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Nach Cup-Aus: Medien und Fans fordern Köpferollen
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Verzweiflung in vier Bildern: Ruedi Stäger (von oben links), Tomislav Puljic, Markus Babbel und Christian Schneuwly. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Miese Stimmung nach Pleitenserie beim FC Luzern Nach Cup-Aus: Medien und Fans fordern Köpferollen

6 min Lesezeit 5 Kommentare 03.03.2016, 18:15 Uhr

Die Niederlage im Cup-Spiel gegen Lugano heizt die kritische Stimmung unter den FCL-Fans sowie den Medien noch mehr an. zentral+ hat sich eine Übersicht verschafft – und ist dabei auf Fieses, Polterndes, Versöhnliches und Witziges gestossen.

Es war zum Heulen, das Cup-Aus für den FC Luzern am Mittwochabend. Schon wieder wird aus dem Traum von einem Kübel nichts. Fans und Medien reagierten nach dem Spiel ziemlich heftig. Kein Wunder, schliesslich hat der FCL in diesem Jahr alle fünf Spiele verloren. Und noch immer sorgen die Freistellungen von Rolf Fringer und Roland Vrabec sowie die zweijährige Vertragsverlängerung von Trainer Markus Babbel für Unverständnis. zentral+ hat die spannendsten Aussagen aufbereitet. Und zwar schön sortiert nach Medien, Fans und FCL-Verantwortlichen.

1. Medien schiessen volles Rohr auf Präsident Stäger

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«Blick» und «NLZ» verlieren Geduld

Einen Tag nach dem schmerzhaften Cup-Aus wird von den Medien denn auch prompt der Kopf von FCL-Präsident Ruedi Stäger gefordert. Plus die Köpfe von diversen anderen Übeltätern.

In dieser Hinsicht hat sich seit Wochen speziell der «Blick» auf Stäger eingeschossen. Verunglimpfte das Blatt Stäger (sowie den ganzen Verwaltungsrat) vor Kurzem als «Niete», legte es diesen Mittwoch und Donnerstag mit polternden Kommentaren nach. Das tönte dann so: «Mehr Fehler zu machen als er in den letzten zwei Jahren gemacht hat, geht fast nicht. Ausgewiesene Fussballkenner wie Carlos Bernegger, Alex Frei und zuletzt Rolf Fringer und Co-Trainer Roland Vrabec wurden von Fussball-Laie Stäger entlassen.» Dass Stäger diese Entscheide wohl kaum im Alleingang gefällt hat, wird der Einfachheit halber ausgeblendet. Nun seien die Investoren nicht mehr gewillt, noch mehr Entlassene auf der Lohnliste zu haben. Natürlich weiss der «Blick» dann auch genau, was zu tun ist: «Billiger und viel vernünftiger wäre es, Präsident Stäger zu feuern! Und zwar sofort!»

 

Puljic am Boden zerstört, sprichwörtlich (Bild: Armin Meienberger).

Puljic am Boden zerstört, sprichwörtlich (Bild: Armin Meienberger).

Ins selbe Horn stösst auch die «Neue Luzerner Zeitung» (NLZ). Der FCL sei mit Platz vier in der Meisterschaft und dem Erreichen des Cup-Halbfinals voller Hoffnung ins 2016 gestartet. «Doch dann schüttelte FCL-Präsident Ruedi Stäger mit der Entlassung von Sportchef Rolf Fringer das Gefüge durch – ohne Not und ohne Sinn Ohne Not und Sinn? Das ist eine interessante Interpretation. Wenn der Sportchef hinter dem Rücken des Trainers versucht, den Assistenztrainer zum Boss zu machen, kann der Präsident ja kaum einfach zuschauen. Die NLZ weiss zudem auch, dass eine dicke Männerfreundschaft Teil des Problems ist: «Stäger war seine Freundschaft zu Trainer Markus Babbel wichtiger als das sportliche Wohl des FC Luzern.» Die NLZ empfiehlt das grosse Reinemachen: Stäger raus, Investor Marco Sieber raus, Babbel am besten auch gleich, und dafür den Roland Vrabec und am liebsten auch den Rolf Fringer wieder zurückholen. Schön markig wird dann der Tarif durchgegeben: «Tun es die Versager nicht aus freien Stücken [zurücktreten], müssen die Mächtigen beim FCL eingreifen.»

2. Enttäuschte Fans fordern alles Mögliche

Von Wut bis Verständnis – alles ist dabei

Fussballfans hocken bekanntlich nicht gern aufs Maul und wissen in der Regel immer, wirklich immer alles besser als ihr Club. Das ist auch beim FCL der Fall. Wobei: Es gibt solche, die nun auch (noch mehr) Köpfe rollen sehen wollen. Und solche, die auf Vernunft plädieren. Wobei Letztere doch recht deutlich in der Minderheit sind.

Zwei Beispiele von Fussballwutbürger-Kommentaren:

«Ich bin extrem brutal enttäuscht. Werde unter diesem Duo Infernale (Stäger/Babbel) kein Spiel mehr live im Stadion angucken. Und dies sollten alle Fans auch machen. Nur so kann diese Misswirtschaft und dieses Missmanagement zum Fall gebracht werden.» Weniger Fans im Stadion als Problemlösung? Interessanter Ansatz. Weil das nach der Pleitenserie nun ganz automatisch der Fall sein wird, werden wir die Wirkung bald erfahren.

«Die zentralsten Elemente im Spielaufbau und besten Spieler auf dem Platz auszuwechseln und dafür formschwache und arrogante Individualisten auf dem Platz zu lassen, ist einfach nur armselig. Stäger und Babbel sollten ihre sieben Sachen packen – und sich bei Fringer und Vrabec entschuldigen …» Sich bei den beiden Komplott-Schürern entschuldigen? Wäre zweifellos nett – aber unwahrscheinlich und doch eher nutzlos für den FCL.

Medienkonferenz nach dem Cup-Spiel: Man sieht Markus Babbel die Belastung an.

Medienkonferenz nach dem Cup-Spiel: Man sieht Markus Babbel die Belastung an.

(Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Aber die Babbel- und Stäger-Haters ernten im Internet immerhin auch ab und an Kritik.

«Ich sehe die Hauptschuldigen nicht in den Personen von Babbel und Stäger. Nein, viel mehr in den Personen von Rolf Fringer und Dani Wyrsch [NLZ-Journalist]. Es ist ja kein Geheimnis, dass der gute Rolf zu den Medien immer ein sehr gutes Verhältnis hatte.» Mit den guten Kontakten von Fringer zu den Medien hat dieser Fan sicher Recht. Trotzdem sollte dieser Umstand allein ja eigentlich nicht gleich einen Verein wie den FCL zu Fall bringen …

«Ich finde es lächerlich, die ganze Misere Markus Babbel anzulasten! Wer von all seinen Kritikern ist denn jeweils beim Training dabei? Der vermeintliche Messias Vrabec ist bei St. Pauli als Trainer im hohen Bogen rausgeflogen! Das ganze Theater und diese Unruhe haben Fringer und Vrabec verursacht!» Schöner könnten es Stäger und Babbel nicht sagen.

In den Fanforen finden sich auch immer ganz spezielle Trouvaillen. Dazu gehört sicher auch dieser Eintrag:

«Wir wollen jetzt endlich das FC-Luzern-Tattoo von Babbel sehen als Zeichen, dass er zum FC Luzern steht! Mit neuem Zweijahresvertrag war er noch nie länger Trainer einer Mannschaft. Also Babbel, wir wollen dein Tattoo sehen! Jetzt!!!» Genau! Tattoo her – am besten mit Quittung – und alle haben sich wieder lieb!

Kritik gab’s aber nicht nur von Fans am FCL. Sondern auch von Fans an Fans. Auslöser war ein Transparent mit dem Aufdruck: «Keine Leidenschaft, kein Herz – Versager», welches am Schluss des Spiels von einigen Stehplatzfans montiert wurde.

Wütende Fans informieren die FCL-Spieler über ihre Gefühlslage (Bild: Dominik Stegemann).

Wütende Fans informieren die FCL-Spieler über ihre Gefühlslage (Bild: Dominik Stegemann).

 

«Ach ja, ein fettes BRAVO an die Vollpfosten mit dem Transparent nach dem Spiel … psychologisch extrem wertvoll und gibt bestimmt Selbstvertrauen und Motivation für die kommenden, schweren Spiele!»

Zum Schluss noch ein Statement von einem Fan, der wohl vielen aus dem Bauch spricht. Das tönt dann zwar nicht so knackig, dafür wohltuend hoffnungsvoll.

«Das müssen wir jetzt durch! Weiterkämpfen und das Glück erzwingen! Irgendwann kommt die Wende, hoffentlich bald …»

Und bevor wir’s vergessen: Es gab ein Highlight am Cupspiel! Und zwar die unglaubliche Choreografie der FCL-Fans. Hat zwar leider nichts genützt, aber trotzdem: Danke!

Grossartige Choreo der FCL-Fans (Bild: Dominik Stegemann).

Grossartige Choreo der FCL-Fans (Bild: Dominik Stegemann).

 

3. Ratlose FCL-Verantwortliche

Verzweiflung und Duchhalteparolen

Den Medien gaben Spieler und FCL-Kader nach dem Cupspiel gegen Lugano reichlich angeschlagen Auskunft. Anbei ein paar Auszüge:

Markus Babbel: «Ich stehe in der Verantwortung und stelle mich der Situation. Ich bin von der Mannschaft überzeugt und fest gewillt, diese schwierige Prüfung zu bestehen.»

FCL-Verwaltungsratspräsident Philipp Studhalter: «Dem FC Luzern bläst ein rauer Wind entgegen, wir sind in unruhigen Gewässern unterwegs. Deshalb gibt es nur eine Devise: Wir stehen zusammen und fahren als Team auf unserem Weg weiter. Weder Markus Babbel noch Ruedi Stäger stehen zur Disposition. Wir haben Vertrauen in den Trainer, den Staff und die Mannschaft. Irgendwann werden wir den Erfolg anziehen.»

Weniger diplomatisch und hörbar aufgewühlter formulierten es die Spieler.

David Zibung: «Wir haben derzeit einfach die Scheisse an den Füssen kleben

Hekuran Kryeziu: «Es ist einfach scheisse!»

Jakob Jantscher: «Wir haben in vier Wochen alles verkackt, was man verkacken kann. Wir haben nach dem Rückstand gespielt wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen.»

Hinweis 1: Sie mögen den FCL? Wir auch! Lesen Sie HIER unsere bisherigen Reportagen, Porträts und Interviews.

Hinweis 2: Mehr Bilder vom Cup-Spiel finden Sie hier:

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5 Kommentare
  1. Tobias Bjornsen, 07.03.2016, 11:06 Uhr

    Viele Luzerner leben in einer Phantasiewelt und haben so hohe Erwartungen, dass diese zwingend immer wieder gebrochen werden. Das sieht man auch an der obigen völlig falschen Aussage: “Und was Rolf Fringer angeht, so gab es in den letzten Jahren keinen erfolgreicheren Trainer/Sportchef als ihn.” Fringer war alles andere als ein ausgebildeter Sportchef und bei den zwei letzten Engagements in Zürich und Luzern wurde er jeweils entlassen. Sicherlich ist er ein Sympathieträger und auch nicht unverdient. Es ist aber absurd, in ihm eine Retterfigur zu sehen, um für die viel zu hohen Erwartungen dann andere Sündenböcke zu suchen.

  2. Robert Casagrande, 04.03.2016, 16:44 Uhr

    Unglaublich und traurig ist man als Fan des FCL. Alle wollten sicher nur das Beste einige Enttäuschte und immer wieder Besserwisser laben sich an ihren Worten “Ich habe es ja immer gewusst”.
    Die Abwärtsspirale ist unglaublich und es dürfte wohl in Bern weitergehen. Der Blick will die Macht, die LZ ist sauer und Sie wollen die Köpfe die Sie seit Monaten wenn nicht Jahren fordern. Früher traf sich die Mannschaft in solchen Situationen, ging einen über den Durst saufen, leerte die Köpfe bei 2-3 Bier und warf sich gegenseitig vor warum passt Du mir nie, nur immer Dem, warum lässt Du deine Position immer wieder vakant, warum gibst Du nicht Alles etc. etc. etc.
    Früher kam man so, indem man alles auf den Tisch legte aus dem Tal heraus. Für mich darum dieser Rat an die Mannschaft. Aber eben dies ist nur der Rat eines alten FCL Fans. Nur die Spieler können es drehen nicht der Sportchef, nicht der Präsident und schon gar nicht die angesprochenen Miesmacher Medien. Hopp Lozärn

  3. Franz Pfoster, 04.03.2016, 12:53 Uhr

    Von Seiten des Präsidenten wird erzählt, Rolf Fringer habe versucht, hintenrum Rolf Vrabec als neuen Cheftrainer auf die neue Saison zu installieren. Ich frage mich nur wie das gehen sollte? Die Entscheidungsbefugnis liegt ja wohl beim Verwaltungsrat oder der gesamten Geschäftsleitung und lag nicht bei Rolf Fringer allein. 
    Anscheinend hat wohl der Vorschlag des Sportchefs, dies wäre aus seiner Sicht die bessere Variante als mit Babbel zu verlängern beim Präsidenten dessen Empörung bewirkt, weil Fringer nicht auf des Präsidenten Freund gesetzt hat. Anders lässt sich diese Massnahme nicht erklären….die Aufgabe eines Sportchefs ist das Beste für den Verein auszuloten und entsprechende Vorschläge zu machen..oder täusche ich mich in diesem Fall so gewaltig???

  4. Markus Mathis, 04.03.2016, 08:48 Uhr

    Der Fisch stinkt vom Kopf her – und das gilt nicht nur für die NLZ, sondern auch für den FCL. Normalerweise ist ein Sportchef verantwortlich dafür, dass es sportlich läuft und die richtigen Trainer die Mannschaft betreuen. Dabei hat er in seiner Funktion eine Halbwertszeit von mind. 4-5 Jahren. Und ein Präsident sollte der starke Mann im Verein sein, der in Krisen nicht zur Disposition steht wie ein Sportchef. Beim FCL ist das alles anders und nicht erst seit dem angeblichen Komplott. Das Problem liegt in der Holding. Und was Rolf Fringer angeht, so gab es in den letzten Jahren keinen erfolgreicheren Trainer/Sportchef als ihn. Frage mich allerdings, ob der sportliche Erfolg vor lauter Männerfreundschaften und -feindschaften sowie formalen Führungsfragen unwichtig geworden ist.

  5. ivan rösch, 04.03.2016, 06:29 Uhr

    Als Fan des Fc Luzern hat man grosse Geduld und viel Nerv. Doch was im Moment abgeht, dreht einem den Magen um.
    Bilanz der Rückrunde:
    – Entlassung Sportchef
    – Entlassung Co-Trainer
    – 5 Spiele / 5 Niederlagen
    – Torverhältnis 3:11
    – Super League Tabelle von 4 auf 7

    Meine Frage ist nun.
    Wo liegt die Quelle des Übels.
    So viel Spieler, Trainer, Co-Trainer, Sportchefs und Präsidenten die in den letzten 10 Jahren kamen und gegangen wurden, liegt meines Erachtens die Quelle an einem anderem Ort.
    Könnte es der Verwaltungsrat sein?
    Auf diesen Stühlen sitzen seit Jahren die gleichen Herren.
    Seit Jahren haben wir die gleichen Probleme.
    Dazu kommt das der “Sportjournalist” der nlz mit seinen Spekulationen und ewigen Falschaussagen zusätzlich immer Öl ins Feuer giesst.
    Nun dies sind meine Spekulationen und Thesen.
    Schön würde ich es finden wenn der VR mal ZUSAMMEN klare Ziele für die nächsten 5 Jahre präsentiert.