Nach Rückzahlungen an Krankenkassen? Spitex Seeblick steht vor dem Aus
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Abgeschaltet: So sah die Homepage der Privat-Spitex Seeblick aus. (Bild: ida)

Firma von früherem Luzerner Polit-Star ist pleite Nach Rückzahlungen an Krankenkassen? Spitex Seeblick steht vor dem Aus

3 min Lesezeit 1 Kommentar 23.10.2020, 20:04 Uhr

Die Privat-Spitex des ehemaligen Luzerner SP-Kantonsrats Lathan Suntharalingam kam vor einem halben Jahr in die Schlagzeilen. Der «Kassensturz» warf dem Unternehmen vor, mit Krankenkassengeldern getrickst zu haben. Jetzt wird der Konkurs über die Firma eröffnet.

Laut einer vorläufigen Konkursanzeige im Zuger Amtsblatt hat die Spitex Seeblick GmbH am 14. Oktober ihre Bilanzen deponiert. Es handelt sich um das Unternehmen des früheren Luzerner SP-Kantonsrats Lathan Suntharalingam, der sein politisches Mandat vor sieben Jahren an den Nagel gehängt hatte.

Seither hat er als Unternehmer gearbeitet und die Privat-Spitex Seeblick aufgebaut. Diese beschäftigte vor einem halben Jahr noch 190 Mitarbeitende, wie Suntharalingam in einem Interview mit der «Luzerner Zeitung» sagte. Im März kam das Unternehmen in die Schlagzeilen, als die Sendung «Kassensturz» dem Unternehmen Tricksereien und Beschiss vorwarf. Neben allerlei administrativen Ungereimtheiten ging es dabei um gefälschte Angaben in den Arbeitsverträgen.

Zweimal kassiert

Die Arbeitsverträge von ungelernten Pflegerinnen aus Polen sollen von einer Seeblick-Personalverantwortlichen selbst unterschrieben worden sein. Die Frauen selbst bekamen ihren Lohn bar auf die Hand.

Ausserdem soll die Spitex Seeblick den Krankenkassen die Arbeit der Pflegerinnen verrechnet haben – obwohl diese nicht die erforderliche Ausbildung besassen. So soll die Firma neben den Kunden gleich noch bei einer zweiten Adresse abkassiert haben.

Gegenüber der Presse gab Suntharalingam zu, dass die Unterschriften von seiner Mitarbeiterin gefälscht wurden. Das seien «Kurzschlusshandlungen» gewesen. Verantwortlich sei eine schwangerschaftsbedingte Depression der HR-Frau, die man erst im Nachhinein erkannt habe.

Entschuldigung vor der Kamera

Der operative Leiter der Spitex, Janan Nadesalingam hatte sich im März gegenüber dem «Kassensturz» für die unrechtmässig bezogenen Krankenkassengelder entschuldigt. Er versicherte, man werde jeden Fall anschauen und die Gelder zurückbezahlen.

Ob dies geschehen ist – und diese Rückzahlungen die Spitex Seeblick in den Konkurs getrieben haben – ist unklar. Lathan Suntharalingam beantwortete eine entsprechende Anfrage von zentralplus bislang nicht. Er meinte, er wolle sich erst beim Konkursamt versichern, welche Informationen er überhaupt weitergeben dürfe. Er kündigte an, zu einem späteren Zeitpunkt Stellung zu nehmen.

Homepage abgeschaltet

Auf dem Internet sind wenig aktuelle Spuren der Spitex Seeblick zu finden. Die Homepage des Unternehmens wurde stillgelegt.

Grundsätzlich gibt es in solchen Fällen zwei Möglichkeiten. Suntharalingam könnte als Inhaber und Geschäftsführer die Bücher der überschuldeten Firma selber deponiert haben. Oder aber der Konkursrichter verfügte dies auf Begehren von einem oder mehreren Gläubigern. In diesem Fall könnte Suntharalingam dagegen Beschwerde erheben und hätte eine kleine Chance, mit der Spitex weiterarbeiten zu können.

Die Spitex Seeblick GmbH hat vor gut einem Monat ihren Firmensitz von Cham nach Zürich verlegt. In Cham war ihr gekündigt worden, in Zürich hatte sie noch Räumlichkeiten gemietet.

Im Vorstand der SP Schweiz

Mit dem Konkurs über die Spitex Seeblick kommt eine Tellerwäscherkarriere zu einem Halt. Lathan Suntharalingam war als 14-jähriger Flüchtling in die Schweiz gekommen. Er liess sich zum Pfleger ausbilden, dann zum Sozialarbeiter und schrieb sich an der Uni Luzern ein, um Ökonomie und Recht zu studieren. Danach folgte ein Masterstudium in Gesundheitswissenschaften. Bevor er sich als Unternehmer selbstständig machte, arbeitete er unter anderem für die Spitex Stadt Luzern.

Bekannter ist Suntharalingams Karriere in der Politik. Von 2004 bis 2007 sass er als erster Secondo für die Luzerner SP im Grossen Stadtrat. 2007 bis 2013 war er Kantonsrat, 2012 wurde er in den Vorstand der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz gewählt. Ein Jahr später trat er auch dort zurück.

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1 Kommentare
  1. Carmen, 18.11.2020, 17:38 Uhr

    Aurelia Nowak rekrutiert weiter polnische Kräfte ohne Info, ohne Arbeitsverträge… also das Geschäft läuft weiter… nichts passiert…

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.