Hagens Körperwelten – für einmal am Waldtier
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Ausstellung «Das Reh» im Naturmuseum Luzern Hagens Körperwelten – für einmal am Waldtier

2 min Lesezeit 10.06.2016, 10:03 Uhr

Das Reh, die häufigste wildlebende Huftierart der Schweiz, ist bekannt und verbreitet. Dennoch gibt es viel Neues zu entdecken in der Ausstellung des Naturmuseums. Für Kinder ist die Ausstellung allerdings nur bedingt geeignet.

Wie läuft eine Rehgeburt ab und wie schaut diese aus? Wie klingt das Fiepen einer Rehgeiss oder der Kontaktlaut des Kitzes? Wie erkennt man eine Rehspur? Was frisst ein Reh und wie schaut Rehkot aus? Warum wird das Reh vom Menschen gejagt und weshalb ist der Luchs mitverantwortlich für die Rehpopulation? Diesen und anderen Fragen widmet sich das Naturmuseum Luzern in seiner neuen Sonderausstellung. Im Parterre finden sich grossflächige Bilder, Holzkästen mit Infotexten, Videos und Gegenstände rund ums Reh sowie Präparate, die die Verhaltensweise des Rehs lebensecht darstellen.

Neue Blickwinkel

Sehr anschaulich zeigt die Ausstellung dank Tierpräparaten die Besonderheiten des Rehs. So ermöglichen beispielsweise die beiden Präparate des Anatomen Gunther von Hagens (bekannt durch die Ausstellung «Körperwelten») zum einen den Blick in die Magenkammern des Rehs und zum anderen wurden in einem speziellen Verfahren die Blutgefässe des Rehkopfs und Geweihs sichtbar gemacht.

Ein Puzzle animiert die Besucher zudem herauszufinden, was das Reh frisst und was es verschmäht. Ein Geweih liegt bereit zum Ertasten und Hörbeispiele wie Filmaufnahmen lassen tiefer in die Welt des Rehs hören und blicken.

Für Kinder komplexe Texte und präsentierte Videos

Obwohl die Ausstellung inhaltlich spannend und ästhetisch gelungen ist, bleiben Makel. Die gezeigten Videos sind äusserst kleinformatig und teilweise tonlos. Zudem sind sie nur im Stehen und aus Erwachsenen-Perspektive gut zu sehen, aus der Sitzposition oder aus Kinderhöhe stimmt der Winkel nicht mehr und das Gezeigte ist kaum erkennbar. Auch die Infotexte sind etwas trocken in Fachsprache gehalten. Und beim Video mit dem inhaltlich eigentlich spannenden, aber äusserst monotonen Interview mit einem Forstwart bleiben auch beim erwachsenen Laien einige Fragezeichen. Der Spagat über das breite Zielpublikum vom Erwachsenen bis zum Kind gelingt leider nicht ganz.

Einen Besuch wert

Dennoch lohnt sich ein Besuch allemal. Es ist spannend, wie es dem scheuen Reh gelingt, sich in dem vom Menschen beeinflussten Lebensraum bestens zurechtzufinden. Auch die hohe Qualität der Präparate ist äusserst beeindruckend, die säugenden Kitze beispielsweise sind allerliebst und der Luchs am Rehriss imposant.

Für Kinder jedoch steht weniger das Selber-Entdecken im Vordergrund, denn der grosse Teil des Ausgestellten darf nicht angefasst werden, die Videos sind klein und die Texte wie auch die gezeigten Interviews für Schüler kaum verständlich. So bleibt den jüngeren Besuchern das Bestaunen der beeindruckenden Präparate und das Zuhören, wenn die Begleitung das Gesehene erklärt. Für Schulklassen dürfte ein Besuch entsprechend nur mit einer Führung zum Erfolg werden. Dann aber erscheint das vertraute Wildtier in neuem Licht – spannend und lehrreich.

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