27-Jahr-Jubiläum mit Buch und Best-of-Album

Dada Ante Portas: «Wer keine Band gründet, ist wahnsinnig»

Pee Wirz (links) und Luc Bachmann von Dada Ante Portas in der Bruchstrasse. (Bild: jdi)

Die besten Geschichten aus weit mehr als 1001 Nächten sind niedergeschrieben im Buch von Dada Ante Portas, das sie nächsten Freitag zusammen mit einem Best-of-Album veröffentlichen. Im Interview mit zentralplus erzählen Sänger Pee Wirz und Gitarrist Luc Bachmann die Storys, die nicht im Buch stehen.

Fast drei Jahrzehnte umfasst die Bandgeschichte der Luzerner Pop-Rock-Band Dada Ante Portas. 27 Jahre lang haben sich die Musiker mit über 600 Konzerten im In- und Ausland, neun Alben und etlichen Radiohits in die Gehörgänge ihrer Fans gespielt.

Das Best-of-Album mit dem dazugehörigen Buch, das die Geschichte der Band auf 72 Seiten erzählt, kann ab Freitag gekauft werden. Am Tag darauf feiert Dada Ante Portas Plattentaufe in der Schüür.

zentralplus: Wieso sollte man sich eure Plattentaufe nicht entgehen lassen?

Pee Wirz: Für das Konzert in der Schüür haben wir ein paar ganz spezielle Gäste eingeladen. Ehemalige Bandmitglieder und Weggefährten, die uns über all die Jahre begleitet haben. Zum Beispiel Andreas Ahlenius, der uns in Stockholm produziert hat. Das wird ein ganz spezieller Abend.

Luc Bachmann: Abgesehen von Mothers Pride und den Möped Lads gibt es in Luzern nicht mehr viele wie uns. Wir sind zu Denkmälern geworden – so wie die Kapellbrücke. Wir hatten ganze 27 Jahre Zeit, um gut zu werden.

zentralplus: Mothers Pride sind ein gutes Stichwort. Sie haben an einem Heimspiel des FC Luzern auf der altehrwürdigen Allmend gespielt, Henrik Beldens Stadionhymne «Met em blau-wiisse Schal» wird alle zwei Wochen von 10’000 Fans gesungen. Mögt ihr den FCL nicht?

Wirz: Doch, doch. Mich interessiert der FCL einfach nicht so sehr. Ich schaue lieber Skirennen. Aber mich freuts, wenns dem FCL gut läuft. Einfach, weil ich Luzerner bin.

Bachmann: Ich würde mitgehen, wenn mich jemand fragen würde. Aber mein Umfeld ist zu selten im Stadion.

zentralplus: Ihr seid viel herumgekommen. Wo würdet ihr denn gerne noch hin, wenn nicht ins Stadion des FCL?

Bachmann: Gerne auf eine Nightliner-Tour. So wie damals in Deutschland.

Wirz: Ich würde gerne nach Kalifornien und dort ein Album aufnehmen. Ein bisschen surfen, ein bisschen «hängen», ein bisschen Musik machen.

Bachmann: Oder irgendwo im Nirgendwo in Rumänien ein Haus mieten und dort ein Album aufnehmen?

zentralplus: Dort entstünde wohl nicht nur Material für neue Platten, sondern auch die eine oder andere Story für das nächste Buch von Dada Ante Portas. Welche Geschichte hat es am knappsten nicht zwischen die Buchdeckel geschafft?

Wirz: Wir spielten mal am «Moon and Stars» in Locarno. Zwei Minuten nach Konzertbeginn mussten wir abbrechen. Es regnete direkt in die Bühne herein. Resigniert fuhren wir zurück in die WG, wo wir untergebracht waren, um dort bis spät in die Nacht hinein unsere Instrumente mit dem Föhn zu trocknen. Ein paar davon konnten wir dann bei der Show am nächsten Tag wieder benutzen – die anderen waren kaputt.

zentralplus: Ein Leser meinte, eure Zeit sei vorbei. Bei eurem Label stünden nur noch Bands alter Schule unter Vertrag – oder irgendwelche seichten Singer-Songwriter. Hat er recht?

Bachmann: Wir sind nicht mehr die junge, «freshe» Band, das ist klar. Wir gehen auf die 50 zu. Dabei stellt sich sicher auch die Frage, wie lange wir das noch weiterziehen können. Vielleicht 20 Jahre. Vielleicht nimmt es schon früher einen. Sowieso: Mit 50 hip sein zu wollen, wäre doch lächerlich. Aber solange ein paar Leute uns noch sehen wollen, machen wir weiter.

zentralplus: Sehen wollten euch schon bei eurem allerersten Konzert in der heutigen Kulturmühle Horw so viele Leute, dass das Lokal ausverkauft war. Ihr habt den Spagat zwischen absurd anmutendem Dadaismus und eingängigem Pop-Rock gewagt – was auf Anhieb funktionierte. War das Kalkül oder pures Glück?

Wirz: So weit haben wir damals gar nicht überlegt. Wir haben den Pop-Rock-Sound gespielt, den wir mochten. Das mit dem Dadaismus war dann eine Idee von ein paar zu vielen. Es gab Fans, die haben Dada gefeiert, andere eher den Pop. Die Schnittmenge war klein.

Bachmann: Ich wollte damals eigentlich aufhören mit der Musik. Aber mich als Literatur-Liebhaber hast du, Pee, mich mit dem Dada-Ding herumgekriegt.

Wirz: Hingegen liefen uns im Wallis die Leute beim Konzert davon. Dada ist halt schräg.

Bachmann: Wir haben es geschafft, zu schockieren. Damit war das Ziel erreicht.

zentralplus: Wie hat die Rockszene auf euch reagiert? Hat sie die Nase gerümpft ob eures Pop-Einschlags?

Wirz: Definitiv. Vor allem am Anfang. Zwar war «3FACH» das erste Radio, das uns gespielt hat. Aber als wir dann irgendwann zum Major-Label «Warner Music» gegangen sind, fanden das gewisse Leute in der Szene überhaupt nicht cool. Überall, wo wir spielten, kamen wir gut an. In Luzern gab es aber auch diesen Gegenpol.

zentralplus: Mit dem kommerziellen Erfolg kamen sicher auch die Überlegungen, alles auf die Musik zu setzen.

Wirz: Von der Musik leben zu können, war sicher ein Ziel, das wir – vielleicht nicht alle im selben Masse – erreichen wollten. Es hätte wohl auch knapp geklappt. Wir beide haben mal zusammengewohnt. Die Budget-freundliche Variante für das Abendessen war damals: ein grosser Sack Hörnli und «Ketchup-Sauce». Wir waren alle Lehrer und haben immer wieder Stellvertretungen gemacht, bis wieder genug Geld da war, um eine Zeit lang nur noch Musik machen zu können.

Bachmann: Ich habe damals noch studiert und war «Journi». Ich lebte preiswert wie ein Meerschwein. Die 3-Zimmer-WG an der Horwerstrasse kostete 500 Franken. Die Heizung funktionierte einfach nicht sonderlich gut. Geld kam nicht nur von bis zu 70 Konzerten im Jahr rein, sondern auch durch das Spielen unserer Musik in den Radios oder die Plattenverkäufe, die vor Spotify und Co. noch lukrativ waren.

Pee Wirz (links) und Luc Bachmann in der Bruchstrasse wenige Tage vor der Plattentaufe in der Schüür – und kein bisschen nervös.

zentralplus: Zumindest finanziell dürfte eure Tour durch China nicht wirklich lukrativ gewesen sein. Wie kam es zu diesem Abenteuer?

Wirz: Über «Myspace» kontaktierte uns ein junger, chinesischer Booker. Ohne viel Konkretes zu erwarten, sagten wir ihm, er könne gerne ein paar Konzerte klarmachen. Er organisierte uns eine Tour mit 15 Gigs in 21 Tagen. Als Tourmanager begleitete er uns durch ganz China und war gegen Ende so kaputt, dass wir ihn bei unseren Soundchecks auf irgendwelchen Couches vor sich hin dösen sahen.

Bachmann: Ich kann mich an die Show erinnern, die wir in der Aula der Universität dieses Bookers gespielt haben. Wir fühlten uns fast ein bisschen wie die Beatles. Der Rektor forderte die 700 Studenten nach dem Konzert auf, nach Hause zu gehen. Doch sie warteten vor der Uni und liessen sich ihre Dada-Ante-Portas-CDs signieren.

zentralplus: Inzwischen lasst ihr euch mit der Aussage «Der Rock ’n’ Roll liegt im Sterben» zitieren. Ist das der Anfang eures Endes?

Bachmann: Gitarrenmusik ist halt einfach nicht mehr in. Gleichzeitig ist sie auch zu geil, um nicht mehr wiederzukommen.

Wirz: Es gab in der Musik schon immer diese Wellenbewegungen. Ich finde aber, dass die aktuelle Welle schon ein bisschen sehr lang anhält. Im Radio klingt die Musik seit 15 Jahren sehr künstlich. «Compi-Songs» statt echter Instrumente.

Bachmann: Ich wundere mich immer wieder: Wieso gründen Teenager kaum noch Bands? Man erlebt so viel. Es ist lustig, es entstehen Geschichten ohne Ende. Wer sich das entgehen lässt, ist wahnsinnig.

Am Freitag, 21. April, erscheinen das Best-of-Album und das Buch von Dada Ante Portas. Am Samstag, 22. April, feiert die Band in der Schüür Plattentaufe.

Verwendete Quellen
  • Persönliches Gespräch mit Pee Wirz und Luc Bachmann von Dada Ante Portas
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