Schweizerhaus im Luzerner Gletschergarten erstrahlt in neuem Glanz
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Das Schweizerhaus öffnet dieses Wochenende seine Türen. Rechts ist die noch bis im Sommer andauernde Baustelle zu sehen. (Bild: jru)

Nach aufwändigen Restaurationen Schweizerhaus im Luzerner Gletschergarten erstrahlt in neuem Glanz

5 min Lesezeit 11.09.2020, 13:11 Uhr

Das Schweizerhaus des Luzerner Gletschergartens wurde für drei Millionen Franken saniert und wird dieses Wochenende eröffnet. zentralplus durfte sich vorab vor Ort umsehen.

Die Atmosphäre, die am Freitagmittag im Luzerner Gletschergarten in der Luft lag, war spürbar positiv. Die Vorfreude auf die Wiedereröffnung des frisch restaurierten Schweizerhauses gross. Sichtlich stolz eröffnete der Direktor des Museums, Andreas Burri, die Pressevorführung: «Wir freuen uns darüber, Ihnen heute einen Einblick in unsere neuen Wunderkammern zu geben!», meint er, währendem er immer wieder seinen Kopf in Richtung der Fassade des historischen Gebäudes drehte.

Zurück zum Ursprung

Die Eröffnung des restaurierten Schweizerhauses stellt eine weitere Etappe des «Jahrhundertprojekts Gletschergarten» dar. Im Gebäude wird ab Samstag die Sammlung der Gründerfamilie Amrein-Troller ausgestellt. «Die Familie hat das Museum im 19. Jahrhundert gegründet. Die Sammlerstücke, welche der Familie entstammen, werden im frisch restaurierten Schweizerhaus ausgestellt», erzählt Burri weiter. Damit soll den Gründern des Gletschergartens wieder mehr Raum gegeben werden.

Die Restauration des Hauses kostete drei Millionen Franken und stellt somit einen kleinen Teil aller Ausgaben im Rahmen des Projekts «Fels» dar. «Kernziel der Restauration war es, das Schweizerhaus auf seine ursprünglichen Bauelemente zurückzubauen», erklärt Burri. Und das scheint gelungen. So wurde die ursprüngliche Veranda – auf einer anderen Seite des Hauses – originalgetreu wiederaufgebaut.

Andreas Burri begrüsst sichtlich stolz.

Gründerfamilie ist omnipräsent

Tritt man in das neue Ausstellungshaus hinein, wird man von der Gründerin höchstpersönlich begrüsst. In einem Bilderrahmen sitzt die virtuelle Marie Amrein-Troller, dargestellt durch unzählige Pixel. Nachdem ihr Mann früh gestorben war, hatte sie das Museum während 50 Jahren unter ihren Fittichen. Durch sie ist auch das berühmte Spiegellabyrinth entstanden, das 1896 erstmals für Begeisterung sorgte (zentralplus berichtete).

Aus den Lautsprechern sind ihre Begrüssungsworte und eine kurze Einführung in die Ausstellung zu hören. Rund um den Bilderrahmen verteilt hängen diverse Objekte an der Wand. Sie sollen das breite Spektrum aller Artefakte, die im Museum zu finden sind, symbolisch darstellen. Marie bittet die Gäste, in den nächsten Raum einzutreten.

Marie Amrein-Troller begrüsst die Gäste höchstpersönlich. (Bild: jru)

Dort angekommen befindet man sich schon mitten in früheren Zeiten. Am Skelett eines Höhlenbären schrauben gerade noch zwei Männer rum. Es scheint, als würden sie dem alten Höhlenbewohner aus Österreich noch die richtige Körperhaltung verpassen – mit viel Fingerspitzengefühl. Solche Höhlenbär-Knochen wurden vom Sohnemann der Familie gefunden. Wie sich später erweist, soll das Ausstellungsstück jedoch im Jahr 1981 bei einer Firma erworben worden sein.

Klassiker sind nach wie vor da

Im Übrigen findet man auf dieser Etage auch das altbekannte Bernina-Relief wieder. Dieses wurde 1991 durch Toni Mair erbaut. Nicht zu vergessen sind viele kleinere Einzelstücke, die diese «Wunderkammern», wie sie das Team des Gletschergartens nennt, zu einem wahrhaftigen Kuriositätenkabinett machen.

In die architektonische Umsetzung der Restauration ist viel Herzblut geflossen. So habe laut Direktor einer seiner Mitarbeiter unermüdlich mit Pinsel die Holzverzierungen an der Aussenfassade gestrichen. «Das sind schöne Erinnerungen, die ich mit dem hinter uns liegenden Prozess verbinde. Vieles haben wir selbstverständlich auch in professionelle Hände geben. Auch die Bauleute leisteten für uns Pionierarbeit», erklärt Burri stolz.

Weinkeller war geplant

Beim Aufgang in den zweiten Stock der Ausstellung erblickt man die neue «Gründerwand». Sie zeigt eine grosse Palette an Objekten auf, die mit der Gründerfamilie in Verbindung gebracht werden. So beispielsweise auch eine Weinflasche. Sie erinnert daran, dass an der Stelle des Gletschergartens ursprünglich ein Weinkeller geplant war. Der Geograf Albert Heim soll sich aber damals für den Erhalt der Gletschertöpfe eingesetzt haben, die sich im heutigen Garten des Museums befinden.

«Quartier-Hot Dog»

Im Wintergarten des Erdgeschosses ist zudem ein neues Bistro entstanden. Im «Salwideli» gibt es gemäss des Bistrochefs den «einmaligen Quartier-Hot Dog». Weshalb Quartier-Hot Dog? Die Wurst stammt vom Metzger Doggwiler an der Zürichstrasse, das Brot von Heini, direkt am Löwenplatz.

Und das selbstgemachte Ketchup liefert der Küchenchef des Café Sowieso, dem nächsten Nachbarn des Gletschergartens. «Wie Sie sehen, haben wir einen wahrhaftigen Nachbarschafts-Hot Dog kreiert», sagt der Direktor vor der Kostprobe. Dem Küchenteam sei trotz der nationalen beziehungsweise internationalen Ausrichtung des Museums wichtig, dass die Wertschöpfungskette in der Region bleibt. «Zudem bieten wir natürlich auch eine vegane Wurst im Hot Dog an», schliesst Burri ab.

Projekt «Fels» eröffnet im Sommer 2021

Nach der Eröffnung des Schweizerhauses steht im Gletschergarten der Schlussspurt des Projekts «Fels» bevor – des «Filet», wie Direktor Burri es nennt. Dabei handelt es sich um einen zirka 70 Meter langen Gang in die hinter dem Museum liegende Felswand. Der «Fels» soll den Besuchern im nächsten Sommer erstmalig präsentiert werden. Zurzeit ist dieser aber noch im Bau. Gesamthaft kostet das Projekt, inklusive der Restauration des Schweizerhauses, rund 20 Millionen Franken.

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