Rezension
«Time Lapsed» – Shara Hughes im Kunstmuseum

Landschaftsmalerei aus einem anderen Blickwinkel

Die Ausstellung «Time Lapsed» von Shara Hughes wurde am Freitagabend eröffnet. (Bild: Marc Latzel)

Das Genre der Landschaftsmalerei greift über das Festhalten einer Sicht auf Berge, Seen und Wiesen hinaus. Das beweist Shara Hughes in der Ausstellung «Time Lapsed» im Kunstmuseum Luzern, die am Freitagabend eröffnet wurde.

Die zehn Malereien der Serie «Time Lapsed» sind das Erste, was den Besuchenden der Ausstellung begegnet. Alle im gleichen Format hängen sie dicht nebeneinander beim Eingang des Ausstellungsraums.

Hinter der raumteilenden Wand, an welcher die Serie angebracht ist, öffnet sich ein langer Saal mit bunten, grossen und hochformatigen Malereien von Shara Hughes (*1981).

Verstrichene Zeit

Der Ausstellungstitel «Time Lapsed», auf Deutsch übersetzt «verstrichene Zeit», verweist nicht nur auf die gleichnamige Serie, sondern lässt sich auch in Bezug zur malerischen Tätigkeit der US-amerikanischen Künstlerin Shara Hughes setzen. In dieser greift sie Elemente der Mitte des 20. Jahrhunderts entstandenen Kunstrichtung des Action Painting auf.

Der Prozess des Malens erhält dabei eine übergeordnete Bedeutung, indem er als Experimentierraum für unterschiedliche bildnerische Mittel, künstlerische Verfahren und Techniken verwendet wird. Das Produkt aus dieser Handlung wird zum Zeugnis der während der Entstehung vergangenen Zeit.

Shara Hughes beginnt auf der weissen Leinwand und setzt ein ihrer Erinnerung entnommenes Bild als erstes Motiv. Dieses wird mit abstrakten oder organischen, figurativen Formen ergänzt, verändert oder übermalt. Shara Hughes arbeitet mit Ölfarbe und Acryl und trägt diese nicht nur mit dem Pinsel auf, sondern versucht sich auch an einem Spachtel oder einer Spraydose. Die dadurch entstehende Kombination gepunkteter, gestrichelter, flächiger oder lasierender Formen des Farbauftrags ist charakteristisch für die Malereien von Shara Hughes.

Farben und Kontraste

Die Malereien, alle hoch- und grossformatig, sind von einer überwältigenden Farbigkeit geprägt. Die Formen des Dargestellten sind oft angelehnt an die Natur. Bäume, die sich zu Wäldern verdichten, Blumen und andere Pflanzen, ein See und die sich darin spiegelnde Sonne sind erkennbar. Bei der Farbgebung bewegt sich die Künstlerin in einem expressiven Feld. Sie spielt mit Komplementär- ebenso wie mit Hell-dunkel- oder Warm-kalt-Kontrasten.

Durch das Nebeneinanderhängen der Malereien entstehen starke, farbliche Kontraste. (Bild: Joke Lustenberger)

Keine klassische Landschaftsmalerei

Ebenso wie im Prozess des Malens ist Zeit auch ein zentrales Thema in jenem des Betrachtens. In der Mitte des Ausstellungsraums stehen Bänke, welche den Besucherinnen dazu dienen, sich Zeit zu nehmen, genau hinzuschauen und die Landschaften der Künstlerin zu entdecken.

Ihr Werk beweist die Fähigkeit der Malerei, Schönheit, sofern diese als etwas Objektives bezeichnet werden kann, darzustellen. Durch die übersteigerte Farbigkeit und die an ihrer eigenen Fantasie angelehnten Landschaften wirken die Malereien jedoch auch verwirrend, wecken Unruhe und lösen Sehnsüchte, Gefühle und Emotionen aus.

Die Abstraktion, die expressive Tendenz und das Festhalten von inneren, fiktionalen anstelle von äusseren, genau beobachteten Bildern lässt das Werk der Künstlerin von klassischer Landschaftsmalerei abgrenzen. Gleichzeitig erweitert sie genau damit das Genre durch eine neue Perspektive darauf.

Rundgang, Führung und Austausch

Die Ausstellung ist vom 17. September bis 20. November 2022 zugänglich. Neben einem Rundgang mit der Direktorin des Museums Fanni Fetzer am 17. September 2022 findet am 20. Oktober 2022 eine Führung für die Generation 60plus mit anschliessender Frage- und Diskussionsrunde im Museumscafé statt.

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