Isa, garantiert kompliziert Kolumne

Fragen vor dem ersten Kuss: Warum das verdammt gut ist

  • Lesezeit: 4 min
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  • Isa, garantiert kompliziert
Soll man fragen, bevor man jemanden küsst? Nicht unbedingt – falsch ist es aber sicherlich nicht. (Illustration: Mike Bislin)

Voll cringe und unerotisch: Vor dem ersten zu fragen, ob man das Gegenüber küssen darf, finden viele ziemlich daneben. Warum unsere Gesellschafts-Redaktorin Isabelle Dahinden die Kuss-Frage richtig gut findet.

«Komm mal her», sagt er, zieht sie zu sich, schaut ihr auf die Lippen. «Was sagst du … zu einem

Sie beugt sich zu ihm, er beugt sich zu ihr. Sie küssen sich. Mit Zunge. «Soooo cute!», sage ich. Und höre Würgegeräusche von der Kollegin nebenan. Wir haben da neulich mal wieder «Der Bachelor» geguckt. Und da fragt doch tatsächlich der Bachelor seine Auserwählte beim gemeinsamen Bädele im Pool, was sie eben von einem Kuss halte.

Unverständnis fürs Einverständnis

«So cringe», sei das, so meine Kollegin. Verdammt unromantisch. «Der macht ja voll die Stimmung kaputt mit dieser doofen Frage. MACH DOCH EINFACH!!» Mit dieser Meinung ist meine Kollegin nicht alleine. Dass der Bachelor erst um Einverständnis fragte, hat in den sozialen Medien für viel Unverständnis gesorgt.

Ich räusperte mich, drückte auf die Stopp-Taste der Fernbedienung und stellte doch tatsächlich noch mein Prösi-Glas auf den Tisch vor uns. Es war mir verdammt ernst. Ich setzte zu einer zehnminütigen Rede an. Lautstark verteidigte ich die Frage des Bätschi und erklärte, warum das eben grade überhaupt nicht cringe war. Sondern eben richtig gut.

Ein Kuss bahnt sich an

Warum nicht fragen vor dem ersten Kuss? Klar: Körpersprache, Mimik und Gestik sagen alles. Ein Kuss bahnt sich an. Intensiver und langer Blickkontakt, die Pupillen weiten sich, dieses Ziehen in der Brust, beide suchen die Nähe des anderen: In der Regel weiss man ja, ob man das Gegenüber küssen will und ob das Gegenüber dich küssen will. Und wir alle wollen schliesslich von jemanden geküsst werden, der sich der Sache sicher ist – doch genau das kann man mit einer Kuss-Frage davor machen. Verdammt: und wie.

In meinem Leben wurde ich bis jetzt einmal mit der Kuss-Frage konfrontiert. Es war eines dieser Dates, in denen wir diese – für andere scheinbar obligaten, für mich total nervigen – Fragen fürs erste Date beiseite liessen. Wie, was man so tut, was man so suche, Kinder ja oder nein, oder ob man eher der Waschmittel-Gel oder -Pulver-Typ ist. Stattdessen sprachen wir über Judith Butlers «Das Unbehagen der Geschlechter», warum unsere letzten Beziehungen scheiterten, die totgeschwiegene männliche Lust und darüber, wie die skandalöseste Boulevard-Titelbildgeschichte von einem selber lauten würde.

Küssen – ja?

Zwölf Stunden – ohne Lügen – sassen wir einfach nebeneinander, redeten und diskutierten, assen und tranken. Millimeter für Millimeter rückten wir unsere Stühle näher – erst noch vis-à-vis am Tisch, sassen wir am Ende Armlehne an Armlehne so da. Die Blicke wurden tiefer, wir lächelten uns an, guckten auf die Lippen des andern. Bis er dann eben sagte: «Sorry, aber ich will dich jetzt endlich küssen … ja?» Hach. Und dann küsste ich ihn.

Ich schwör: War das jetzt etwa «krass unerotisch»? Geht’s eigentlich noch zaghafter? WARUM HAT ER ES DAMMISIECH NOMOL DENN NICHT EINFACH GEMACHT?

Konsens ist selbstverständlich – fragen erlaubt 

Jesus. Seit wann soll es eine Schwäche sein, zu fragen, was das Gegenüber will, bevor man tut, was man selbst will? Konsens einzuholen? Sich zu vergewissern, was das Gegenüber will, und zu äussern, was man selber will? Warum soll das voll cringe sein, die Stimmung kaputt machen? WIESO MACHT DER DENN NICHT EINFACH? Dammiesiechnomol.

Erst abzuchecken, was das Gegenüber will, ist Konsens. Konsens heisst, die Selbstbestimmung des andern zu anerkennen. Konsens ist nicht sexy, Konsens ist normal. Viel zu viele von uns haben schon schmierige Anmachsprüche erlebt, wurden betatscht, haben die Lippen eines andern auf unseren Mund gedonnert gekriegt. Warum also nicht zuerst fragen? Kommunizieren, was man will – und was das Gegenüber will?

Ich find es nicht nötig, vor dem Küssen zu fragen, wenn Körpersprache und Mimik so offensichtlich sind. Davor zu fragen, ist aber sicherlich nicht falsch. Sondern kann eben auch richtig gut sein. Weil man dann eben nicht nur nonverbal zeigt, was man will. Und das kann übrigens verdammt heiss sein. Wenn denn eben alles andere passt.

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