Politik
Kosten des Massnahmenvollzugs

Kein «Fall Carlos» im Kanton Zug

Im Bostadel Menzingen sind Straftäter mit besonderer Flucht- oder Gemeingefahr untergebracht. (Bild: Christian Herbert Hildebrand)

83 Erwachsene und 13 Jugendliche aus dem Kanton Zug befinden sich derzeit im Straf- oder Massnahmenvollzug. Bei neun Personen kostet dieser monatlich mehr als 15’000 Franken. Fünf davon sind Jugendliche.

Mit dem «Fall Carlos» rückten die Kosten des Strafvollzuges vermehrt ins Interesse von Politik und Öffentlichkeit. Die Zuger Regierung hat diese nun auf Wunsch des SVP-Kantonsrats Manuel Brandenberg detailliert dargestellt. Im Fokus der Anfrage stehen Personen, die monatliche Kosten von 15’000 Franken oder mehr verursachen.

Kosten steigen durch Sicherheitsbedürfnis

Obwohl sich derzeit 83 Erwachsene im Straf- oder Massnahmenvollzug befinden, übertreffen die Kosten nur in vier Fällen den genannten Betrag. Am meisten muss derzeit für eine stationäre therapeutische Massnahme aufgebracht werden. Hier belaufen sich die Kosten auf 20’700 Franken pro Monat. Ähnliche Kosten verursacht der vorzeitige Massnahmenvollzug, während die Fälle von Straf- und Massnahmenvollzug auf der Sicherheitsabteilung respektive eines Verwahrten mit je 16’000 Franken zu Buche schlagen.

Wenig überraschend dabei, dass der Vollzug umso teurer wird, je höher die Sicherheitsstufe der Massnahme angesetzt ist. Auch führt das zunehmende Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung zu steigenden Kosten. «Anhand der Jahresrechnungen und der Budgets zeigen sich die zunehmenden Kosten im Erwachsenenvollzug.» Dies sei unter anderem die Konsequenz daraus, dass weniger Vollzugslockerungen wie bedingte Entlassung gewährt würden und der Vollzug vermehrt in geschlossenen Anstalten durchgeführt werde, schreibt die Regierung.

Höhere Kosten bei Jugendlichen

Teurer als bei Erwachsenen fällt der Massnahmenvollzug für Jugendliche aus. Fünf der 13 Jugendlichen, die Ende September in Erziehungseinrichtungen oder Massnahmenzentren platziert waren, verursachen monatliche Kosten von mehr als 15’000 Franken. «Die im Kanton Zug schwierigen und gefährlichen Jugendlichen sind entweder in geschlossenen Institutionen oder im Gefängnis untergebracht», erklärt das Obergericht dazu. Einen Sonderfall «Carlos» gebe es nicht. Die Kosten sind im Kanton Zug tiefer, jedoch nicht massiv.

Betrugen diese bei «Carlos» 29’200 Franken pro Monat, so verursacht der teuerste Fall des Kantons Zug solche von 25’170 Franken. Aufgrund massiver Gewalt- sowie weiterer Delikte wird dieser Täter in sogenannten Beobachtungsstationen stationär abgeklärt und begutachtet. Ein anderer, ähnlicher Fall verursacht monatliche Kosten von 15’840 Franken.

Die weitere Jugendliche befinden sich im vorsorglichen oder definitiven Massnahmenvollzug, wo die Kosten bis 20’460 Franken betragen.

Psychiatrie am teuersten

In den letzten sechs Jahren haben sich die jährlichen Gesamtausgaben für den Straf- und Massnahmenvollzug bei Jugendlichen auf durchschnittlich 1,49 Millionen Franken belaufen. Am teuersten fielen dabei stationäre Abklärungen und Begutachtungen aus, die zwischen ca. 500 Franken (offen) bis ca. 850 Franken (geschlossene Abteilung) kosten. Ein Aufenthalt in geschlossenen Psychiatrien verursacht tägliche Kosten von bis 1’450 Franken.

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