Zuger Schiffsfahrt: Dunkle Gewässer – aber bessere Aussichten
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Kursschiffe auf dem Zugersee fahren noch bis zum Saisonende am 18. Oktober. (Bild: Zugersee Schifffahrt)

Branche in der Krise Zuger Schiffsfahrt: Dunkle Gewässer – aber bessere Aussichten

4 min Lesezeit 04.09.2020, 05:00 Uhr

Die schweizerische Schiffsfahrtbranche steckt in einer tiefen Krise. Auch die Zuger Schifffahrt bekommt die Folgen der Pandemie derzeit mit voller Härte zu spüren. Im Gegensatz zu anderen Schifffahrtsbetrieben haben die Zuger jedoch einen Trumpf im Ärmel.

Auf dem Zuger- und Ägerisee ist es verdächtig ruhig – zumindest im Vergleich zum Vierwaldstättersee. Dort herrscht derzeit absolute Krisenstimmung. Und das mit gutem Grund: Die geringen Passierzahlen und strenge Sicherheitsauflagen haben der Schifffahrtsgesellschaft SGV jeglichen Wind aus den Segeln genommen, mit harten Konsequenzen.

Zum einen wird das Herbstangebot der SGV stark reduziert – mit der Aussicht, dass die Winterfahrten gestrichen werden (zentralplus berichtete). Zum anderen musste die Tavolago AG, die Gastro-Tochter der Schifffahrtsgesellschaft bereits rund zwei Dutzend Mitarbeiter entlassen (zentralplus berichtete). Die Lage ist prekär. Und in Zug?

Perfekte Ausgangslage – und dann kam alles anders

Die Ausgangslage für das aktuelle Jahr hätte auf den Zuger Seen kaum besser sein können: «Wir hatten zu Beginn des Jahres den höchsten Auftragsbestand seit Jahren. Sowohl Reservationen von Extrafahrten als auch das Interesse an Sonderfahrten war enorm», sagt Philipp Hofmann, Geschäftsführer für die Ägerisee- und die Zugersee-Schifffahrt auf Anfrage.

Insbesondere bestand grosses Interesse am ausgebauten Angebot an Extra- und Sonderfahrten. Dann kam Corona. Die Folgen liessen nicht lange auf sich warten: «Infolge der Schutzbestimmungen konnten wir daraufhin in der Vorsaison die lukrativen Events auf dem stehenden Schiff nicht durchführen», sagt Hofmann und nennt als Beispiele das Bier-Schiff und das Coop-Weinschiff.

Passagierzahlen haben sich halbiert

Der Lockdown bedeutete auch, dass der Saisonstart um rund zwei Monate verschoben werden musste. Als es dann Anfangs Juni losgehen konnte, war dies mit strengen Auflagen verbunden, die noch immer gelten: «Die Verschärfung der Schutzbestimmungen verhindert seit einiger Zeit die Durchführung von Extrafahrten für grössere Gruppen sowie Musik- und Tanzfahrten, dadurch sinken die Frequenzzahlen zusätzlich», sagt Hofmann.

Im Vergleich zum Vorjahr sind Passagierzahlen auch auf Zugs Seen nun um rund 50 Prozent eingebrochen. Zur Einordnung: Die beiden Zuger Schifffahrtsgesellschaften befördern jährlich rund 112’000 Passagiere.

Folgen noch nicht abschätzbar

Die Zuger Flotte fährt derzeit mit einem reduzierten Angebot. Davon sind vor allem die genannten Sonder- und Extrafahrten stark betroffen. Hier beträgt der Rückgang zwischen 60 und 80 Prozent.

«Fakt ist, dass alle Schifffahrtsgesellschaften in der Schweiz ums Überleben kämpfen.»

Philipp Hofmann, Geschäftsführer für die Ägerisee- und die Zugersee-Schifffahrt

Wie sich das in der Erfolgsrechnung niederschlagen wird, sei heute noch nicht abschätzbar, sagt Hofmann: «Es ist noch zu früh, um dies abschliessend zu beurteilen. Fakt ist, dass alle Schifffahrtsgesellschaften in der Schweiz ums Überleben kämpfen.»

Saisonaler Betrieb könnte die Rettung sein

Im Gegensatz zu anderen Betrieben der Branche haben die Zuger einen grossen Vorteil: die saisonale Schiffsfahrt. Die Flotte verkehrt jeweils nur bis Mitte Oktober, so auch dieses Jahr. Diese betriebliche Limitation könnte für die Angestellten zum Segen werden.

Weil die Schiffsfahrten saisonal betrieben werden, haben viele der rund 35 Mitarbeiter mehrere Jobs innerhalb der Zuger Verkehrsbetriebe. «Wir versuchen, sie effizient an anderen Orten einzusetzen», erklärt Hofmann. «Beispielsweise im Fahrdienst der ZVB, als Kundenberater oder auf der Zugerbergbahn. Hier zeigt sich der Vorteil unserer Art der Betriebsführung.»

Auch Gastrounternehmen

Auf dem Vierwaldstättersee ist mit der Tavolago AG ein Tochterunternehmen der SGV für den Gastrobetrieb verantwortlich. Auf dem Zugersee ist es die Externe Firma Edelweiss Catering. «Auf den Zugersee-Schiffen sind 12 Leute fix angestellt und 15 Personen im Stundenlohn auf Abruf», sagt Geschäftsführer Oliver Bühler auf Anfrage.

«Alles ist seit Beginn Kaffeesatzlesen.»

Oliver Bühler, Geschäftsführer Edelweiss Catering

Auch bei der Firma Edelweiss könne man vorerst von Entlassungen absehen. Stattdessen werden Personen auf andere Zweige der Cateringfirma verteilt. «Wir haben extrem viele Synergien zu unserem Event Catering. Läuft auf dem See nichts mehr, bringen wir das Personal vom Catering auf die Schiffe.»

Zukunftsplanung kaum möglich

Belastend sei vor allem, dass eine längerfristige Planung fast unmöglich ist. «Alles ist seit Beginn Kaffeesatzlesen», sagt Bühler. «Die laufenden Änderungen der Auflagen bringen viel Arbeitsaufwand. Nichtsdestotrotz sind wir happy, überhaupt etwas machen zu dürfen.»

Dennoch wagt Bühler eine verhalten optimistische Prognose: «Wir erwarten auf nächsten Sommer eine markante Beruhigung der Situation. Aber 100 Prozent vom Vorjahr wird es 2021 nicht sein. Unser Szenario baut auf eine 70-Prozent-Auslastung für nächstes Jahr.»

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