Gustav, der bilinguische Brückenbauer
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Gustav baute bilingue Brücken in der Galvanik. (Bild: Simone Ruckstuhl)

Rezension vom Gustav-Konzert in der Galvanik Gustav, der bilinguische Brückenbauer

3 min Lesezeit 14.04.2017, 18:44 Uhr

Der Freiburger Musiker Gustav war am Freitag zu Gast in der Galvanik. Er wechselte ebenso virtuos die Sprachen wie seine Instrumente. Nur das Publikum hätte ausgeglichener sein können.

15 Jahre nachdem er bereits einmal auf der Bühne der Galvanik gestanden hatte, betrat der Freiburger Musiker Gustav erneut die Zuger Bretter, die die Welt bedeuten. «Ich weiss, was in dieser Stadt gerade los ist. Deshalb schätze ich es umso mehr, dass ihr den Weg zu mir gefunden habt», begrüsst Pascal Vonlanthen, wie der Sänger mit bürgerlichem Namen heisst, seine zirka 40 Zuschauer. Dass nur wenige Männer im Publikum stehen, stört den Freiburger nicht. Die anhimmelnden Blicke der Frauen, mitsingenden Lippen und wippenden Körper der Zuschauer sind alles, was er braucht, um sich auf der Bühne wie zu Hause zu fühlen.

«Ein F**king 80er-Jahre-Gitarrensolo, Freunde!»

Gustavs Leidenschaft zur Musik dringt von der Bühne zu den Menschen, die vor ihm stehen. Und zwar zu allen – ob alt oder jung, von Rockfan bis zum Schlagerliebhaber. Dafür sorgt seine Vielfältigkeit: Beginnt Gustav mit zwei rockigen Songs, geprägt von starkem Bass und Schlagzeug, spürt man bei den nächsten beiden Liedern Einflüsse der Countrymusik und der Schlagerwelt. Mit «La Prière» stimmt er eine Ballade an, welche er nach den Terroranschlägen in Paris geschrieben hat.

Gustav wechselt von der akustischen Gitarre zum Banjo, während der Gitarrist links von ihm mitten im Lied zur Trompete greift und der Keyboarder zu Gustavs Rechten eine Ziehharmonika zum Klingen bringt.
Er gestikuliert wild beim einen Song, kehrt mit geschlossenen Augen in sich beim anderen und freut sich wie ein kleiner Junge über das Gitarrensolo im Lied «Rêver à Lola»: «Ein F**king 80er-Jahre-Gitarrensolo, Freunde!»

Der bilinguische Brückenbauer

Gustav hat die Zweisprachigkeit seines Heimatortes Freiburg zum Markenzeichen gemacht. So singt er in der Galvanik sechs Songs in Schweizer Mundart, sechs in französischer Sprache, vier auf Hochdeutsch und nochmals so viele in einem Mix von allen drei Sprachen.
«Gustav ist die beste Französisch-Lektion auf der Welt», heisst es auf seiner Webseite. Denn der Freiburger lockt den Deutschschweizern nicht nur in den Konzerthäusern die französische Sprache von den Lippen, sondern auch in Schulen.
Der ehemalige Lehrer will die deutsche Landeshälfte mit der französischen vereinen. Und nutzt dazu die Musik. Bei Schulbesuchen spielt er einfache Songs, bei denen der Refrain leicht nachgesungen werden kann. «Lundi matin» ist eines der Lieder. Und sein Konzept geht auch in der Galvanik auf: Das Publikum singt den Refrain fleissig mit.

«Merci beaucoup»

Nach eineinhalb Stunden und 15 Songs, die Gustav mit einer Stimme singt, die einem direkt bekannt erscheint, hat das Publikum noch immer nicht genug. Die Hände klatschen beständig ineinander, die Gesichter strahlen ausnahmslos. Die Leute wollen mehr. Mehr von Gustavs Charme, den Anekdoten über im Kater endende Erfahrungen der Band mit Heuschnaps und vor allem mehr von seiner Musik. Vier Zugaben spielt die Band, bedankt sich mindestens doppelt so oft bei den Zuhörern, verspricht, bald wieder in der Galvanik spielen zu wollen.

Der Freiburger Sänger im Rampenlicht.

Der Freiburger Sänger im Rampenlicht.

(Bild: Andreas Schwendener)

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