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Heini Schmid rügt zum Abschied Stadt und Kanton
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Heini Schmid, Präsident von Zug Tourismus, vor Zugs goldener Altstadtkulisse. (Bild: zvg/ Montage wia)

Präsident von Zug Tourismus tritt zurück Heini Schmid rügt zum Abschied Stadt und Kanton

6 min Lesezeit 27.01.2020, 05:00 Uhr

Verschiedene Abgänge in der Geschäftsführung und sinkende Zahlen bei den Logiernächten: Bei Zug Tourismus scheint der Wurm drin zu sein. Der scheidende Präsident Heini Schmid will aber nichts von einem Scherbenhaufen wissen. Und fordert von allen Beteiligten ein selbstbewusstes Auftreten.

Seit 22 Jahren präsidiert Heini Schmid den Verein Zug Tourismus. Doch nicht mehr lange. Der 58-jährige CVP-Politiker hat kürzlich angekündigt, sein Amt abzugeben. Was geht vor bei Zug Tourismus, welches in letzter Zeit vermehrt in den Negativschlagzeilen stand? Wir haben den Präsidenten zum Interview getroffen.

zentralplus: In den letzten Jahren stand Zug Tourismus wegen der ständigen Leitungswechsel im negativen Licht. Man spricht davon, dass «immer weitergewurstelt wird». Trial and Error. Wo liegt der Hund begraben?

Heini Schmid: Da liegt kein Hund begraben. Sie sprechen insbesondere zwei personelle Wechsel an, die es in der Leitung von Zug Tourismus in den letzten Jahren gab. Einerseits jener von Nicolas Ludin im Jahr 2018. Das Hauptproblem damals war, dass wir massiv sparen mussten. Der zweite Abgang war jener von Patrizia Hofstetter, welcher eine Folge darstellte vom Abgang Ludins.

zentralplus: Dann war das kantonale Sparpaket Schuld an den Schwierigkeiten von Zug Tourismus?

Schmid: Tatsächlich wurden uns damals 80’000 Franken weggestrichen. Wir mussten uns reorganisieren und eine Führungsebene rausstreichen aufgrund des kantonalen Sparpakets. Zudem stand das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) vor der Türe, welches wir unterstützten. Wegen des ESAF erhielt Zug Tourismus wiederum weniger Gelder.

zentralplus: Kann man also sagen, dass auch das ESAF Zug Tourismus in die Bredouille gebracht hat?

Schmid: Ja, natürlich. Es war klar, dass Zug Tourismus den Anlass unterstützt. Doch war das ein grosser Brocken, in Kombination mit dem Sparpaket hat uns dieser extrem gefordert. Mittlerweile konnten viele Partnerschaften wieder aufgebaut und die Finanzen stabilisiert werden. Zum einen fallen die Verpflichtungen gegenüber dem ESAF weg, zum anderen haben wir unseren Personalaufwand um 100’000 Franken reduziert.

«Wenn der Markt schon von sich aus spielt, dann kann man doch nicht sagen, nein, ihr dürft nicht!»

Heini Schmid, Präsident Zug Tourismus

zentralplus: Im Mai 2020 treten sie nach 22 Jahren von Ihrem Amt als Vereinspräsident zurück. Der Zeitpunkt lässt vermuten, dass Ihr Abgang mit den Turbulenzen in Verbindung steht.

Schmid: Gar nicht. Vielmehr möchte ich mich mehr und mehr aus dem öffentlichen Leben zurückziehen. – Ich werde wohl auch nicht mehr ewig Kantonsrat bleiben. Seit über zwanzig Jahren bin ich Präsident von Zug Tourismus, es ist Zeit, das Feld der jüngeren Generation zu überlassen. Eigentlich wollte ich schon letztes Jahr abtreten. Da ich dann jedoch gleichzeitig mit Nicolas Ludin abgetreten wäre, wäre das ein schlechtes Zeichen gewesen.

zentralplus: Nicolas Ludin wurde 2017 angestellt, um eine neue Strategie umzusetzen. Konkret sollte Zug bis im Jahr 2025 zu einer «klassischen Tourismusdestination im Voralpengebiet» werden. Wollte man Zug besser machen, als es effektiv ist?

Schmid: Nein. Sie müssen sehen, dass man bis 2017 den sanften Tourismus gefördert hat. Es stand effektiv im Leistungsauftrag der Volkswirtschaftsdirektion, dass man sich insbesondere auf den einheimischen Tourismus fokussiert. Zunehmend sind jedoch in den letzten Jahren auch Touristen aus anderen Ländern nach Zug gekommen. Wenn der Markt schon von sich aus spielt, dann kann man doch nicht sagen, nein, ihr dürft nicht! Diese auswärtigen Touristen haben ein Recht, dass man sich um sie kümmert. Alles andere wäre doch Selbstkasteiung!

«Eigentlich ist es auch Sache von Stadt und Kanton, dafür zu sorgen, dass Zug attraktiv ist.»

zentralplus: Für eine kongruente Strategie in Sachen Tourismus müsste die öffentliche Hand mitspielen.

Schmid: Absolut. Man müsste sich überlegen, wie man Zug verkaufen will. Der Kanton und die Stadt Zug haben jedoch keine Marketingstrategie. Man müsste viel bewusster am Produkt Zug arbeiten. Schauen Sie nur mal, was mit dem Seenachtsfest letztes Jahr passiert ist. Oder beinah passiert ist. Damals stand zur Debatte, ob das Fest überhaupt stattfinden wird, da die Freiwillige Feuerwehr sich als Organisatorin zurückgezogen hatte. Zum Glück sprang darauf der Verein Zug Sports ein. Doch eigentlich ist es auch Sache von Stadt und Kanton, dafür zu sorgen, dass Zug attraktiv ist.

zentralplus: Sie rügen Kanton und Stadt. Hat Zug Tourismus in den letzten Jahren keine Fehler gemacht?

Schmid: Er überlegt. Wir haben uns stark gegen das Sparpaket gewehrt. Ich glaube nicht, dass wir uns dort mehr einsetzen hätten können. Auch haben wir danach versucht, unsere Gelder mit privaten Unterstützern zu sichern. Nun, vielleicht waren wir dort etwas zu optimistisch. Wir hatten gehofft, die Finanzen über die Privatwirtschaft stabilisieren zu können.

zentralplus: Es liegt im Bestreben von Zug Tourismus, dass man die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern, etwa Hotels und Tourismusanbietern, aber auch den Gemeinden, wieder verstärkt. Gleichzeitig schrieb der Hotelier und SVP-Politiker Philip C. Brunner letzthin in einem Leserbrief: «Kein einziges Zuger Hotel braucht Zug Tourismus in der heutigen Form.» Wo gründet diese Diskrepanz?

Schmid: Ich finde nicht, dass Brunners Aussage stimmt. Wohl ist Zug Tourismus irrelevant dabei geworden, Hotelzimmer zu vermitteln. Doch sind wir wichtig dabei, unseren Gästen ein gutes Erlebnis zu bieten. Unsere Aufgabe ist es, insbesondere über elektronische Medien zu zeigen, wie attraktiv Zug ist und welche Angebote es gibt. Davon profitiert natürlich auch der Hotelier.

zentralplus: Apropos Hotels. Zwischen 2015 und 2018 verzeichnete der Kanton Zug eine stetige Abnahme der Logiernächte. 2016 gar um über 11 Prozent. Verschiedene Hotels haben dichtgemacht, auch das Swisshotel – das von Philip C. Brunner seit Jahrzehnten geführt wird – wird Ende des Jahres schliessen. Das klingt nicht nach einer guten Entwicklung.

Schmid: Tatsächlich hat die Anzahl der Betriebe seit ich Zug Tourismus präsidiere abgenommen. Waren es 1998 noch 38 Hotels, sind es heute deren 27. Doch gilt es auch zu beachten, dass sich die Zahl der Betten erhöht hat. Vor 22 Jahren waren es 966 Zimmer im Kanton Zug, heute sind es 1’158. Die Tendenz geht also eher in Richtung einer Konzentration. Der Bedarf an Hotelzimmern ist also nach wie vor da. Doch muss man etwas Weiteres beachten.

zentralplus: Was denn?

Schmid: Die Digitalisierung. Ein grosser Teil unserer Gäste sind Businesskunden. Die Zahl der Geschäftsreisen nimmt jedoch ab. Dies, weil es einfacher geworden ist, Meetings online durchzuführen via Conference Call. Ausserdem ist die ausserkantonale Konkurrenz gestiegen. Heute gibt es im Säuli- und im Freiamt Hotelbetriebe, welche gerade etwa für asiatische Reisegruppen attraktiv sind.

zentralplus: Sie haben vorhin gesagt, dass das ESAF für Zug Tourismus herausfordernd war. Tatsächlich frage ich mich, ob die ganzen Mühen und Aufwände, die das ESAF in Zug verursacht hat, nachhaltigen Nutzen versprechen. Wie sehen Sie das?

Schmid: Das ESAF hat uns eines gelehrt. Nämlich, dass wir etwas Grosses erreichen können, wenn wir es gemeinsam anpacken. Wir haben Selbstvertrauen gewonnen. Tatsächlich müssen wir Zuger merken, dass wir mehr als eine Ansammlung kleiner Dörfer sind.  

zentralplus: Welche Schweizer Städte machen es denn besser als Zug bezüglich Tourismusstrategie?

Schmid: Fribourg, Biel, aber auch Solothurn beispielsweise. Solothurn hat ein gutes kulturelles Angebot mit dem Literaturfestival und den Filmtagen, die schweizweit bekannt sind. Das Barockstädtchen hat einen schönen Tourismus. Obwohl wir – allein von der Schönheit her – besser dran wären.

zentralplus: Auch in Zug gibt es kulturelle Angebote. Und mit dem Genuss-Film-Festival gar ein Filmfestival.

Schmid: Das stimmt. Doch gerade dieses Festival ist nicht sehr niederschwellig. Es spricht nicht die Masse an. Ich sage darum immer: Der EVZ ist das Beste, was uns in Zug passieren konnte. Dieser spricht so viele Leute an, von den Fans in der Herti-Nordkurve bis hin zu jenen im Dine-&-View-Sektor. Doch Zug hat auch abgesehen davon so viel zu bieten. Der «Freiruum», das derzeit entstehende OYM-College in Cham, Märlisunntig, Jazz Night, Open Airs. Und das alles findet an einem Top-Wirtschaftsstandort statt. Es ist enorm spannend, was in Zug passiert, und ich werde mich auch weiterhin engagieren. Einfach auf andere Art.

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