Isa, garantiert kompliziert
Isa, garantiert kompliziert

Hört auf zu glotzen – das Kleid wird deswegen nicht kürzer

Was wohl Isa jetzt wieder umtreibt? (Bild: Mike Bislin)

Regelmässig gibt Gesellschaftsredaktorin Isabelle Dahinden in ihrer Kolumne persönliche Einblicke in ihr Leben – und in ihren komplizierten Alltag. Heute darin, wie unangenehm es ist, «angegeiert» zu werden.

«Ehres Chleidli werd imfall ned chörzer, nor welld so glotzisch.»

Der sass. Fand ich zumindest. Hat aber leider nix geholfen.

Mein Catwalk war der Gang aus der Dönerbude. XXL-Sonnenbrille auf meiner Nase, das Haar lockig und wild, stolzierte ich – im Takt zu Beyoncés «Who run the World? Girls!», das aus den Boxen dröhnte – in meinem Blumenkleid aus dem Laden und liess einen Hauch meines «La vie est belle»-Parfüms hinter mir.

Die Realität sah eher so aus: Leicht lädierter Blick, verkatert und deswegen durch die Strassen Luzerns kriechend bis schlendernd, ach ja: und Yoghurt-Saucenreste an meinem Mundwinkel und duftend nach Zwiebeln lief ich da also hinaus, als da eben dieser Mann stand.

An die Motorhaube lehnend, Zigarettenstummel im Mund, glotzte er mich an. Ziemlich fest. Eindringlich. So sehr, dass meine Freundin Ingrid ihn anzischte, mein knielanges Kleid löse sich durchs Angaffen nicht in Luft auf. Hielt ihn jedoch nicht vom Glotzen ab.

Diesem Phänomen habe ich einen Namen gegeben: «geiern». Wenn einer penetrant gafft. Nicht selten wird nicht nur geglotzt, sondern dazu gepfiffen, gejohlt – das wäre dann Catcalling at its best.

Menschen geiern und mutieren meiner Meinung nach wirklich zu den gefiederten Greifvögeln. Starrer Blick, seltsam geformter Hals, um das Objekt der Begierde noch intensiver, grusliger und eben eindringlicher zu begutachten.

Das ist nicht wirklich angenehm. Durch geiernde Blicke fühle ich mich dann so … ausgezogen. Nackt. Denn: Gucken ist okay. Man kann auch länger schauen, wenn etwas seltsam schön oder verstörend ist. Niemand ist gerne Luft – man will ja auch nicht von anderen auf der Strasse umgerannt werden, weil man nicht gesehen wurde. Nur: Zu lange sollte man nicht gucken – beziehungsweise penetrant und eindringlich glotzen.

Nun: wie reagieren? Am besten anfauchen und vor die Füsse rotzen. Oder gleich ein klares Statement eingravieren. Imponiert hat mir ein Tattoo, das ich als Teenie einst als Arschgeweih tätowiert an einer jungen Frau sah. Dazu die gestochenen Worte: «Ich habe auch Augen, du Arsch.» Und ja, auch ich habe geguckt.

Denn – Überraschung: Auch Frauen gucken gerne. Ich zumindest. Aber ich geiere nicht.

Deine Ideefür das Community-Voting

Die Redaktion sichtet die Ideen regelmässig und erstellt daraus monatliche Votings. Mehr zu unseren Regeln, wenn du dich an unseren Redaktionstisch setzt.

Deine Meinung ist gefragt
Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert. Bitte beachte unsere Netiquette.