.»

Fast alle Nationalteams finden über die zehn Tage in Hotels in Zug ein vorübergehendes Zuhause. «Die Engländer kommen, wie auch die Frauenteams, in einer Zivilschutzanlage unter. Das haben sie selber so gewünscht. Dann können sie das Geld, das sie bei der Übernachtung sparen, andersweitig ausgeben. Ausserdem wohnt die Slowakei im Zürcher Niederdorf.» Dort könne man deren Anforderungen besser gerecht werden, so Schönenberger.

Derzeit wird ein Event-Bereich aufgebaut, der laut OK-Präsident «gigantisch» werden soll. Es sind die letzten Schliffe an einer Arbeit, welche vor viereinhalb Jahren angefangen hat. Die Frage, ob Schönenberger bereits nervös sei, verneint er. «Und wenn doch etwas schiefgehen sollte, dann sitzen wir vom OK zusammen und finden eine Lösung», sagt er.

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