Regionales Leben
Regenwetter hat doch etwas Gutes

In Luzern gibt’s dieses Jahr weniger Wespen

Vergällen einem jeden Picknick-Spass: Wespen. (Bild: Pixabay)

Bienen sind nützlich, Hummeln niedlich und Wespen unbeliebt. Warum eigentlich? Und wie gefährlich sind sie für den Menschen? zentralplus hat nachgefragt und erfahren, was Luzerner heuer von den gelb-schwarzen Insekten erwartet.

Das warme Sommerwetter – wenn es denn einmal kommen sollte – lockt zu einem romantischen Brunch auf einer Picknickdecke an der freien Luft. Beispielsweise bei der Ufschötti oder beim Konsipark. Oder zu einem gemütlichen Grillabend mit Freunden auf dem Balkon bei Bier und Wurst. Oft braucht es aber nur ein paar Insekten, um den Spass zu vermiesen.

Einige stören uns nicht und haben im Allgemeinbewusstsein ein positives Ansehen. Wie etwa Bienen, die als friedfertige Honigproduzenten gelten, und Hummeln, die quasi Bienen mit flauschigem Winterpelz sind. Dann gibt es aber noch die unangenehm auffallende Fraktion mit Stechmücken, Bremsen und Wespen.

Heuer gibt es weniger Wespen

Die Frage, die Grill- und Gartenfans interessieren dürfte: Wird es ein wespenlastiges Jahr? «Aufgrund des regnerischen Wetters und der Tatsache, dass es im Frühling lange kühl war, werden diesen Sommer und Herbst weniger Wespen unterwegs sein», sagt Andrea Oelhafen von der Umweltberatung Luzern auf Anfrage. Somit dürfte es heuer zu weniger Händegefuchtel und Stichen kommen.

Ein Stich ist für die meisten Menschen zwar schmerzhaft und unangenehm, aber ungefährlich. Gemäss der Umweltberatung Luzern leiden rund zwei bis drei Prozent der Schweizer Bevölkerung an einer Wespengiftallergie. Das gilt übrigens auch für Hornissen. Trotz ihrer Grösse wären rund 1000 Stiche nötig, um einen nicht allergischen Menschen ernsthaft in Gefahr zu bringen.

«Wespen werden oft alle in den gleichen Topf geworfen.»

Andrea Oelhafen, Umweltberatung Luzern

In der Regel sind es gleichwohl die Wespen, die uns den gemütlichen Aussenaufenthalt verderben. Sechs verschiedene Arten surren in der Zentralschweiz umher. Das klingt für Menschen mit Insektenphobie nach Horror, muss aber relativiert werden. «Wespen werden oft alle in den gleichen Topf geworfen», sagt Oelhafen. Denn die allermeisten Wespenarten sind friedlich und harmlos. Vorausgesetzt, man lässt sie in Ruhe.

Nur zwei Störenfriede

Das gilt übrigens auch für die Hornisse, die aufgrund ihrer Grösse von rund 3,5 Zentimeter nicht selten für panisches Handwedeln – oder für eine Flucht ins Hausinnere – sorgt. In der Schweiz gehört die Hornisse übrigens zu den seltensten Wespenarten – in Deutschland steht sie sogar unter Artenschutz.

Wirklich unangenehm sind für den Menschen nur zwei Arten: die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris) und die Deutsche Wespe (Vespula germanica). Sie fallen uns deswegen negativ auf, weil sie sich für unsere Nahrung interessieren und deswegen häufig beim Essen um unsere Köpfe schwirren oder sich auf der saftigen Bratwurst niederlassen. Die restlichen Flatterviecher, Feldwespe, Sächsische Wespe, Mittlere Wespe und die Hornisse sind friedfertige Kerlchen, so lange man sich nicht in der Nähe ihrer Nester aufhält.

Na toll, der Brunch ist wohl gelaufen ... (Bild: Pixabay)

Hummeln bestäuben Pflanzen, Bienen produzieren darüber hinaus auch noch Honig. Was aber machen Wespen eigentlich? Andrea Oelhafen erklärt, dass Wespen wie Bienen auch bei der Bestäubung eine wichtige Rolle spielen. «Ausserdem halten sie für uns unangenehme ‹Schädlinge› wie Mücken und Fliegen in Schach, da sie diese jagen und ihrem Nachwuchs verfüttern.»

Von Strichen und Punkten

Ob man es mit einer der gemütlichen Wespenarten zu tun hat oder mit einer von den Spassbremsen, erkennt man anhand der Zeichnung im Gesicht des Tiers. Die Deutsche Wespe erkennt man an den drei schwarzen Punkten auf der Stirnplatte, während die Gemeine Wespe einen durchgehenden, vertikalen schwarzen Balken im Gesicht trägt.

Wie geht man gegen die lästigen Wespen vor, ohne gleich den Schädlingsbekämpfer aufzubieten oder mit einer Wespenfalle einen quartierweiten Insektengenozid zu verursachen? Helfen können beispielsweise simple Hausmittel. Duftkerzen und Wasserzerstäuber haben sich gemäss Umweltberatung Luzern als «einigermassen wirksam» erwiesen.

Lieber umsiedeln statt umbringen

Jedes Jahr gehen bei der Umweltberatung zahlreiche Anrufe und Anfragen in Bezug auf Wespen ein. Viele davon wegen Wespennestern in Hausnähe. «Bei Wespenanfragen versuchen wir die Leute zu beruhigen und informieren darüber, dass Wespen im Herbst/Winter sterben, die Königin zum Überwintern ausfliegt und das Nest im Folgejahr nicht wieder besiedelt wird», sagt Andrea Oelhafen.

Zudem will die Umweltberatung Luzern durch die Artbestimmung den Leuten aufzeigen, ob es sich um eine friedliche Art handelt und eventuell gar kein Handlungsbedarf besteht. «Möchte trotzdem jemand das Nest entfernen, versuchen wir die Betroffenen von einer Umsiedlung des Volkes zu überzeugen.»

Eine Schädlingsbekämpfungsfirma – oder die Feuerwehr – sollte idealerweise nur dann aufgeboten werden, wenn das Wespennest nicht umgesiedelt werden kann. Beispielsweise dann, wenn es schwer zugänglich irgendwo im Dachgebälk oder Storenkasten gebaut wurde.

Von der Wespe gestochen? Das musst du beachten

Im Normalfall verursacht ein Wespenstich eine rötliche Hautschwellung um die Einstichstelle, die juckt und schmerzhaft ist, meistens aber nach einigen Stunden wieder abklingt. Idealerweise kühlt man den Stich und behandelt ihn mit einer antihistaminen Salbe.

Für Nicht-Allergiker sind Stiche nur dann gefährlich, wenn sie im Bereich der Mund- oder Rachenschleimhaut erfolgen und die Atemwege behindern. Typische Symptome dafür Heiserkeit, Husten oder Atemnot, wie «Toxinfo» schreibt.

Bei Menschen mit einer Wespengiftallergie zeigen sich schwerere Symptome, Körperstellen können anschwellen, darunter die Handflächen, Fusssohlen, Augenlider oder Zunge. Auch Atembeschwerden und Kreislaufprobleme können auftreten.

Sollten sich solche Symptome zeigen, ist es ratsam, sofort die Sanität 144 zu rufen.

Weil man im Vorfeld nie weiss, ob man eine Allergie gegen Wespengift hat, lohnt sich die Anschaffung eines Notfallsets (Kortisonpräparat, Antihistamin, Adrenalin-Fertigspritze).

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