Roland Schwegler: «Die neuen Spieler müssen singen»
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Roland Schwegler lebt mit seiner Frau und seinem 13-jährigen Sohn in Hünenberg. (Bild: sib)

Der neue SC-Cham-Trainer im grossen Interview Roland Schwegler: «Die neuen Spieler müssen singen»

6 min Lesezeit 25.07.2019, 18:32 Uhr

In der nächsten Saison steht ein bekanntes Gesicht an der Seitenlinie des SC Cham: Der zweifache Schweizer Meister Roland Schwegler übernimmt die Zügel von Kulttrainer Jörg Portmann. Im Interview gibt er unter anderem sein Urteil zu seinen Ex-Klubs Luzern und GC ab.

Eine schwarze Arbeitsmappe unter den Arm geklemmt, erscheint Roland Schwegler zum Interviewtermin im Eizmoos. Dafür noch in zivil, das Training beginnt jeweils um 18.30 Uhr. Obwohl neu bei den Rot-Blauen, scheint sich der 37-Jährige als Trainer beim SC Cham bereits heimisch zu fühlen. Gekommen ist der gebürtige Römerswiler vom FC Linth 04. Den Glarner Verein führte Schwegler in seiner fünfjährigen Trainertätigkeit in die 1. Liga. Nun geht es für ihn also eine Liga höher, in die Promotion League.

zentralplus: Roland Schwegler, die Mannschaft war am Dienstag nicht auf dem Trainingsplatz, sondern tauchte ins kühle Nass des Sempachersees ein. Was war der Hintergedanke?

Roland Schwegler: Es handelte sich um einen Teambuilding-Anlass, denn inzwischen sind alle Spieler aus den Ferien zurück. Nun fehlen nur noch die beiden Langzeitverletzten Jan Loosli und Thimo Laisa. Auf der anderen Seite haben wir zahlreiche Neuzugänge. So war das Baden eine gute Möglichkeit, sich auch abseits des Platzes kennenzulernen. Als neuer Spieler muss man zudem vor der versammelten Mannschaft singen – es war also ein witziges Kontrastprogramm.

«Wir bekommen noch zu viele Gegentore.»

zentralplus: In den letzten Wochen haben Sie die Mannschaft kennenlernen können. Was haben Sie für einen ersten Eindruck gewonnen?

Schwegler: Einen sehr guten. Sowohl von den Typen her, als auch fussballerisch. Es ist viel Qualität da. Wir haben zahlreiche junge Spieler im Team, aber auch erfahrenere Charaktere. Der Mix stimmt also.

zentralplus: Es dauert nicht mehr lange bis zum Saisonstart am 3. August in Köniz. In welchen Bereichen müsst ihr bis zum Auftakt noch zulegen?

Schwegler: Wir bekommen noch zu viele Gegentore und müssen sicherlich am Defensivverhalten arbeiten. Offensiv sah es nicht schlecht aus. Cristian Miani spielte sich mit einigen schönen Toren in den Vordergrund. Wir sind auf einem guten Weg – es ist jedoch ein längerer Prozess, bis wir da sind, wo wir hinwollen. Auch die Integration der Neuzugänge braucht seine Zeit.

«Wir gehen in jedes Spiel, um zu gewinnen.»

zentralplus: Sind Sie zufrieden mit dem Kader oder hätten Sie gerne noch den einen oder anderen Spieler mehr, um die Abgänge zu kompensieren?

Schwegler: Ich denke, ein, zwei Spieler werden wir noch holen. Das Ziel ist, dass wir mit 21 Spielern in die Meisterschaft starten. Dies hätten wir eigentlich – jedoch eben mit zwei Langzeitverletzten. Loosli hat sich zum zweiten Mal hintereinander den Mittelfussknochen gebrochen. Wir wollen ihm die nötige Zeit geben, bis er wieder vollständig fit ist, um einen Rückschlag zu verhindern. Bei Laisa ist es so, dass ein Kreuzbandriss immer eine langwierige Sache ist. Wir hoffen, im Verlaufe der Rückrunde wieder auf seine Dienste zählen zu können.

zentralplus: Letzte Saison beendete der SC Cham auf Rang vier. Was ist mit diesem Kader nächste Saison möglich?

Schwegler: Ich möchte keine Zielvorgabe herausgeben. Klar ist: Wir gehen in jedes Spiel, um zu gewinnen.

zentralplus: Wie ist Ihr Wechsel vom FC Linth 04 zum SC Cham zustande gekommen?

Schwegler: Wir trugen mit Linth in den letzten Jahren einige Freundschaftsspiele gegen Cham aus. Ich hielt den SC Cham schon damals für einen coolen Verein mit einer guten Infrastruktur. SCC-Trainer Jörg «Udo» Portmann kannte ich ausserdem von früher. Ich las, dass der Trainierposten hier frei wird und dachte, nach fünf Jahren Linth wäre dies der richtige nächste Schritt – es war Zeit für eine Luftveränderung. Beim ersten Treffen mit Sportchef Marcel Werder hat es dann gleich gepasst.

Schwegler sagt: «Wir gehen in jedes Spiel, um zu gewinnen.»

zentralplus: Gibt es in der Promotion League Teams, die aus Ihrer Sicht qualitativ herausragen?

Schwegler: Bellinzona und die welschen Vereine haben sicherlich andere Möglichkeiten und Ziele als wir. Man muss sich nur anschauen, was Yverdon für Spieler in seinem Kader hat. Ich bin auch auf Etoile Carouge und Brühl St. Gallen gespannt. Es ist eine ausgeglichene Liga, in der es in den letzten Jahren selten Siege mit mehr als zwei Toren Unterschied gab. Daran erkennt man auch das Niveau der Liga: Viele Spieler haben schon in höheren Ligen gespielt oder streben den Sprung in die Challenge League oder gar Super League an.

zentralplus: Es ist klar, der SC Cham könnte einen Aufstieg in die Challenge League infrastrukturbedingt gar nicht stemmen. Ist das frustrierend als Trainer?

Schwegler: Nein, überhaupt nicht. Der Verein hat mir auch von Anfang an offen kommuniziert, dass die Investitionen für den SC Cham zu hoch wären, um das Stadion Challenge-League-tauglich zu machen. Würden wir die Saison tatsächlich auf Rang eins abschliessen, wären wir Meister der dritthöchsten Liga. Das wäre Auszeichnung genug.

«Im taktischen Bereich war Roy Hodgson sehr inspirierend.»

zentralplus: Sie sind als Spieler 2001 und 2003 mit den Grasshoppers zweimal Schweizer Meister geworden. Nun sind Sie Trainer in der Promotion League. Was haben Sie für Ambitionen als Coach?

Schwegler: Für mich stimmt es im Moment hier. Ich wohne ausserdem schon lange in Hünenberg und fühle mich sehr wohl in der Region.

zentralplus: Als was für einen Trainertypen würden Sie sich bezeichnen?

Schwegler: Mein Motto lautet «hard work and fun». Das will ich selbst leben, erwarte es aber auch von meiner Mannschaft.

Roland Schwegler wird nach seinem letzten Spiel für den FC Luzern von den Fans verabschiedet – Gegner war ausgerechnet GC.

zentralplus: Welcher Trainer hat Sie als Spieler besonders geprägt?

Schwegler: Die Nummer eins ist Marcel Koller. Sowohl vom Typ her, als auch wie er mit den Spielern umging. Auch für ihn galt «hard work and fun». Vor allem im taktischen Bereich war zudem Roy Hodgson sehr inspirierend.

zentralplus: Also zwei ehemalige GC-Übungsleiter. Bleiben wir gleich beim Rekordmeister. Sie waren bei den letzten beiden Meistertiteln als Spieler dabei. Wie sehr schmerzt es, den Verein nun in der Challenge League zu sehen?

Schwegler: Sehr. Ich wurde bei diesem Verein gross, habe dort zehn Jahre lang gespielt. Doch wenn ich sehe, wie sich GC in den letzten Jahren entwickelt hat, sind meine Gefühle für GC viel weniger geworden. Bereits in der Winterpause habe ich prognostiziert, dass der Klub absteigen wird. Auf keiner Ebene hat es funktioniert. Nun hoffe ich auf einen möglichst schnellen Turnaround. Mit Uli Forte ist nun zumindest ein guter Trainer am Ruder.

«Auch wenn man es gegen aussen nicht so wahrnimmt, macht Remo Meyer einen sehr guten Job.»

zentralplus: Was müsste passieren, damit der Verein wieder dort hinkommt, wo er hingehört?

Schwegler: Auf der Führungsebene müsste zwingend Ruhe einkehren, denn in letzter Zeit verfolgte jeder im Verein seine Eigeninteressen. Es bräuchte ein authentisches Gesicht nach aussen, einen starken Mann – am besten einen Sportchef. Früher war dies Erich Vogel. Man kann über ihn fluchen wie man will, aber er hatte den Laden im Griff. Zudem nahm er die ganze Nachwuchsarbeit an die Hand. Als ich mit 15 als Nachwuchsprofi zu GC ging, war dies nur dort möglich.

zentralplus: Wie steht es aus Ihrer Sicht aktuell um den FC Luzern? Befindet er sich auf einem guten Weg?

Schwegler: Ich glaube schon. Trainer Thomas Häberli hat bereits in der Rückrunde einen guten Job gemacht. In dieser Saison erwarte ich unter seiner Ägide nochmals eine Steigerung. Bis auf Ruben Vargas konnte das Kader zusammengehalten werden. Zudem halte ich Francesco Margiotta für einen guten Transfer. Der Verein braucht Kontinuität, um sich Schritt für Schritt nach vorne orientieren zu können. Die wichtigen Positionen sind mit guten Leuten besetzt. Auch wenn man es gegen aussen nicht so wahrnimmt, macht Remo Meyer als Sportchef einen sehr guten Job.

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