Kultur
Vier Kids aus Ebikon erzählen

Luzerner Dok-Film beleuchtet Notendruck – in neuer Fassung

Der Dokumentarfilm stellt vier Kinder einer Primarklasse ins Zentrum. Darunter auch Sven, der mit schlechten Noten zu kämpfen hat. (Bild: Screenshot Film / Voltafilm)

Schulnoten sind ein wichtiger Bestandteil des Schulalltags. Das fällt nicht allen leicht. Ein Luzerner Regisseur hat für einen Dokumentarfilm vier Kinder aus Ebikon begleitet – und baut sein Werk jetzt noch aus.

Am 22. August bimmeln im Kanton Luzern wieder die Schulglocken. Dann geht es für rund 24’000 Kinder zurück ins Klassenzimmer. Während für viele Schüler einfach ein weiteres Schuljahr anbricht, beginnt für andere ein neuer Lebensabschnitt. Beim Übergang von der Primar- in die Oberstufe.

Der Luzerner Filmemacher Luzius Wespe (zentralplus berichtete) hat für seinen Dokumentarfilm «Mein Leben und der Notenschnitt» vier Schulkinder aus Ebikon drei Semester lang während dieser Übergangsphase begleitet. Er dokumentierte ihren Schulalltag, den Notendruck und ihre privaten Sorgen und Wünsche.

Die Schule als Filmsujet

Das Thema Schule und Noten berührt, haben wir doch alle einen Bezug dazu. Schliesslich hat wohl jeder im Schulalltag schon eine Prüfung versemmelt. Auch der Luzerner Filmemacher Pablo Callisaya hat sich mit seinem Film «Durch Schnitt» mit der Thematik beschäftigt. Dort wird mit Robin Scherer ein erwachsener Schulabbrecher porträtiert, der durch alle Maschen fiel, aber auch ohne Abschluss eine Karriere hinlegte. (zentralplus berichtete).

«So einen Film kann man nur drehen, wenn ein Vertrauensverhältnis besteht.»

Luzius Wespe

Wespe bleibt hingegen in der schulischen Gegenwart. Seine Kamera ist auf die vier Kids gerichtet, zwei Mädchen und zwei Jungs – alle aus derselben Klasse des Primarschulhauses Höfli in Ebikon.

Mara möchte unbedingt Tierärztin werden und kalkuliert ihren Schnitt präzise nach jeder Prüfung neu. Sven hingegen hat Mühe mit der Konzentration und dem Lernen. Ihm droht der «Abstieg» ins Niveau C. Imran hingegen wird von seinen Eltern mit einem Batzen pro guter Note motiviert, während Florina mit sich hadert, ob die Kanti tatsächlich der richtige Weg wäre.

Der Filmemacher Luzius Wespe ist Mitinhaber der Voltafilm in Luzern und Co-Präsident des Vereins «Film Zentralschweiz». (Bild: zvg)

Dreharbeiten brauchten Fingerspitzengefühl

Das gegenwärtige Schulsystem soll laut Wespe nicht das Thema des Filmes sein. «Hätte ich mich nur darauf konzentriert, weiss ich nicht, ob es ein spannender Film geworden wäre.» Aber man sieht, wie sich das System auf die Schülerinnen auswirkt. «Mir ging es um die Kinder und wie sie mit ihren Noten umgehen», so der Luzerner Regisseur.

Das brauchte viel Vertrauen – von beiden Seiten. «So einen Film kann man nur drehen, wenn ein Vertrauensverhältnis besteht.» Und wenn man sich auf Augenhöhe begegnet. Im übertragenen wie auch im filmischen Sinn – Luzius Wespes Kamera filmt die Kinder nicht von oben herab, hält die Welt aus ihrer Sicht fest. Damit seine vier Darsteller ein Gespür für den Filmdreh bekamen, hat er mit ihnen im Vorfeld eine Woche lang einen Filmkurs durchgeführt.

Die rund eineinhalb Jahre andauernden Dreharbeiten haben Regisseur und Protagonistinnen samt Familie zusammengeschweisst. «Man lernt sich natürlich besser kennen, sitzt auch mal gemeinsam am Esstisch und plaudert.»

Zurück an den Schnittplatz

Der vom SRF mitunterstützte Film wurde ursprünglich als 50-minütiger Dokumentarfilm im Mai 2021 im Fernsehen ausgestrahlt – und hat einen Nerv getroffen. «Wir haben viele positive Rückmeldungen erhalten», erinnert sich Wespe.

Vom Support motiviert, hat er sich nun dazu entschlossen, den Film auszubauen. «Ich hätte es schade gefunden, wenn der Film nach seiner Ausstrahlung in einer Schublade verstaubt.» Wespe hat damals sehr viel Material. Vieles davon hat es nicht in die 50 Minuten lange Fassung geschafft.

Deshalb hat er sich noch einmal mit seinem Editor Stephan Heiniger von Voltafilm an den Schnittplatz gesetzt und «Mein Leben und der Notenschnitt» auf eine Lauflänge von 77 Minuten erweitert. «Grundsätzlich sagt man beim Film: Weniger ist mehr.» Jetzt aber wirke der Film ruhiger und runder, findet Wespe.

Dok-Film wird zum Unterrichtsmaterial

Eine reguläre Kinoauswertung strebt Wespe jedoch nicht an. «Der Film wird allerdings im Rahmen von Schulaufführungen gezeigt.» Er biete eine gute Gesprächsgrundlage für Kinder, Eltern und Lehrer, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und die eigenen Stärken und Schwächen zu reflektieren. «Die Kinder können sich mit dem Geschehen identifizieren, haben einen Anhaltspunkt für Gespräche.» Auch ein ergänzendes Lehrmittel wurde dazu entwickelt.

Auf der grossen Leinwand wird der Streifen jedoch im Rahmen des Open-Air-Kinos Luzern am 15. August zu sehen sein. Danach flimmert er am 19. August via SRF und Stream über die heimischen Bildschirme.

Fortsetzung ist bereits beschlossene Sache

Für Luzius Wespe ist das Thema damit noch nicht abgeschlossen. Im Gegenteil. Derzeit arbeitet er an einer Fortsetzung. «Mit drei der vier Kinder mache ich weiter und begleite den nächsten Schritt von der Schule ins Berufsleben.» Läuft alles nach Plan, sollte der neue Film Ende 2024 seinen Abschluss schaffen.

Verwendete Quellen
  • Telefongespräch mit Regisseur Luzius Wespe
  • Website zum Film
  • Film «Mein Leben und der Notenschnitt»
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