Regionales Leben
60 Höhenmeter auf 300 Meter kurzer Strecke

Das womöglich brutalste Velorennen der Welt ist in Luzern

Mitten in der Stadt Luzern findet das gnadenlose Velorennen «Hilliminator» statt. (Bild: )

Kurz. Steil. Gnadenlos. So wird der «Hilliminator» beschrieben. Das Velorennen mitten in der Stadt Luzern hat trotz dieser brachialen Beschreibung seine familiären und gemütlichen Seiten. Am Samstag fand es zum achten Mal statt.

Die Alp d’Huez? Naja. Der Mont Ventoux? Pfff. Diese beiden Anstiege sind zwar Ikonen in der Rennveloszene und werden vom Teilnehmerfeld der Tour de France gleichermassen geliebt wie gefürchtet. Doch das vielleicht brutalste und bestimmt kürzeste Velorennen der Welt findet in Luzern statt – und das mitten in der Stadt. Willkommen am Hilliminator.

Was zeichnet dieses Rennen aus? Es ist lediglich 300 Meter lang. Überwindet auf dieser Strecke über die Hochbühlstrasse im Bruchquartier aber eine Höhendifferenz von rund 60 Höhenmetern. Das entspricht einer durchschnittlichen Steigung von über 20 Prozent. Werte, von denen die gefürchtetsten Gipfel der Tour de France nur träumen können.

«Es ist brutal steil», bestätigt denn auch der Chef des Organisationskomitees, Ruben Wey. Oder «Mister Hilliminator», wie ihn seine Teamkollegen nennen. Für ihn liegt der Reiz des Rennens aber nicht nur am Gefälle der Strecke: «Es ist mitten in der Stadt Luzern. So sind wir ganz nah bei den Leuten dran. Das gibt dem Event einen familiären Charakter.»

Mister Hilliminator, Ruben Wey, vor dem Ziel der Strecke. (Bild: )

Breites Teilnehmerfeld

Dieser familiäre Charakter drücke sich nicht zuletzt darin aus, dass das Teilnehmerfeld extrem breit sei. «Wir haben ambitionierte Fahrer, sogar welche, die extra für dieses Rennen aus dem Ausland anreisen. Und dann gibt es solche, die auf dem Weg nach oben einen Zwischenhalt an der Bar machen und ein Bier trinken.»

Tatsächlich ist es ein kunterbunter Anlass. Von Sportskanonen in knallbunten Rennshirts und schnellen Brillen bis hin zu Teilnehmerinnen auf Cargo-Velos gibt es im Teilnehmerfeld so ziemlich alles. Und auch der Streckenrand, von wo aus die Teilnehmerinnen frenetisch angefeuert werden, ist gesäumt mit Zuschauern von Jung bis Alt.

So streng ist es wirklich

Und wie gnadenlos ist das Rennen in der Praxis? Um die Antwort auf diese Frage herauszufinden, würde sich ein Selbstversuch natürlich anbieten. Wir geraten allerdings schon auf der Streckenbesichtigung zu Fuss dermassen ausser Atem, dass wir das Velo im Startbereich stehen lassen. Stattdessen fragen wir Stefan Keck, der die Hilliminator-Ausgabe 2021 als erster Fahrer eröffnet hat.

«Es war brutal», sagt er im Ziel angekommen. Auch einige Minuten nach Zielankunft ist er noch immer völlig ausser Atem. Zwischen seinen Atemzügen gibt er uns stückweise Antwort auf die Frage, warum er sich so etwas antut: «Es ist schön, die ganze Community hier zu treffen. Und das mitten in der Stadt.» Nach zwei weiteren tiefen Atemzügen ergänzt er: «Normalerweise sind Velorennen sehr lang und gehen über 100 Kilometer. Hier nicht. Hier musst du alles auf einmal raushauen.»

Danach schwingt er sich wieder in den Sattel und braust hinunter in Richtung Start. Denn der Hilliminator ist ein Ausscheidungsrennen. Nach überstandener Qualifikation geht es für die 16 schnellsten Teilnehmer im Achtelfinal im Direktduell weiter. Wer es also bis ins Final schafft, tut sich die Tortur insgesamt fünf Mal an.

«Lieber die anderen als wir», denken wir uns und begeben uns wieder an den Streckenrand, wo wir gemütlich den sichtlich leidenden Fahrerinnen bei ihrem Kampf gegen den Berg zuschauen.

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