Düstere Bilanz der Schifffahrt im Kanton Zug – mit Lichtblicken
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Die Schifffahrtsgesellschaften des Kantons Zug können auf einen relativ erfolgreichen Herbst 2020 zurückblicken. (Bild: Ägerisee Schifffahrt AG)

Nur halb so viele Passagiere Düstere Bilanz der Schifffahrt im Kanton Zug – mit Lichtblicken

4 min Lesezeit 06.11.2020, 11:26 Uhr

Nach massiven Einbussen im Zuge der Corona-Krise mussten die Schifffahrtsgesellschaften im Kanton Zug die Saison frühzeitig beenden. Der Geschäftsführer findet im Krisenjahr aber auch Positives – zum Beispiel, dass niemand entlassen werden musste.

Im Frühling haben die beiden Zuger Schifffahrtsgesellschaften, die Schifffahrtsgesellschaft für den Zugersee AG (SGZ) und die Ägerisee Schifffahrt AG (AeS) ihre Schiffe auf Vordermann gebracht. Alles war bereit: die Event- und Gastronomiepartner, der See, die Crew und die Schiffe. Dann stachen die ersten Schiffe in See, um die Sonntags-Brunchfahrten anzubieten – mit Erfolg, wie die Schifffahrtsgesellschaften in einer gemeinsamen Mitteilung schreiben.

Doch dann kam der Lockdown. Die Kursfahrten konnten somit nicht mehr durchgeführt werden. Erst im Juni durften die Schiffe ihre regulären Kurse fahren. Nach einem sonnigen Frühling folgte ein regnerischer Juni, der den Betreibern des Schiffnetzes auf dem Zuger- und dem Ägerisee das Leben nicht leichter machte (zentralplus berichtete). Dennoch kamen viele Kunden zurück an Bord und genossen eine Fahrt quer über das Wasser. Insbesondere gegen Ende des Sommers ist eine positive Tendenz mit steigenden Frequenzen verzeichnet worden.

Hälfte der Gäste bleibt aus

Doch unter dem Strich ist die Bilanz ernüchternd: Während die SGZ im letzten Jahr über 94’000 Gäste zählte, waren es heuer gerade noch knapp 46’000 Mitreisende an Bord der Schiffe auf dem Zugersee.

Das ist ein Rückgang von 51.1 Prozent, wie es in der Mitteilung heisst. Auch auf dem Ägerisee sieht es nicht so rosig aus: Ein Rückgang von 40.3 Prozent bei den Besucherzahlen musste auch bei der AeS festgestellt werden. So sollen dieses Jahr etwas mehr als 11’000 Personen auf einem Schiff der Schifffahrtsgesellschaft mitgefahren sein. Im letzten Jahr waren es noch fast 19’000 Gäste.

«Viele unserer Mitarbeitenden sind auch in anderen Jobs innerhalb des Unternehmensverbundes der Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB) einsetzbar.

Wie gross ist der Einbruch finanziell, den die beiden Schifffahrtsgesellschaften erleiden? «Konkrete Zahlen können wir noch keine nennen. Eine Aussage machen können wir zu den Frequenzen auf den Kursfahrten», sagt Philipp Hofmann, Geschäftsführer beider Schifffahrtsgesellschaften auf Anfrage von Zentralplus.

Philipp Hofmann hat das Lachen auch in der Krise noch nicht verlernt.

Vorzeitiger Saisonabschluss

Des Ungemachs nicht genug: Die Saison 2020 musste schlussendlich vorzeitig abgebrochen werden. Dies, weil ein wirtschaftlicher Betrieb unter den neuen Corona-Massnahmen nicht mehr möglich gewesen wäre. Lediglich 50 Personen hätten pro Fahrt noch auf dem Schiff verweilen dürfen. Durch diesen Entscheid fallen wichtige Einnahmen von Weihnachtsessen oder Firmenfeiern, die auf dem Schiff hätten stattfinden sollen, ins Wasser.

Zuvor konnte der Schifffahrtsbetrieb dank eines aufwendigen Schutzkonzepts aufrechterhalten werden, sagt Hofmann: «Die Schutzkonzepte wurden innert kurzer Zeit erstellt und umgesetzt, dabei leisteten unsere Crews einen ausserordentlichen Einsatz und legten eine hohe Flexibilität an den Tag. Unsere Mitarbeitenden wie auch die Kundinnen und Kunden haben sich sehr gut an die Schutzkonzepte gehalten.»

Keine Entlassungen

Was auf den ersten Blick zappenduster aussieht für die beiden Unternehmungen, hat glücklicherweise keine gravierenden Auswirkungen auf die Mitarbeitenden. Entlassungen mussten nämlich keine ausgesprochen werden. Hofmann meint: «Viele unserer Mitarbeitenden sind auch in anderen Jobs innerhalb des Unternehmensverbundes der Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB) einsetzbar, etwa als Buschauffeur, Mitarbeiter der Zugerberg Bahn oder in der Kundenberatung.» So könne flexibel agiert werden.

Lichtblicke während der Krise

Was den Schifffahrtsgesellschaften trotz schwieriger Lage Erfolg versprach, war der neue Gastronomiepartner, der mit verschiedenen Angeboten Kunden angelockt habe (zentralplus berichtete): «Speziell gefreut haben uns die positiven Reaktionen auf unseren neuen Gastropartner Edelweiss Catering auf dem Zugersee», erzählt Hofmann über einen der seltenen Lichtblicke im Krisenjahr 2020.

Auf dem Programm standen nämlich verschiedene kulinarische Touren, darunter beispielsweise die «Gourmet Tour Zugersee», die verschiedene Spezialitäten aus den Gemeinden rund um den Zugersee anbietet. Beim Schifffahrtsbetrieb auf dem Ägerisee ist die positive Tendenz wohl der regionalen Bevölkerung zu verdanken, die sich in, um und eben auch auf dem Ägerisee etwas Entspannung versprach.

Was die Saison im nächsten Jahr angeht, zeigt sich der Geschäftsführer der Schifffahrtsgesellschaften zuversichtlich: «Wir sind guten Mutes, dass wir die Saison 2021 ab April wieder starten können und bereiten ein attraktives Programm an Sonderfahrten vor.»

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