Regionales Leben
Luzerner Original ist gestorben

Silvio Panizza: Ein einzigartiger Mensch ist nicht mehr

Silvio Panizza hat die Künstlervereinigung zum Bockstall ins Leben zurückgeholt – hier bei einer Vernissage 2012. (Bild: Emanuel Ammon / Aura)

Silvio Panizza ist einer der Menschen gewesen, welche die Stadt Luzern bunter gemacht haben. Nach langer Krankheit ist der 80-Jährige nun gestorben – und hinterlässt eine grosse Lücke.

Kaum ein Mensch wusste so viel über die Luzerner Fasnacht wie Silvio Panizza. 48 Ausgaben des Luzerner Fasnachtsführers hat er verantwortet (zentralplus berichtete). Er begründete den legendären «Tschäderi-Bumm»-Ball mit jeweils bis zu 2’500 Fasnächtlerinnen im Hotel Union, war Mitglied bei den Luzerner Originalen – und erweckte die Bockstall-Künstlervereinigung mit ihren jährlichen Bilderausstellungen wieder zum Leben.

Letztere ist ein Bündnis von geselligen Persönlichkeiten, eine Vereinigung von Künstlern, vorwiegend aus der Fasnachtskunstszene, die in den 1920er- und 1930er-Jahren gegründet wurde. 1994 rief Silvio Panizza zur Neugründung auf. «Ich hatte die Geschichte gelesen und fand das eine ‹glatte› Sache», erzählte er 2017 zentralplus. Also hat er die Vereinigung zusammen mit Künstlern wiederbelebt.

Er holte die Haute Couture nach Luzern

Silvio Panizza hatte die Gabe, andere Menschen für Projekte zu begeistern. Sein Engagement für die Fasnacht dürfte vielen noch in Erinnerung sein. Was wohl nur noch wenige wissen, ist, dass Silvio Panizza in den 1980er-Jahren einen aufwendigen Modeball auf die Beine stellte, der Luzern als Modestadt etablieren sollte.

Haute Couture von Nina Ricci wurde im Schweizerhof präsentiert. Der damalige Verkehrsdirektor Kurt H. Illi lobte den Versuch, in der Leuchtenstadt was Neues auf die Beine zu stellen. «Die eigens aus Paris eingeflogenen Mannequins führten eine theatralisch inszenierte Schau vor, mit Herbst-/Wintermodellen vom schlichten Wollmantel bis zum pompösen Abendkleid», schrieb die damalige Tagblatt-Journalistin Eva Roelli in einem Bericht, der ansonsten alles andere als wohlwollend war.

Modeschau von Nina Ricci im Schweizerhof – organisiert von Silvio Panizza.
Modeschau von Nina Ricci im Schweizerhof – organisiert von Silvio Panizza. (Bild: Stadtarchiv Luzern F2a Kunst + Kultur)

Die Journalistin machte sich unter anderem über den Frack lustig, den Silvio Panizza an jenem Abend trug – und erzählte, dass man bei Halbzeit des Dinners seiner Frau Sauce auf die echte Ricci-Robe goss. «Sie weinte bittere Tränen in die teuren Rüschen», frotzelte Roelli.

Der Zylinder verriet seine wahre Leidenschaft

Silvio Panizza konnte darüber lachen. Allerdings erst Jahre später, als er der Autorin dieser Zeilen die Anekdote bei einem Glas Mineralwasser im Rebstock erzählte. Da verriet er mir auch lachend, dass der Zylinder, den er an dem Abend trug, aus dem Fasnachtsbazar stammte. Ich war beeindruckt davon, wie lebendig er die Geschichte schilderte – als wäre sie erst gestern passiert. Mit seinem Tod geht sehr viel Wissen über die Stadt Luzern verloren. Natürlich ganz besonders über die Zeit zwischen Tagwache und Aschermittwoch.

Lebenswerk wird fortgesetzt

«Er war ein Wikipedia, was die Luzerner Fasnacht betrifft. Er hat unendlich viel gewusst», sagt Röbi Marty, Präsident «die Vereinigte Luzern». Zusammen mit Ex-Radio-Pilatus-Moderator Sämi Deubelbeiss wird er dafür sorgen, dass dieses Wissen bewahrt wird. «Silvio war ein rüüdiger Fasnächtler, bis ins hohe Alter. Er hat einen riesigen Aufwand für den Fasnachtsführer betrieben und wir führen ihn in seinem Sinne weiter. Das ist sein Lebenswerk.»

Verwendete Quellen
  • Mitteilung der Freunde der Luzerner Originale auf Facebook
  • Telefonat Röbi Marty
  • Artikel im Luzerner Tagblatt vom 2. November 1982
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