Immer mehr Waffengesuche

Deutliche Zunahme von Waffen: Zuger rüsten auf

Die Zahl der Waffen hat im Kanton Zug in den vergangenen Jahren massiv zugenommen. (Bild: Symbolbild: Unsplash/thdef)

Die Zahl der Waffengesuche steigt im Kanton Zug. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Bewilligungen sprunghaft um fast 25 Prozent an. Über die Gründe kann die Zuger Polizei nur mutmassen.

Die historische Flinte liegt in der Vitrine, die Pistole im Nachttisch, das Jagdrepetierer wartet auf dem Estrich auf die kommende Niederwildjagd: Zuger sind dem Besitz von Waffen nicht abgeneigt, im Gegenteil. Das Bedürfnis nach Waffen ist in den letzten zehn Jahren kontinuierlich angestiegen, wie Zahlen der Zuger Polizei aus den letzten zehn Jahren zeigen.

Wurden im Jahr 2014 im Kanton Zug noch 353 Bewilligungen ausgestellt, waren es im Jahr 2023 bereits 975. Die Zahl hat sich in den letzten neun Jahren fast verdreifacht. Allein im Vergleich zum Vorjahr (764 Gesuche) lässt sich 2023 eine bemerkenswerte Zunahme um fast 25 Prozent feststellen.

In den drei Jahren 2019 bis 2021 bewegten sich die Zahlen zwischen 653 und 694, was einem vergleichsweise sanften Anstieg entspricht. 2022 kletterte sie auf 764 Gesuche an.

Genaue Zahl der Waffen will die Polizei nicht bekannt geben

Darüber, wie viele registrierte Waffen im Kanton Zug genau in Estrichen, Kellerabteilen und Abstellkammern liegen, kann die Zuger Polizei keine Auskunft geben. «2019 änderte sich im Rahmen der Abstimmung über das Waffengesetz auch das System zur Erfassung von Waffen. Nun sind im Register nicht nur die Waffen dokumentiert, die im Privatgebrauch sind, sondern auch jene, die, etwa in Waffengeschäften zum Verkauf stehen», sagt Roger Widmer, Sachbearbeiter Waffen bei der Zuger Polizei. Dieser Umstand führe dazu, dass die Zahl nicht aussagekräftig sei. «Auch Waffen, die zwar im Kanton Zug registriert wurden, jedoch zwischenzeitlich in andere Kantone verkauft worden sind, sind im Register aufgeführt.»

So viel ist jedenfalls klar: Die Zahl der Waffen im Kanton Zug dürfte hoch sein. Im Jahr 2016, also vor der Systemumstellung, waren es noch 17’341 Stück (zentralplus berichtete). Beschaut man sich die Entwicklung der Gesuche, dürften es heute deutlich mehr sein.

Eine Statistik über die Beweggründe führt die Polizei nicht

Zum Anstieg der Zahlen in den letzten Jahren äussert sich Widmer wie folgt: «Seit der Anpassung des Schweizer Waffengesetzes an das EU-Recht im Jahr 2009 ist ein kontinuierlicher Anstieg der Waffengesuche zu beobachten. Es ist erkennbar, dass das informelle Schiessen in privaten Schiessanlagen zunehmend beliebter geworden ist. Eine abschliessende Erklärung für diese Entwicklung ist aber nicht möglich.»

In den Gesprächen würden die meisten Gesuchstellenden den Schiesssport als Hauptgrund für den Erwerb einer Waffe nennen, so Widmer weiter. «An zweiter Stelle stehen Sammler. Eine Statistik führen wir dazu allerdings nicht.»

Die Weltlage hat sich in den letzten Jahren verdüstert, auch die Pandemie dürfte für eine gewisse Unsicherheit in der Bevölkerung gesorgt haben. Darauf angesprochen, ob die höheren Gesuchszahlen damit in Verbindung stehen könnten, sagt Widmer: «Es ist schwierig, eine direkte Verbindung zwischen der weltweiten Lage und dem Interesse an Waffen herzustellen. Die globale Situation ist komplex und die Gründe für ein gestiegenes Waffeninteresse können vielfältig und individuell unterschiedlich sein.»

«Die Entwicklung macht mir keine Sorgen.»

Laura Dittli, Zuger Sicherheitschefin

Auf die Frage, ob sich Zugerinnen heute weniger sicher fühlen, sagt die Zuger Sicherheitsdirektorin Laura Dittli: «Die starke Zunahme der letzten Jahre ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass der Schiesssport populärer geworden ist.» Und weiter: «Der Kanton Zug ist nach wie vor und gerade im Vergleich mit vielen anderen Schweizer Kantonen ein sehr sicherer Kanton. Ich bin überzeugt, die Zugerinnen und Zuger nehmen das auch so wahr.»

Die Waffengesuche des Kantons Zug würden etwa dem gesamtschweizerischen Durchschnitt entsprechen. Dittli weiter: «Die Entwicklung macht mir deshalb keine Sorgen. Aber natürlich analysieren wir die Zahlen regelmässig, um bei allfälligen Änderungen reagieren zu können.»

Die meisten Schweizer könnten eine Waffe kaufen

Zu den bewilligungspflichtigen Waffen gehören in der Schweiz insbesondere halbautomatische Waffen, wie etwa Pistolen. Sich eine solche auf offiziellem Weg zu beschaffen, ist nicht sonderlich schwierig (zentralplus berichtete). Auch wenn gewisse Kriterien erfüllt sein müssen. So braucht es neben dem Gesuch um einen Waffenerwerbsschein und der Kopie einer Identitätskarte auch einen sauberen Strafregisterauszug.

Zudem dürfen Gesuchsteller gemäss Bundesamt für Polizei nicht unter Beistandschaft stehen und nicht an einer Krankheit leiden, «welche für den Umgang mit Waffen ein erhöhtes Risiko darstellen könnte, wie Medikamenten-, Alkohol- oder Betäubungsmittelabhängigkeit».

Weiter gilt ein Waffenerwerbsverbot für Angehörige folgender Länder: Serbien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Nordmazedonien, Türkei, Sri Lanka, Algerien sowie Albanien.

Anstieg in den Nachbarkantonen weniger markant

Zeit für einen Blick über die Kantonsgrenzen. Im Kanton Luzern verdoppelte sich die Zahl der Waffenerwerbsbewilligungen zwischen 2014 und 2023. Im vergangenen Jahr bewilligten die Behörden 1874 Gesuche. Anders als in Zug ist die Zahl hier im vergangenen Jahr leicht gesunken: 2022 waren es 1976 Gesuche.

Deutlich tiefer waren die Zahlen in Luzern 2020 (1367) und 2021 (1475). Der Luzerner Mediensprecher Urs Wigger erläutert: «Die Zahlen im Jahr 2020 und 2021 dürften aufgrund der Pandemie tiefer ausgefallen sein.» Konkret begründet er dies mit geschlossenen Waffengeschäften sowie Waffenbörsen und Schiessaktivitäten, welche nicht stattgefunden hätten.

Auch im Kanton Zürich nimmt die Zahl der eingelösten Waffenerwerbsscheine tendenziell zu. 2014 waren es 3778, im Jahr 2023 lag die Zahl bei 5614. Auch in Zürich sank die Zahl während der Pandemiejahre 2020/2021 markant und steht heute auf einem ähnlichen Niveau wie 2019 (5509).

Bricht man die Zahlen herunter auf die Bevölkerungszahl der jeweiligen Kantone, lässt sich ablesen, dass in Zug durchschnittlich deutlich mehr Waffenbewilligungen eingeholt werden als in den Nachbarkantonen.

Im Kanton Zürich leben 1,6 Millionen Menschen, im Kanton Zug rund 133'000 Einwohner. 975 Gesuche waren es in Zug im Jahr 2023: Geht man davon aus, dass eine Person ein Gesuch für einen Waffenschein stellte, hat sich in diesem Jahr 0,73 Prozent der Zuger Bevölkerung eine bewilligungspflichtige Waffe gekauft. Im Kanton Luzern waren es 0,47 Prozent, im Kanton Zürich waren es im selben Jahr «nur» 0,35 Prozent.

Zahlen wohl nicht abschliessend aussagekräftig

Doch so einfach ist das nicht mit den Statistiken. Auch die Kommunikationsabteilung der Kantonspolizei Zürich weist auf die Gesetzesänderung im Jahr 2019 hin, gemäss welcher auch eine elektronische Meldepflicht für die Waffenhändler erfolgt sei. «Seither werden alle Waffenerwerbsscheine, mit welchen Waffen im Kanton Zürich gekauft werden, im Waffenregister des Kantons Zürich aufgeführt.» Also auch dann, wenn der Waffenerwerbsschein vom Kanton Zug ausgestellt worden sei.

«Deshalb ist seit der Gesetzesänderung 2019 ohne unverhältnismässigen Aufwand keine statistische Aussage über die im Kanton Zürich von den Zürcher Gemeinden ausgestellten Waffenerwerbsscheinen mehr möglich.» Stattdessen seien alle Waffenerwerbsscheine aller Schweizer Kantone aufgeführt, mit welchen im Kanton Zürich Waffen erworben worden seien.

Braucht mein Panzer einen Waffenschein?

Dass gewisse Zuger ein etwas eigenartiges Flair für Waffen, Militärkram und gepanzerte Fahrzeuge haben, ist nicht neu. Erst kürzlich machte ein selbsternannter «König» aus Zug mit seinem Panzer ein Blueschtfährtli nach Bern vors Bundeshaus (zentralplus berichtete). Auch der Zuger Crypto-Millionär Niklas Nikolajsen hat sich vor wenigen Jahren einen Panzer gekauft, um damit durch Zugs Strassen zu kesseln (zentralplus berichtete).

Braucht es für einen Panzer eigentlich einen Waffenschein? Roger Widmers Antwort auf diese kuriose und vielleicht nur in Zug relevante Frage: «Nein, denn sonst müsste für jedes Auto ein Waffenschein erforderlich sein.» Das Waffengesetz definiere klar, was als Waffe gelte. «Es bezieht sich vorwiegend auf Faust- und Handfeuerwaffen, aber auch auf Waffen und Munition. Anderes Kriegsmaterial wie beispielsweise Fahrzeuge wird darin nicht behandelt.»

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher Austausch mit der Zuger Polizei
  • Schriftlicher Austausch mit der Luzerner Polizei und der Kantonspolizei Zürich
  • Schweizer Waffengesetz
  • Infos des Bundes zum Erwerb einer Waffe als Privatperson
  • Schriftlicher Austausch mit der Zuger Sicherheitsdirektion
  • Informationen zur Änderung des Waffengesetzes 2019
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