Politik
Versteckte Ecke beim Regierungsgebäude

Park statt Parkplätze: Alte Idee kommt in Luzern neu auf

Urban Sager an der Hirschmattstrasse, von der ein kleiner Tunnel in den Innenhof des Regierungsgebäudes führt. (Bild: jal)

Eingeklemmt zwischen hohen Mauern schlummert der Innenhof des Luzerner Regierungsgebäudes. Heute ein unbeachteter Parkplatz für die Kantonsverwaltung, war hier schon vor 40 Jahren die Rede von einem Park. Weil der Kanton bald an den Seetalplatz umzieht, bekommt die Idee jetzt neuen Aufwind.

Es ist kein Ort, an dem Luzernerinnen oder Touristen oft vorbeikommen: der Innenhof des Regierungsgebäudes. Selbst vielen Einheimischen unbekannt, ist er eingeklemmt zwischen Jesuitenkirche, Fach- und Wirtschaftsmittelschule und dem Regierungsgebäude. Ein Hinterhof, vorwiegend für Autofahrer.

Doch der graue Parkplatz könnte auch ein grüner Park sein: Diese Idee geistert seit über 40 Jahren durch Luzern. Jetzt erhält sie frischen Schub. Der Luzerner SP-Kantonsrat Urban Sager fordert in einem neuen Postulat, dass der Innenhof begrünt wird.

Eine sehr, sehr lange Vorgeschichte

Doch von vorne: Bereits 1979 kam die Forderung im Kantonsparlament, das damals noch Grosser Rat hiess, aufs Tapet. Die Mehrheit sprach sich für einen grünen Innenhof aus – die Idee kam damals von Paul Gassner, CVP-Grossrat und Vater der späteren SP-Politikerin Felicitas Zopfi-Gassner. Auch im Stadtparlament fand das Ansinnen kurze Zeit später Gehör. 1991 dann sprachen sich Stadt und Kanton in einem Bericht dafür aus, die Parkplätze hinter dem Regierungsgebäude aufzuheben.

Mehr noch: Ebenso geplant war ein Fussgänger-Durchgang zum Vorplatz der Jesuitenkirche. Das städtische Parlament bewilligte sogar mehrere hunderttausend Franken, um eine Passerelle zur Reuss zu öffnen.

Doch passiert ist nichts. Die Kantonsregierung verschob das Projekt. Es wurde als nicht dringlich erachtet, schliesslich musste der Kanton sparen. Verzichtsplanung lautete damals das Stichwort – der grüne Park wurde abgeschrieben.

Obwohl immer wieder Thema auf städtischer Ebene, zogen viele weitere Jahre ins Land, bis der Kanton sich erneut mit dem Innenhof befasste. 2014 war es ebenjene Felicitas Zopfi, die als Kantonsrätin eine Neugestaltung forderte. Ihr schwebte eine einfache Variante vor, mit Parkbänken und möglicherweise einer Buvette. Und sie war nicht allein: Inzwischen war auch im Zusammenhang mit dem Parking Musegg die Vision aufgekommen, den Parkplatz zu räumen und künftig als Marktplatz zu nutzen.

Doch der Regierungsrat war nach wie vor dagegen. Das könne sich der Kanton nicht leisten, lautete das Argument. Nicht nur wegen der Investitionskosten, sondern auch weil Gebühreneinnahmen wegfallen würden. Zudem brauche die Kantonsverwaltung Parkplätze für Kunden und Mitarbeiterinnen. Die Mehrheit des Kantonsrates sah das genauso und lehnte den Vorstoss 2014 ab.

Kantonsverwaltung zügelt an den Seetalplatz

Beide Argumente haben rund sieben Jahre später keine Gültigkeit mehr, argumentiert jetzt Urban Sager. Denn: Die Kantonsverwaltung zügelt an den Seetalplatz. Ende November gab die Stimmbevölkerung grünes Licht für den Neubau in Emmenbrücke (zentralplus berichtete). «Die Parkplätze für die öffentliche Verwaltung werden daher nicht mehr gebraucht», sagt der 39-Jährige.

Und die finanzielle Lage des Kantons hat sich seit 2014 massiv verbessert. Prägten damals Sparpakete die Schlagzeilen, sind es heute die Nationalbankmillionen und die Steuersenkung.

«Die Stadt Luzern ist im Zentrum nicht gesegnet mit Parkanlagen.»

Urban Sager, SP

Sager ist darum überzeugt: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen, das Anliegen wieder zu prüfen. Es gebe zwar das Inseli, die Ufschötti oder das Vögeligärtli. «Aber die Stadt Luzern ist im Zentrum nicht gesegnet mit Parkanlagen.» Nebst der städtebaulichen Aufwertung und dem Gewinn an Lebensqualität verspricht er sich von der Umgestaltung auch einen Beitrag ans Stadtklima. Denn versiegelte Böden lassen die Städte im Sommer mehr aufheizen als Rasen.

Dass der versteckte Ort von den Einheimischen links liegen gelassen würde, bezweifelt Sager, der als Lehrer an der angrenzenden Fach- und Wirtschaftsmittelschule unterrichtet. Für eine Belebung könnte allenfalls eine Buvette sorgen. Oder eben ein Durchgang zur Reuss. Das ist zwar nicht explizit Teil der Forderung des SP-Kantonsrates. «Doch das müsste man sicher mitdenken, falls der Kanton einen Park planen würde.» 


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