Hertensteinstrasse: Einkaufsmeile von Luzern ist jetzt ab 20 Uhr eine Velozone
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Velos dürfen neu von 20 bis 10 Uhr durch die Hertensteinstrasse fahren. (Bild: ber)

Fahrverbot in der Altstadt wird aufgeweicht Hertensteinstrasse: Einkaufsmeile von Luzern ist jetzt ab 20 Uhr eine Velozone

3 min Lesezeit 6 Kommentare 04.03.2021, 17:17 Uhr

Wer in Luzern mit dem Velo unterwegs ist, darf vom Falkenplatz her durch die Hertensteinstrasse fahren – mitten durch die einkaufenden Passanten. In die Gegenrichtung ist dies neu jeweils von 20 bis 10 Uhr erlaubt.

Die SP-Fraktion im Luzerner Stadtparlament hatte gefordert, dass das Einbahnregime für Velofahrerinnen in der Hertensteinstrasse ganz aufgehoben wird (zentralplus berichtete). Dies jedoch lehnt der Stadtrat ab – weil die Einkaufsmeile tagsüber rege von Fussgängern genutzt wird.

Die Linke hatte sich von der Öffnung eine sichere Route versprochen für Velofahrer, die von der Alpenstrasse her in Richtung Seebrücke unterwegs sind. Dass die Hauptstrasse in diesem Bereich gefährlich ist, sieht auch der Stadtrat so. «Knackpunkt ist die Sicherheit auf der Alpenstrasse und am Schweizerhofquai», sagte der zuständige Stadtrat Adrian Borgula (Grüne) in der Sitzung des Grossen Stadtrats am Donnerstag. Man habe bereits eine Studie gemacht und diskutiere mit dem Kanton mehrere Varianten, um dies zu verbessern.

Der Kompromissvorschlag des Stadtrats: Velofahrten auf der Hertensteinstrasse sind neu zwischen 20 und 10 Uhr erlaubt. Bisher galt dies von 21 bis 9 Uhr.

Selbst der Hardcore-Fussgänger ist einverstanden

Die Idee stiess im Rat auf grosse Zustimmung. Sogar Silvio Bonzanigo, Präsident des Vereins Fussverkehr, opponierte nicht dagegen. «Selbstverständlich würde ich mir wünschen, dass Fussgängerzonen auch wirklich für Fussgänger reserviert wären. Aber wir haben in der Stadt Luzern sehr viel problematischere Situationen als in der Hertensteinstrasse. Die Ausweitung um zwei Randstunden ist belanglos», meinte er. Man habe inzwischen ein gutes Einvernehmen mit Pro Velo. Klar sei aber: «An weiteren Vorstössen in diese Richtung sind wir nicht interessiert.»

«Es ist schlicht unangenehm, wenn ständig Velos um einen herum brausen.»

Patrick Zibung (SVP)

So war es schliesslich einzig die SVP, die sich gegen die vorgeschlagene Ausweitung der Zeiten wehrte, in denen Velos in beide Richtungen erlaubt sind. «Die SVP hat sich schon früher gegen eine Öffnung der Hertensteinstrasse für den Veloverkehr ausgesprochen», erinnerte Patrick Zibung. Man sei auch mit dem heutigen Einbahnregime nicht zufrieden. «Dass sich Velos und Fussgänger schlecht vertragen, sehen wir nur schon, wenn wir aus diesem Gebäude in die Bahnhofstrasse gehen. Es ist schlicht unangenehm, wenn ständig Velos um einen herum brausen.»

Die Hertensteinstrasse sei die Einkaufsstrasse in der Stadt Luzern. Der Veloverkehr störe tagsüber und sei ein Sicherheitsrisiko für die Fussgänger – insbesondere für die älteren Leute. Wer sich nicht traue, mit dem Velo über die Seebrücke zu fahren, könne seinen Drahtesel ja stossen – oder den Bus nehmen.

Sonntag = Velotag?

Postulant Mario Stübi (SP) bezeichnete diese Aussagen als «fragwürdig». «Schliesslich haben wir ja heute schon eine Koexistenz von Fussgängern, Velos und Autos an der Hertensteinstrasse, die gut funktioniert. Vor 10 Uhr hat es oft Lastwagen, die Waren liefern. Da weicht man halt aus. Das funktioniert auch zwei Stunden länger», meinte er.

Da auch CVP, FDP, GLP und die Grünen/Jungen Grünen mit dem Vorschlag des Stadtrats einverstanden waren, blieb die SVP mit ihrem Rückweisungsantrag chancenlos.

Die Grünen regten in der Debatte an, das Fahrverbot zudem an Sonntagen aufzuheben, wenn kaum Passanten in der Hertensteinstrasse unterwegs sind. Zudem stellten sie das Einbahnregime in der Töpferstrasse infrage. Stadtrat Adrian Borgula nahm diese Vorschläge entgegen und kündigte an, sie zu prüfen.

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6 Kommentare
  1. Roland Grüter, 06.03.2021, 11:40 Uhr

    61% der Befragten sind für eine Totalsperrung von Velo-Durchfahrten. Aber die Regierung kümmert diesen Bürge-Wunsch, wie gewohnt, keineswegs. Das nennt sich Diktatur!

  2. Rolf Albisser, 05.03.2021, 13:33 Uhr

    Aus dem Umfrageresultat geht doch klar hervor, dass die Politik völlig an den Wünschen der Bevölkerung sprich Steuerzahler handelt!!!

  3. Rolf Albisser, 05.03.2021, 12:28 Uhr

    Die wenigsten Velofahrer halten sich an Regeln. Geräuschlos kommen sie von hinten und man erschrickt jedesmal und ist froh, dass man nicht über den Haufen gefahren wurde.
    Velofahrer brausen durch und kaufen selten in den Läden etwas ein. Vielleicht sollten die Fussgänger die Hertensteinstrasse ganz meiden. Dann würden noch mehr Geschäfte leer stehen.

  4. anonymous, 05.03.2021, 10:24 Uhr

    Es ist eine Unsitte diese Strasse mit Velos zu befahren. Ich nerve mich jedesmal. Diese Strasse hat einfach zu viele Fussgänger für solche Spässe.

  5. Daniel Steiner, 04.03.2021, 20:34 Uhr

    Hält sich denn bis jetzt ein Velofahrer an das Fahrverbot? Die Velos fahren ja ständig und überall in der Altstadt rum. Fahrverbote und Einbahnschilder sehen die nie.

    1. lucifer, 05.03.2021, 07:59 Uhr

      ich gehe davon aus das sie velofahrer nicht mögen.

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