Nur noch 100 Tanzfreudige pro Club zugelassen

Luzern wappnet sich gegen Partytourismus

Der Kanton will verhindern, dass Aargauer und Zugerinnen scharenweise in Luzern Party machen. (Symbolbild: Unsplash/Karl JK Hedin)

Im Kanton Luzern gilt ab Freitag: Pro Club oder Bar sind nur noch 100 Gäste erlaubt. Damit macht sich Luzern bewusst unattraktiv für Partygänger aus Kantonen mit strikteren Regeln – obwohl unklar ist, wie viele Nachteulen sich in hiesigen Clubs angesteckt haben.

Zehn neue Corona-Fälle innert eines Tages: So lautete die Bilanz im Kanton Luzern diesen Mittwoch. Dem Tag, als die Behörden für das Nachtleben eine weitere Verschärfung bekannt gaben: Ab Freitag dürfen maximal noch 100 Besucher pro Club gemeinsam das Tanzbein schwingen (zentralplus berichtete).

«Die Entwicklung der Fallzahlen im Kanton Luzern zeigt, dass weitergehende Schutzmassnahmen notwendig sind, um die Ausbreitung des neuen Coronavirus bestmöglich unter Kontrolle zu halten», begründet Regierungsrat Guido Graf (CVP) die Verschärfung. Innert der letzten Woche registrierte Luzern über 30 Neuinfizierte. Aktuell befinden sich 31 Personen in Isolation, weitere 103 in Quarantäne.

Gefahren: Ausland, Familie, Freizeit

Dass das Nachtleben Risiken birgt, zeigten in jüngster Vergangenheit «Superspreader-Fälle» im Aargau und in Zürich. Von einem solchen ist Luzern bislang verschont geblieben.

War das einfach Glück? Oder schützen die Zentralschweizer Clubs ihre Besucher besser? Obwohl die Kantone seit Mai mittels Contact Tracing die Infektionsketten probieren zu rekonstruieren, liegen kaum detaillierte Daten vor.

Ein ungefähres Bild liefern zumindest die Ergebnisse des transparenten Kantons Zug, der die vermuteten Ansteckungsquellen regelmässig online publiziert. Diese Zahlen zeigen: Knapp 13 Prozent der bislang rund 240 Patienten haben sich vermutlich in der Freizeit – worunter das Nachtleben fallen dürfte – mit dem Coronavirus infiziert.

Weitaus grösser ist der Anteil jener, die sich nach einer Reise oder im familiären Umfeld angesteckt haben. Bei vielen ist der Übertragungsort unklar: Die Patienten werden zwar dazu befragt, wissen aber oft nicht, bei wem sie sich angesteckt haben.

Im Kanton Luzern ist eine Publikation dieser Daten nicht vorgesehen. Die Recherchen zeigten, dass sich die Leute vor allem in der Familie und in der Freizeit anstecken, sagt Graf. Wie viele davon sich in Clubs oder im Ausgang infizieren, gibt der Kanton nicht näher bekannt.

«Es ist erwiesen, dass sich in letzter Zeit vor allem jüngere Personen angesteckt haben.»

Guido Graf, Regierungsrat

Insofern ist die neuste Verschärfung in erster Linie als präventive Massnahme zu verstehen. «Das Gefahrenpotenzial ist im Club im Moment am grössten», sagte Graf am Mittwoch gegenüber dem «Regionaljournal» von SRF. Zudem ergänzt er auf Nachfrage: «Es ist erwiesen, dass sich in letzter Zeit vor allem jüngere Personen angesteckt haben.»

Partytiger, bleibt uns fern!

Mit dem Entscheid will der Kanton verhindern, dass Luzern zum Partymekka für Tanzwütige aus anderen Kantonen wird. Denn vielerorts rund um Luzern, etwa in Zug oder im Aargau, sind die Schutzmassnahmen verschärft worden. «Aufgrund der Mobilität – Stichwort ‹Party-Tourismus› – macht es Sinn, die Massnahmen anzugleichen», sagt der Luzerner Gesundheitsdirektor.

Dass der Kanton die Akteure im Luzerner Nachtleben damit nicht glücklich macht, weiss er (zentralplus berichtete). Doch Guido Graf betont: «Die Gesundheit unserer Bevölkerung steht hier über den wirtschaftlichen Interessen der Betriebe.»

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4 Kommentare
  • Profilfoto von mebinger
    mebinger, 16.07.2020, 08:06 Uhr

    Die Kantonsregierungen überbieten sich nun in hysterischen Anfällen

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    • Profilfoto von olga
      olga, 16.07.2020, 10:44 Uhr

      meinen sie? ich finds gut…..wir sollten uns alle bewusst solidarisch diszipliniert zeigen. das virus ist noch da.

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    • Profilfoto von willi aus au
      willi aus au, 16.07.2020, 10:44 Uhr

      meinen sie? ich finds gut…..wir sollten uns alle bewusst solidarisch diszipliniert zeigen. das virus ist noch da.

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    • Profilfoto von M. Moser
      M. Moser, 17.07.2020, 06:24 Uhr

      Herr Mebinger,
      Sie dürfen den Kantonen gerne Hysterie vorwerfen, nur haben die Ereignisse im Kanton Zürich und Aargau eindeutig das Gegenteil bewiesen. Herr Mebinger das was sie hier schreiben ist längst durch die Statistik mehr als widerlegt worden. Wahrscheinlich werden solche Verweigerer und Dilettanten erst klug wenn sich die Krankenkasse in Corona-Fällen wie eine Haftpflichtversicherung verhält und Fahrlässigkeit im Umgang mit Gesundheitsvorschriften der Kantone mit Regress bestraft.

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