Regierungsrat Guido Graf.
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Regierungsrat Guido Graf. (Bild: zvg)

Guido Graf zur Kritik des Arbeiterhilfswerks «In der Integration wird nicht gespart. Das Gegenteil ist der Fall!»

3 min Lesezeit 1 Kommentar 20.02.2020, 14:42 Uhr

Der Kanton Luzern hat dem Schweizerischen Arbeiterhilfswerk den Auftrag entzogen, Flüchtlinge zu integrieren. 22 Personen verlieren ihre Stelle. Nun begründet der zuständige Regierungsrat Guido Graf den Entscheid.

Der Kanton Luzern will die berufliche Integration von Flüchtlingen künftig selber stemmen. Das Schweizerische Arbeiterhilfswerk (SAH) verliert damit ab 2021 einen wichtigen Leistungsauftrag.

Die Betroffenen sind vor den Kopf gestossen. Christine Spychiger, Leiterin der Fachstelle Migration Co-Opera des SAH, kritisiert:

Im Interview nimmt der zuständige Regierungsrat Guido Graf (CVP) Stellung. Der Vorsteher des Gesundheits- und Sozialdepartements sieht den Vorteil in der lückenlosen Betreuung der Flüchtlinge.

zentralplus: Die neue Integrationsagenda Schweiz (IAS) gestattet die Delegation von Aufgaben an lokale Stellen. So steht es in den Empfehlungen des Staatssekretariats für Migration (SEM). Warum haben Sie von dieser Möglichkeit beim Arbeiterhilfswerk nicht Gebrauch gemacht?

Guido Graf: Um den Entscheid einordnen zu können, ist es notwendig, den Gesamtkontext der Integrationsagenda zu verstehen. Bevor das SAH mit der beruflichen Integration beginnt, besuchen die Klientinnen und Klienten zuerst Sprachkurse, die bereits in unseren Asylzentren beginnen. Zudem ist das SAH nur für rund 600 der insgesamt 3700 Flüchtlinge zuständig, welche es beruflich und/oder sozial zu integrieren gilt. Für die 600 Klientinnen und Klienten des SAH gibt es heute einen Bruch in der durchgehenden Fallführung, welche durch unseren Sozialdienst während den ersten zehn Jahren nach Ankunft in der Schweiz sichergestellt wird.

zentralplus: Aber das SAH hat immerhin allein im vergangenen Jahr 425 Stellen vermittelt.

Graf: Die Zahl der durch das SAH vermittelten Stellen ist differenziert zu betrachten. Das sind in der Mehrheit keine unbefristeten Anstellungen. Sie sind in einem Praktikum, befristet angestellt, temporär beschäftigt oder haben auch häufig nur eine Arbeit auf Abruf. Trotz der erfreulichen Erwerbsquote bleiben noch viele in der Sozialhilfe hängen (81,9 Prozent Flüchtlinge, 89,4 Prozent vorläufig Aufgenommene/Asylsuchende). Eine nachhaltige Integration jedoch hat die Ablösung von der wirtschaftlichen Sozialhilfe zum Ziel.

«Zu beachten ist, dass die hohe Erwerbsquote nicht der alleinige Verdienst des SAH ist.»

Zu beachten ist auch, dass die hohe Erwerbsquote nicht der alleinige Verdienst des SAH ist. Ein grosser Teil wird über die Regelstrukturen (Brückenangebote) in die berufliche Grundausbildung geführt. Oder auch über unsere eigenen Perspektivkurse (Bau und Pflege) oder die verschiedenen Integrationsvorlehren bei der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung (DBW).

zentralplus: Wie sieht denn jetzt kurzfristig die künftige Integrationsarbeit beim Kanton aus?

Graf: Was neu der Kanton bei allen Klientinnen und Klienten sicherstellen wird, ist die Integrationsplanung sowie die durchgehende Fallführung. Dabei werden wir weiterhin auf externe Partner angewiesen sein, wie wir dies in der Medienmitteilung geschrieben haben. Dies in den Bereichen Jobcoaching, Praxisassessment und Bewerbungskurse. Wir nehmen also einzig die Steuerung/Planung für die 600 vom SAH betreuten Klientinnen und Klienten zum Kanton. Die direkte Arbeit in der beruflichen Integration (zum Beispiel Jobcoaching und Bewerbungskurse) wird auch in Zukunft extern wahrgenommen. Diese Aufträge muss der Kanton jedoch ausschreiben, weil er an das Submissionsgesetz gebunden ist (Auftragsvolumen über 250‘000 Franken). Eine freihändige Vergabe an das SAH ist darum nicht möglich.

«Es werden in den nächsten Jahren mehr Mittel eingesetzt.»

zentralplus: Der Kanton nimmt mit seinem Entscheid den Verlust von Know-how und Erfahrung in Kauf. Warum?

Graf: Mit der Neuausrichtung wird sich der Integrationsprozess verbessern. Es werden Schnittstellen abgebaut und die Klientinnen und Klienten erhalten zu einem früheren Zeitpunkt eine Perspektive für ihre berufliche Integration.

zentralplus: Der Entscheid des Kantons kann als Sparmassnahme angesehen werden, weil mit der neuen Integrationsagenda pro Flüchtling 18‘000 Franken vom Bund überwiesen werden (bisher 6000 Franken).

Graf: In der Integration wird nicht gespart. Das Gegenteil ist der Fall! Mit der Neuausrichtung der Integrationsagenda werden die Integrationsmassnahmen verstärkt. Es werden in den nächsten Jahren mehr Mittel eingesetzt. Mit dem neu aufgegleisten Integrationsprozess wird jedoch die Effizienz und Effektivität gesteigert werden können, wobei unsere Klientinnen und Klienten im Fokus stehen.

Regierungsrat Guido Graf beantwortete die Fragen schriftlich. Dieser Artikel ist ursprünglich bei Luzern 60 Plus erschienen.

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1 Kommentare
  1. estermap, 20.02.2020, 15:20 Uhr

    Lieber Herr Regierungsrat G. Graf, wer behauptet muss beweisen. Mehr Geld für die Ausbildung? Die IAS wurde vom Bund vor einem Jahr veeabschiedet, Sie aber sind immer noch „am Aufgleisen“ (Radio SRF Regionaljournal). Glauben und Hoffen gehört in die Kirche, nicht in den Asylbereich. Der Bund verlangt von Ihnen weg vom Pool-“Support“, der nicht funktionierte, zur „durchgehenden Fallführung“. Wie kommt es, dass dem jungen Mann von der DAF-Sozialarbeiterin gesagt wird, er solle mit einem Lehrvertrag wiederkommen, bevor sie für ihn ein Dossier eröffnet?
    Sie sprechen die Dieststelle DBW an: warum fehlt von RAV plus und BJB ein Bekenntnis zum Support für die etwas älteren jungen Leute, die eine Ausbildung machen möchten?

    Sie reden die Leistung des SAH klein. SAH arbeitet im angesprochenen Bereich eng mit Freiwilligen zusammen. Somit stossen Sie auch uns vor den Kopf. Wir sind in diesem Klima nicht bereit, mit dem Kanton zusammenzuarbeiten – trotz des gelegentlichen Lobs der „wertvollen Arbeit“.

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