Wer hat die Rehe gesehen?

Luzerner suchen Ruhe im Gütschwald – und bringen damit Unruhe in die Natur

Auch für die Rehe im Gütschwald ist die Corona-Pandemie belastend. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Im Gütschwald können seit jeher Rehe beobachtet werden. Seit dem ersten Lockdown scheinen die scheuen Tiere weniger oft anzutreffen sein. zentralplus hat beim Revierförster des Kanton Luzern nachgefragt, wie es um die Rehe und den Wald steht.

Jeder kennt's: Nach mehreren Stunden vor dem Laptop schmerzt der Rücken, die Ohren dröhnen leicht und die Gedanken schwirren im Kopf umher. Es ist daher nicht überraschend, dass ein Spaziergang mit dem Hund oder eine kurze Joggingrunde im Wald die perfekte Gelegenheit ist, um abzuschalten. Doch die vermehrten Besuche im Wald werden nicht von allen gerne gesehen.

Müllberge in der Nähe von Abfalleimern und Grillstellen sind Folgen, die nicht nur in der Stadt, sondern auch im Wald beobachtet werden können. Ein anderer negativer Aspekt ist der Stress für die Wildtiere, der durch die Streifzüge von Kindern und Erwachsenen im Wald entsteht. Auch Mountainbiker werden teilweise als Störenfriede in der Natur betrachtet und Hunde lösen bei manchen Wildtieren Schrecken aus.

Wie steht's mit dem Gütschwald?

Auch im Gütschwald werden mehr Erholungssuchende festgestellt. «Gerade in der Coronazeit anerkennen und wertschätzen wir das Bedürfnis der Bevölkerung, sich im Wald zu erholen», sagt Christoph Hitz, Revierförster des Kantons Luzern, auf Anfrage. «Aber eben unter Berücksichtigung der entsprechenden Verhaltensregeln.»

«Es dürfte durch die zusätzliche Störung im Wald wohl eher weniger Rehe im Gütschwald haben.»

Christoph Hitz, Revierförster

Dazu gehört beispielsweise, dass man sich auf den bestehenden Wegen aufhält, den Abfall zu Hause entsorgt oder Feuer richtig auslöscht. Der Kanton Luzern hat dazu für die Waldbesucher einen Knigge für den respektvollen Waldbesuch entwickelt.

Laut Hitz werden die Verhaltensregeln aber nicht immer eingehalten. «So sind im Gütschwald während der Coronazeit einige neue Feuerstellen mitten im Wald entstanden», erzählt der Revierförster. «Hinzu kommen Hundehalter, die der geltenden Leinenpflicht nicht nachgekommen sind, Spaziergänger, die sich abseits der Wege aufhalten und quer durch den Wald angelegte Bikewege.»

Unerlaubte Grillstellen und viel Stress

Das führt zu zusätzlichem Stress für Wildtiere, die auf ruhige Rückzugsmöglichkeiten im Wald angewiesen sind, erklärt Christoph Hitz. «Hinzu kommen Schäden an Bäumen zum Beispiel durch unsachgemässes Feuern.» Der Revierförster weist deshalb darauf hin, dass illegale Bauten und Anlagen wie Bikewege nicht toleriert werden.

Begegnete man früher beim Joggen und Spazieren öfters Rehen, waren die scheuen Tiere während des Lockdowns kaum mehr zu sehen. Frage an den Revierförster: Gibt es die Rehe noch? Christoph Hitz beruhigt: «Da der Lebensraum für die Wildtiere vorhanden ist, hat es im Gütschwald nach wie vor Rehe.»

Laut Hitz wird viel dafür getan, dass die Wildtiere genug Nahrung und Rückzugsorte finden. «Dennoch dürfte es durch die zusätzliche Störung im Wald wohl eher weniger Rehe im Gütschwald haben.»

Verhaltensregeln im Wald

Der Wald ist ein Erholungsraum für Mensch und Tier und «im ortsüblichen Gebrauch» der Bevölkerung frei zugänglich. Verhaltensregeln sollen dazu führen, dass es dem Wald, den Tieren und den Besuchern gut geht. Die Dienstelle Landwirtschaft und Wald des Kanton Luzerns hat zehn einfache Verhaltenstipps in Form eines Knigge entwickelt:

  1. Wir sind als Gast willkommen. Je nach Ort und Zeit gelten zweckmässige Bestimmungen, etwa Naturschutz und Waldbrandgefahr betreffend. Wir befolgen sie.
  2. Wir geniessen die Ruhe und Langsamkeit: Im Wald gilt generelles Fahrverbot für Motorfahrzeuge.
  3. Wir bleiben auf dem Weg, um Pflanzen und Tiere nicht zu stören.
  4. Wir beschädigen und hinterlassen nichts. Wir hinterlassen keinen Abfall und beschädigen nichts.
  5. Wir fragen nach, bevor wir etwas installieren.
  6. Wir achten auf die Forstarbeiten.
  7. Wir sind uns der Gefahr in der Natur bewusst.
  8. Wir halten Hunde unter Kontrolle. Während der Brut- und Setzzeit gilt meistenorts die Leinenpflicht.
  9. Wir sammeln und pflücken im Mass.
  10. Wir respektieren die Nachtruhe im Wald.

Weitere Verhaltensregeln bietet das Merkblatt «Hinweise zum Waldbesuch».

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