Schamloses Schlüpfer-Scheusal

Der üble Unterwäscheskandal im Tribschenquartier

Was wohl Isa jetzt wieder umtreibt? (Bild: Mike Bislin)

Seine Nachbarn kann man sich nicht aussuchen. Leider. In der neuen «Isa, garantiert kompliziert»-Kolumne gehts um einen Dessousdieb im Tribschen.

Es gibt einige Dinge, die man besitzt und denen man nach einem Verlust nicht hinterher trauern würde. Guten Vorsätzen, unglücklichen Beziehungen und HPV beispielsweise. Unterhosen gehören nicht dazu.

Bekanntlich bin ich semi-begeistert vom Tribschenquartier (zentralplus berichtete). Einerseits ist es da ruhig und grün, andererseits hat sich die Luzerner Bourgeoisie in jenem Stadtteil niedergelassen. Und: Im Tribschen geschehen sonderbare Dinge. Insbesondere in der Waschküche meines Wohnblocks.

Im Tribschen hats jemand auf Damenunterwäsche abgesehen

So staunte ich nicht schlecht, als ich vor ein paar Wochen Wäsche wusch. Ich bugsierte meine Unterwäsche neben Pullis und Hosen in die Waschmaschine, nahm alles raus und hängte alles in der Waschküche an eine freie Leine. Einen Tumbler gibt’s nicht. Dafür einen Raum, in dem eine grosse Blasmaschine an der Wand montiert wurde, welche die Wäsche trocken bläst.

Als ich Tags darauf die Wäsche holte, waren sämtliche Unterhosen weg. Erst dachte ich, vielleicht fange dies mit dem Senilwerden jetzt langsam an. Eine Freundin diagnostizierte Verhühneritis, eine andere meinte, ich solle doch mal in den Untiefen der mitgewaschenen Fixleintücher nachforschen.

Doch die Unterwäsche blieb unauffindbar.

Zwei, drei Wochen später wusch ich erneut. Zwei Tage später lief ich tiefenentspannt nach einem Wellnesstag die Treppen Richtung Waschkeller runter. Doch wie leergefegt war jene Wäscheleine, die voll mit meinen Unterhosen und Büstenhaltern war. Um die 15 Unterhosen waren es. Verschwunden. Weg. Beehren nun ein anderes Füdli. Spätestens jetzt wusste ich: Hier treibt ein Unterwäschedieb sein Unwesen.

Von Sammlern und Unterhosenvertickern

Mit diesem Kuriosum fingen die Fragen an. Wer ist dieses schamlose Schlüpfer-Scheusal? Trieb die Inflation eine Mitbewohnerin desselben Hauses dazu, sich mit meiner Unterwäsche einzudecken? Steckt ein pubertierender Teenie hinter dem Diebstahl, der die Damenunterwäsche jetzt auf dem Pausenplatz vertickt? Oder – der unangenehmste aller Gedanken – wohnt tatsächlich ein Unterhosenschnüfler beziehungsweise sammler im selben Block wie ich?

Ekel und Wut kochten in mir hoch. Wären Socken oder gar einige meiner Lieblingspullis verschwunden, wäre ich vielleicht einfach ein bisschen hässig. Sich an meiner Unterwäsche zu vergreifen, lässt mich mit einem unsicheren Gefühl zurück. Schliesslich liegt jetzt etwas von meinem Intimsten in fremden Händen.

Auch mein Umfeld konnte es kaum fassen. «Ui-ui-ui», sagte mein Vater, «unheimlich» die eine, «krank» die andere Freundin. «Klingt echt verrückt», sagte die Verwaltung, «Baby, ich kauf dir einfach neue» ein daraufhin von mir geghosteter Bumble-Match. Ein Kollege schickte mir das Bild eines ausgeleierten Schlüpfers, den er bei sich im Treppenhaus gefunden hat.

Konfliktbewältigung: Türschletzen

In meinem Kopf ratterte ich mögliche Lösungsvorschläge durch. Sollte ich selbst ein Aufklärungskommando initiieren, da die Polizei wohl kaum nach gestohlenen Unterhosen fahndet? Der Diebin eine Falle stellen? Neue Unterhosen mit ätzenden Stoffen besprayen, auf der Wäscheleine präsentieren und darauf hoffen, dass dies den Täter von künftigen Wäscheklaus abschreckt? Oder allen Nachbarn eine Karte in den Briefkasten legen, mit den aufdringlichen Worten, ob ihnen die Damenunterwäsche gefällt?

Ich entschied mich für die klassische Nachbarschaftskonfliktbewältigung: Den Aggro-Zettel. Schnaubend – und vor Wut und Ekel weinend – knallte ich am späten Sonntagabend die Türen zu und stapfte die Treppe zu meiner Wohnung hoch. Mit dem dicksten Stift, den mein Etui hergab, kritzelte ich auf ein Blatt Papier hässige Wörter. In Versalien. Doppelt unterstrichen. Mit vielen Ausrufezeichen. Darunter: «Das ist Diebstahl!, und: «Sonst P O L I Z E I !!»

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5 Kommentare
  • Profilfoto von Maya
    Maya, 06.02.2024, 22:36 Uhr

    Liebe Isabelle
    Die heutige Generation will ja aufs Klima achten, warum trocknest du deine Wäsche nicht an einem Ständer in deiner Wohnung?
    1. Für das Klima gut.
    2. Brauchst du dann keinen Luftbefeuchter.

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  • Profilfoto von Reuss Wolfgang
    Reuss Wolfgang, 04.02.2024, 16:20 Uhr

    Hahaha, «Trieb die Inflation eine Mitbewohnerin» oder trieben die Triebe einen Mitbewohner?
    ISA – das schöne Plakat: Zuerst dachte ich, es gehe um die gleichnamige Unterwäschefirma. Inzwischen kapierte ich (Nomen est Omen?), dies ist eine Redaktorin. Ein Schreibstil, der mir aus dem Herzen spricht. Wunderbar. Ich werde sogleich alle Texte von ihr lesen.

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  • Profilfoto von Seppi
    Seppi, 04.02.2024, 08:59 Uhr

    Ich lasse meine Unterhosen auf einem Stewi auf meiner Terrasse trocknen.

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    Roli Greter, 03.02.2024, 20:33 Uhr

    Das passierte im Neustadtquartier auch, da war es eine osteuropäische Mitbewohnerin eines Nachbarn, die sich schlicht keine eigene Unterwäsche kaufen wollte. Die war ziemlich schnell wieder aus dem Haus.

    Eine Anzeige bei der Polizei wäre übrigens das richtige und zielführende Vorgehen. Oftmals sind es die neuen Nachbarn, das passierte ja früher nicht 😉

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  • Profilfoto von Hegard
    Hegard, 03.02.2024, 12:16 Uhr

    Das ist ein altes Pubertäts-Phänomen und kommt nicht nur im Tribschenqartier vor!

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